10. Österreichische Holzgespräche unter dem Motto “Holz: Wir machen mobil”

Angebot an neue Bundesregierung: Sektorstrategie für nachwachsende Rohstoffe

Nachhaltige Forstwirtschaft trägt auch zum Klimaschutz bei. Foto: agrarfoto.com

Die Österreichischen Holzgespräche gelten als die wichtigste Branchenveranstaltung des Forst- und Holzsektors im Jahresverlauf. Sie fanden heuer zum 10. Mal statt und erstmals im Burgenland. Das Motto der Tagung, die heute Donnerstagvormittag in Eisenstadt eröffnet wurde, lautet “Holz: Wir machen mobil” und soll schwerpunktmäßig die Chancen der Holznutzung für Gesellschaft und Wirtschaft aufzeigen. Veranstalter ist die Kooperationsplattform FHP (Forst Holz Papier), die in ihren Gremien zuvor beschlossen hat, der neuen Bundesregierung “ein Angebot zur Nutzung der nachwachsenden Ressource Holz zu machen, von dem Klimaschutz, Beschäftigung und Wirtschaft profitieren”, wie FHP-Vorsitzender Rudolf Rosenstatter betonte.

Konkret bietet die Wertschöpfungskette Holz an, mit der künftigen Bundesregierung und den entsprechenden Fachministerien in einem gemeinsamen Prozess eine “Österreichische Sektorstrategie Nachwachsende Rohstoffe” in der kommenden Legislaturperiode zu erarbeiten. Darin werden alle strategischen Themenfelder von nachhaltiger Holzproduktion bis hin zu neuen Verwendungsmöglichkeiten von Holz im Rahmen der Bioökonomie im Kontext bestehender Strategien wie etwa der Waldstrategie 2020+ adressiert. “Ziel ist eine selbstbewusste, realistische und zukunftstaugliche Strategie für den Bereich Forst Holz Papier, der Leitlinie für Prozesse auf nationaler und regionaler Ebene sein soll”, so Rosenstatter.

Beschäftigungsmotor Holz

Als Input der Branche zu dieser Sektorstrategie werden mehrere Schwerpunkte angeführt: Unter dem Titel “Beschäftigungsmotor Holz” wird dargelegt, dass Holzverwendung ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, aber auch für die Arbeitsplatzsicherung sowie die Wertschöpfung in den Regionen essenziell ist. Daher soll dieser nachhaltige Rohstoff in allen Wirtschaftsbereichen – mit verstärktem Fokus auf hochwertige Anwendungsbereiche mit langer Lebensdauer wie etwa im Holzbau – forciert werden. Vorgeschlagen wird unter anderem eine Intensivierung der Schwerpunktprogramme des Bundes für Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden mit Fokus auf nachwachsende, nachhaltige Ressourcen. Bauordnungen und Bautechnikverordnungen sollen für neue Holzbauanwendungen geöffnet werden, dadurch soll die Verwendung von Holz speziell im städtischen Bereich und in den Ballungszentren im mehrgeschoßigen Holzbau gesteigert werden.

Klimafitter Wald

“Die Waldökosysteme sind vom Klimawandel besonders betroffen. Eine aktive, multifunktionale und nachhaltige Waldbewirtschaftung ist auch weiterhin notwendig, um alle Wirkungen für die Gesellschaft zu gewährleisten”, heißt es in dem FHP-Papier. Dies werde möglich durch die Umsetzung der Österreichischen Waldstrategie 2020+ und die Absicherung der forstlichen Maßnahmen in der Ländlichen Entwicklung durch eine ausreichende Dotierung. Das Forstgesetz solle es weiterhin ermöglichen, sportliche Aktivitäten im Wald sinnvoll zu lenken, um die Sicherheit aller Erholungssuchenden, eine aktive Holznutzung und auch alle anderen Waldfunktionen nachhaltig zu gewährleisten. Gestärkt werden solle außerdem der integrative und dynamische Naturschutz im Wald, denn nur ein fachlich richtig bewirtschafteter Wald sei auch ein “klimafitter Wald”, wird betont.

Ein wichtiger Schwerpunkt betrifft die Rohstoff- und Energiesicherung in Österreich. Dafür wird ein aktives Bekenntnis zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und eine entsprechende Versorgung der Holz verarbeitenden Industrie als notwendig erachtet. Angestrebt wird dabei mittelfristig ein jährlicher Holzeinschlag in Österreich in der Höhe von 20 bis zu 22 Mio. Erntefestmeter. Um das Rohstoffpotenzial für die stoffliche und energetische Nutzung nicht noch weiter einzuschränken, soll es keine weiteren Außer-Nutzung-Stellungen von Waldwirtschaftsflächen geben.

