Schweinegrippe ist nicht Schweinegrippe

Grundlegende Informationen zum "Schreckgespenst" Schweinegrippe und zu Infektionen bei Schweinen und Menschen / Was zum Schutz von Schweinebeständen getan werden kann

Maststall38-16499.jpg © agrarfoto.comGrößer Die echte Schweinegrippe (siehe Kasten unten) wird durch eine Infektion mit Subtypen des Influenzavirus A hervorgerufen und ist eine hochansteckende Krankheit, die in Schweinepopulationen in Nord- und Südamerika, Teilen von Asien und Europa – auch in Österreich – vorkommt.

Das derzeit nur beim Menschen beobachtete "Pandemic Influenza A/H1N1" wurde in europäischen Schweinepopulationen noch nicht vorgefunden. Entgegen weltweiten Pressemeldungen handelt es sich bei diesem neuartigen Erreger um keinen über infizierte Schweine verbreiteten "Schweinevirus", sondern um einen bisher unbekannten Stamm des Influenzavirus A/H1N1, der den Menschen betrifft (Pandemic Influenza Virus A/H1N1).

Neuartig an diesem Erreger ist sein Anteil an Genen aus dem Erbgut der Schweine, der Vögel und des Menschen, wie sie in dieser Kombination bisher noch nie aufgefunden worden sind. Mittlerweile ist das Genom dieses Pandemic Influenza Virus erfolgreich analysiert worden.

Schweine sind die einzige bekannte Tierart, die für alle beschriebenen Influenza A-Viren des Menschen, der Vögel und der Schweine gleichzeitig empfänglich ist. In der Ökologie des Influenza A-Virus spielen sie dadurch eine einzigartige Rolle als "Mischgefäß" für den Eintrag genetisch neu sortierter Virustypen in die menschliche Population.

Dieses pandemische Virus ist weltweit eine Herausforderung für die Gesundheitsbehörden, Tiere haben in Bezug auf Verbreitung und Epidemiologie bisher jedoch keine Bedeutung.

Keine Infektion durch Schweinefleischkonsum

In Versuchsreihen wurde herausgefunden, dass Schweine zwar für die "Pandemic Influenza" empfänglich sind, aber es gibt keinerlei Beweise, dass die Krankheit anders verläuft als bei lange bekannten Stämmen. Die Gesundung der Tiere erfolgt meist rasch und problemlos bei einer geringen Sterblichkeitsrate. Als Überträger der "Pandemic Influenza" wird das Schwein ausgeschlossen. Sie kann auf den Menschen durch den Konsum von ordnungsgemäß zubereitetem Schweinefleisch oder Produkten, die Schweinefleisch enthalten, nicht übertragen werden.

Falls sich das Virus in der Bevölkerung extrem ausbreitet, steigt aber das Risiko, dass auch Schweine in europäischen Schweinebeständen infiziert werden können. Zu deren Schutz ist eine Reihe von Hygienemaßnahmen zu empfehlen (siehe Kasten "Schweinebestände schützen):

Schutz im Kontakt mit Tieren sinnvoll

Für die erstmals im Frühjahr 2009 neu in Mexiko aufgetretene spezielle "Pandemic Influenza" A/H1N1 ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch charakteristisch. Bisher konnte kein Fall nachgewiesen werden, bei dem die Ansteckung durch Kontakt zu Schweinen erfolgt ist. Trotzdem ist ein Schutz im Kontakt mit Tieren angebracht.

Zusätzliche Maßnahmen im Veterinärbereich sind beim derzeitigen Stand der Dinge nicht nötig, da die Gefahr nicht von Tieren ausgeht.

Ao. Univ. Prof. Dr. Petra Winter

Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling,

• Weitere Informationen im Internet unter:

www.bmg.gv.at

www.ecdc.europa.eu

www.ec.europa.eu/food/animal/diseases/influenza AH1N1/index_en.htm

Die echte Schweinegrippe

Die Inkubationszeit bei der echten Schweinegrippe beträgt bei Schweinen ein bis fünf Tage, ein gehäuftes Auftreten ist während der kalten Jahreszeit zu erwarten. Der Krankheitsverlauf ist akut und beginnt mit Fressunlust, Fieber sowie Muskelschwäche und Muskelschmerzen. Erkrankte Tiere, meist drei bis vier Monate alt, scharen sich zusammen und bewegen sich kaum. Hustenanfälle, Nasenausfluss, Konjunktivitiden sind typische Anzeichen. Am Höhepunkt der Infektion tritt eine Zwerchfellatmung auf. Wenn gute hygienische und konstitutionelle Vorrausetzungen vorhanden sind, genesen die Schweine innerhalb von zirka drei bis sechs Tagen. Bei Pneumonien mit Sekundärinfektion dauert es länger. Es erkranken zwar beinahe alle Tiere, die Sterblichkeitsrate liegt aber unter einem Prozent. Meist verläuft die unkomplizierte Heilung innerhalb von zehn bis 14 Tagen. Die Subtypen H1N1, H3N2 und H1N2 des Influenzavirus A sind bei Schweinebeständen in Europa weit verbreitet.

Schweinebestände schützen

Wie Sie Ihre Schweine vor einer Infektion schützen können • Beachtung und Einhaltung hygienischer Grundregeln in Schweinebeständen.
• Planmäßige Bestandsbetreuung im Bereich landwirtschaftlicher Nutztiere.
• Vermeiden Sie den Kontakt mit an Grippe erkrankten Menschen.
• Wenn Sie selbst erkrankt sind, meiden Sie Kontakt zu Schweinebeständen und deren Tierhaltern.
• Bedecken Sie Mund und Nase, wenn Sie husten oder sich schnäuzen. Werfen Sie das Papiertaschentuch nach Gebrauch weg, dass dadurch keine erneute Ansteckungsgefahr entstehen kann. Möglichst keine Stofftaschentücher nicht verwenden.
• Regelmäßiges Händewaschen mit Seife und warmem Wasser.schützt vor der Übertragung von Grippeviren.
• Alkoholische Desinfektionsmittel (Sprühflaschen oder Reinigungstücher) können bei Fehlen von Waschgelegenheiten eingesetzt werden.
• Berühren sie mit ungewaschenen Händen weder Augen und Nase noch Mund (Viren können auch durch Berührung viral verunreinigter Gegenstände auf Ihre Finger gelangen).

21.08.2009