Der aktuelle Sortenratgeber für den Anbau von Winterraps 2009
Witterungsbedingt geht die Rapsernte heuer fast nahtlos in den Rapsanbau über. Dafür stehen wieder zahlreiche Linien- und Hybridsorten zur Verfügung, darunter auch ein Halbzwerghybrid.
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Für 2009 ist bei Raps im Vergleich zu 2008 mit knapp 57.000 ha (laut Vorschätzung der Statistik Austria) von einer geringfügig größeren Anbaufläche auszugehen, das im Vorjahr erzielte österreichweite Ertragsmittel von mehr als 30 dt je Hektar wird heuer aber nicht erreicht werden können.
Die Witterung im vergangenen Frühjahr verlief für die Rapsbestände nicht optimal. Der bis zuletzt kühle und nasse März verhinderte lange Zeit einen zügigen Frühjahrsstart. Der übergangslos sehr warme und trockene April trieb die Bestände dann in die Blüte, ohne dass zuvor eine ausreichende Blattentwicklung erfolgen konnte. Gleichzeitig nahm bereits der Trockenstress zu. Die hohen April-Temperaturen begünstigten auch einen frühen und häufig starken Rapsglanzkäferflug.
Neue Sorten, neue Leistungsniveaus
In den nachstehenden Sorten- und Ertragsdarstellungen sind die Ernteergebnisse 2009, soweit verfügbar, schon eingearbeitet. Bei Redaktionschluss war der überwiegende Teil der Sortenprüfungen 2009 bereits geerntet.
Neue Sorten geben in der Sortenprüfung auch höhere Leistungsniveaus vor. Mit der Ernte 2009 wurde auf leistungsstärkere Bezugssorten für die Darstellung der Korn- und Fetterträge umgestellt. Dadurch ergeben sich insgesamt nicht so hohe Relativerträge, die Sortenrelationen bleiben aber weitgehend erhalten.
Für den Vergleich zwischen den Sortentypen (Linien- bzw. Hybridsorten) ist das unterschiedliche Bezugsniveau (Standardmittel) unbedingt zu beachten. Sowohl im Trockengebiet als auch in den niederschlagsreicheren Übergangslagen liegt das Standardmittel der Hybridsorten um 4,5 bzw. 2,3 dt/ha über dem der Liniensorten.
In der Praxis ist der Ertragsunterschied bei günstiger Bodenbonität, hohem Nährstoff- und Wasserangebot zwischen Linien- und Hybridsorten jedoch meist geringer, oder die Erträge sind annähernd gleich.
Hybridsorten mit kräftigerem Wurzelsystem
Allgemein ist davon auszugehen, dass unter nicht optimalen Anbaubedingungen, insbesondere bei Trockenstress, wo ein kräftiges Wurzelsystem gefordert ist, Hybriden eher Ertragsvorteile aufweisen. Hybridsorten können auch etwas später gesät werden. In der Sortenwertprüfung und auch in der Praxis ist der Anteil von Hybridsorten während der vergangenen Jahre ständig gestiegen.
Die höchsten Ölgehalte im Sortiment erreichen dagegen Liniensorten wie Adriana, Komando oder Siska.
Was die neuen Liniensorten können
Seit August vorigen Jahres wurden die Liniensorten Adriana, Chagall, Komando und Mickey sowie der Hybridsorten NK-Petrol und der Halbzwerghybrid Bambin gelistet.
Die Sorte Adriana überzeugt mit soliden Erträgen im Trockengebiet und leichten Mehrerträgen im Feuchtgebiet. Mit ihrem ausnehmend hohen Fettgehalt liegt die Sorte auch im Fettertrag in beiden Anbaulagen zum Teil sehr deutlich über den bisher zugelassenen Liniensorten. Adriana weist zudem einen sehr niedrigen Glucosinolatgehalt auf und gute Toleranzen gegenüber Sclerotinia und Phoma auf.
Komando empfiehlt sich mit seinen deutlich besseren Ertragsleistungen unter trockenen Anbaubedingungen für die ostösterreichischen Anbaulagen. Ähnlich wie Ad riana setzt auch Komando neue Maßstäbe in der Rapsqualität.
Der Fettgehalt dieser Sorte ist wie bei Adriana höher als jener von Siska bei gleichzeitig niedrigen Glucosinolatwerten. Die mittelhohe Sorte Komando reift etwas früher als Californium oder Casoar, zeigt eine mittlere bis starke Lagerneigung sowie gute Krankheitstoleranzen.