Zu den weiteren von der Branche eingebrachten Schwerpunkten gehört die Erstellung einer Bioökonomiestrategie ebenso wie die Umsetzung von EU-Recht bei Natura 2000, für welche die Einrichtung einer Koordinierungsstelle als notwendig erachtet wird, um eine österreichweite Mindestharmonisierung in zentralen Punkten zu ermöglichen. Besonderes Augenmerk soll auch auf die Unterstützung und Finanzierung von Beratungs- und Organisationsstrukturen für Waldbesitzer gelegt werden.

“Der Forst- und Holzsektor kann durch seine große Bedeutung für Wirtschaft und Klimaschutz einen wichtigen Beitrag für das Wohl dieses Landes leisten. Ich hoffe sehr, dass die neue Regierung dies erkennt und unser Angebot zur gemeinsamen Gestaltung dieser wichtigen Zukunftsfragen annimmt”, betonte Rosenstatter.

Wald nützen = Klima schützen

Im Rahmen der Österreichischen Holzgespräche wurde heute auch die Initiative “Wald nützen = Klima schützen” gestartet. Es handelt sich dabei um ein gemeinsames Projekt des BFW (Bundesforschungszentrum für Wald), des Vereins wald.zeit Österreich und von FHP, welches auch Teil der Kampagne “Holz verwenden ist gut für das Klima – Wir machen unseren Wald klimafit” von Bundesminister Andrä Rupprechter ist.

“Der Wald ist einer der Hauptbetroffenen des Klimawandels, aber auch maßgeblicher Teil der Lösung. Durch eine gezielte und nachhaltige Bewirtschaftung wird der Wald stabiler und klimafitter und somit ein wichtiger Speicher des Treibhausgases CO2. Das Bewusstsein dafür soll bei allen Waldbesitzern geschärft werden, besonders bei den hoffernen, denen oft der unmittelbare Bezug zu ihrem Besitz sowie das nötige Know-how fehlen”, erläuterte Rosenstatter.

“Die Initiative besteht aus einem Aufruf zur Unterstützung der Bewusstseinskampagne und einem entsprechenden Kurs- und Exkursionsangebot des BFW. Auf zahlreichen forstlichen Versuchsflächen zeigen Wissenschafter auf, wie sich der Wald durch unterschiedliche Bewirtschaftungsformen entwickelt hat. Dadurch können sich die Teilnehmer einen ersten Eindruck verschaffen, welche Maßnahmen im eigenen Wald eventuell notwendig wären”, sagte Peter Mayer, Leiter des BFW. Wer seinen Forst nicht selber bewirtschaften kann oder möchte, kann über diese Initiative den richtigen Partner für die jeweiligen Vorhaben finden. So bieten beispielsweise die Waldverbände, der Maschinenring und die gewerblichen Forstunternehmer entsprechende Dienstleistungen an. “Nach einer gemeinsamen Waldbegehung kann man konkrete Vorstellungen austauschen. Danach wird gemeinsam ein individuelles Ziel- und Leistungspaket erarbeitet. Alle Abstufungen sind dabei möglich – von der reinen Beratung bis zum gesamten Holzverkauf”, erklärte Hermine Hackl, Geschäftsführerin des Vereins wald.zeit.

Einzigartige Branchenplattform

Die Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP) ist ein europaweit einmaliger Zusammenschluss aller mit dem Roh-, Wert- und Werkstoff Holz tätigen Branchen, von der Urproduktion über die Weiterverarbeitung in der Säge-, Platten- und Papierindustrie bis zum Holzbau und Holzhandel. Rund 300.000 Menschen beziehen in über 172.000 Betrieben in Österreich ihr Einkommen aus dem Werkstoff Holz. Der Produktionswert der gesamten Wertschöpfungskette beträgt dabei rund 12 Mrd. Euro, der durchschnittliche Exportüberschuss rund 3,5 Mrd. Euro. Die Wertschöpfungskette Holz ist somit ein wichtiger Faktor für die österreichische Volkswirtschaft.

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  • Fichte Faellen 32 ID80305: © agrarfoto.com
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