Die früh schossende Sorte Chagall mit früher bis mittlerer Blüte und zeigt eine mittlere Reifezeit. Chagall bringt im Trockengebiet und in den Übergangslagen leicht überdurchschnittliche Kornerträge. Die gut winterfeste Sorte bildet mittelhohe bis hohe Bestände bei einer mittleren Standfestigkeit.
Die Sorte Mickey aus österreichischer Züchtung schosst sehr früh bei einer mittleren Blüte- und Reifezeit. Mickey erbringt höhere Korn- und Fetterträge im Trockengebiet. Die Sorte besitzt einen ähnlich hohen Fettgehalt wie Siska. Mickey bildet mittlere bis hohe Bestände bei mittlerer bis starker Lagerneigung.
Alle vier neuen Liniensorten haben eine gute Winterfestigkeit.
Erstmals Halbzwerghybrid in der Sortenliste
Der neue Hybrid NK Petrol aus Deutschland schosst früh bei früher bis mittlerer Reifezeit. Die Sorte gleicht in diesen Eigenschaften den Hybriden Tenno und Visby. NK Petrol übertrifft Tenno deutlich im Korn- und Fettertrag sowohl unter trockeneren als auch unter niederschlagsreicheren Anbaubedingungen. Ertraglich kommt NK Petrol in den Übergangslagen an Pulsar und Exagone nahezu heran, reift aber gegenüber diesen Sorten deutlich früher. NK Petrol besitzt einen wesentlich niedrigeren Glucosinolatgehalt und eine geringfügig bessere Standfestigkeit als Exagone und Pulsar.
Bambin ist der erste Raps-Halbzwerghybrid in der Österreichischen Sortenliste. Vertreter dieses Wuchstyps erleichtern mit ihrer um zirka 15 bis 20 Prozent geringeren Wuchshöhe spätere Behandlungsmaßnahmen.
Die sehr gute Standfestigkeit ermöglicht eine intensivere Bestandsführung. Die frühe und gleichmäßigere Abreife dieses Wuchstyps bedingt eine leichtere Erntbarkeit der Bestände. Infolge des geringeren Strohdurchsatzes ist auch eine höhere Druschleistung gegeben.
Im Kornertag ist die Sorte Bambin mit den bereits längere Zeit gelisteten Normalhybriden wie etwa Baldur vergleichbar. Gegenüber neueren Normalhybriden zeichnen sich aber zum Teil noch empfindliche Mindererträge ab; diese sind besonders im Trockengebiet stärker ausgeprägt.
Unter den bestehenden Liniensorten entsprechen Casoar und Catalina beim Ertrag sowohl im Trockengebiet als auch in den Übergangslagen. Bei gleicher Wuchshöhe ist Casoar standfester, Catalina hat dagegen einen höheren Fettgehalt als Casoar.
Die gut standfeste Sorte Remy eignet sich eindeutig besser für Trockenlagen und überzeugt unter diesen Bedingungen auch im Fettertrag. Ladoga zeigt dagegen höhere Korn- und Fetterträge in den Übergangslagen. Remy und Ladoga besitzen beide eine gute Toleranz gegenüber Sklerotinia und Phoma und zeichnen sich auch durch einen niedrigen Glucosinolatgehalt aus.
Unter den bestehenden Normalhybriden geben Exagone und Pulsar wiederholt ein hohes Ertragsniveau vor. Auf die mittlere bis späte Abreife dieser Sorten wurde bereits hingewiesen.
Die rasch schossende Sorte Visby reift im Gegensatz dazu wesentlich früher und ist zudem sehr standfest. Visby entspricht als frühe Sorte beim Ertrag ebenfalls in beiden Anbaulagen.
Zusätzlich zu den hier beschriebenen Sorten werden nach der Sommerzulassung (siehe Infobox unten) voraussichtlich weitere Sorten für den bevorstehenden Anbau zur Verfügung stehen.
Klemens Mechtler
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Wien
Sommerzulassung von Raps 2009
Um den Zuchtfortschritt möglichst rasch in die landwirtschaftliche Praxis einzuführen, gibt es in Österreich seit Jahren Anfang bis Mitte August einen Sommertermin für die Zulassung von Rapssorten.
Geeignete Prüfkandidaten sind damit – natürlich nur, wenn Saatgut vorhanden ist – als neueste Sorten bereits für den Herbstanbau verfügbar.
Deren Eigenschaften und Leistungen sind dann zeitgleich mit der Listung im Internet unter http://www.baes.gv.at/pflanzensorten/oesterreichische-beschreibende-sortenliste/oel-faser-und-handelspflanzen/winterkoernerraps einsehbar.
Nach Abschluss der diesjährigen Prüfsaison stehen drei Prüfkandidaten – zwei Liniensorten, ein Hybrid – zur Zulassung an.
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