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Die seit Wochen andauernden Studentenproteste an den österreichischen Universitäten haben die Hochschulpolitik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Dass dabei nicht immer differenziert berichtet wird, bereitet so manchem Studierenden wenig Freude. "Alle Studenten werden in einen Topf geworfen", ärgert sich etwa Alexander Köllner, Vertrauensobmann in der Akademikergruppe des NÖ Bauernbundes an der Wiener Universität für Bodenkultur (ABO), über den so entstandenen Eindruck, es würde nur noch protestiert und nicht studiert.
Wer ernsthaft studiert, soll eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten
Seit Wochen protestieren Studenten an den österreichischen Universitäten. Wie sehen Studierende und Absolventen diese Proteste? Kann es den freien und kostenlosen Unizugang für alle geben? Eine Bestandsaufnahme.
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Die seit Wochen andauernden Studentenproteste an den österreichischen Universitäten haben die Hochschulpolitik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Dass dabei nicht immer differenziert berichtet wird, bereitet so manchem Studierenden wenig Freude. "Alle Studenten werden in einen Topf geworfen", ärgert sich etwa Alexander Köllner, Vertrauensobmann in der Akademikergruppe des NÖ Bauernbundes an der Wiener Universität für Bodenkultur (ABO), über den so entstandenen Eindruck, es würde nur noch protestiert und nicht studiert.
Nein zu chaotischen Kundgebungen
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Wie Köllner sind auch die Vertreter der Akademikergruppe an der Veterinärmedizinischen Universität (AVE) in Wien, die an der ÖH der VetMed den Vorsitz führen, der Meinung, dass Blockaden von Hörsälen die notwendige konstruktive Diskussion über die Bildungssituation an den Hochschulen nicht unbedingt fördern. "Chaotische Kundgebungen und Forderungen, die sich nicht auf die aktuelle prekäre Lage der Hochschulen beziehen, sondern auf allgemeinpolitische Probleme in Österreich abzielen, können und wollen wir nicht unterstützen und distanzieren uns gänzlich von solchen Veranstaltungen", so die AVE.
Lehrveranstaltungen in Kinosälen
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Dass die aktuelle Lage an den österreichischen Universitäten tatsächlich prekär ist, stellt allerdings niemand in Abrede. Dass seit der Abschaffung der Studiengebühren im vergangenen Jahr ein Run auf die heimischen Hochschulen eingesetzt hat, hat die ohnehin vorhandenen Platzprobleme weiter verschärft. So gibt es etwa an der Universität für Bodenkultur (Boku) Probleme vor allem in der Studienrichtung Umwelt- und Bioressourcenmanagement, für Lehrveranstaltungen werden Kinosäle angemietet, sogar das Imax-Kino musste als Ort für eine Prüfung herhalten. Zudem mangelt es der Boku wie auch den anderen Unis an den notwendigen finanziellen Mitteln.Die mit dem Universitätsgesetz 2002 beschlossene Autonomie der Universitäten, die diese – neben gedeckelten Bundesmitteln – zwingt, sogenannte Drittmittel zur Finanzierung des Universitätsbetriebs zu aquirieren, hat diese vor neue Herausforderungen gestellt. "Durch die gesetzliche Basis ist man auf die Aquirierung von Drittmitteln angewiesen. Das läuft nicht von heute auf morgen und hat daher zu einer Ressourcenknappheit geführt", beschreibt der stellvertretende Obmann des Boku-Absolventenverbandes Landwirtschaft, Johann Blaimauer, die aktuelle Situation an der Bodenkultur, die wohl auch für die anderen Universitäten gilt. Dass angesichts der immer knapper werdenden öffentlichen Budgets die Forderung der Protestierenden nach einem freien und kostenlosen Zugang für alle bei gleichzeitig optimalen Studienbedingungen realistisch ist, hält man im Absolventenverband für eine Illusion. Ziel sei es, "leistungsorientierten und ernsthaft an der Ausbildung Interessierten eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen", sagt Blaimauer.
Studiengebühren mit sozialer Abfederung
Dass da die Wiedereinführung von Studiengebühren durchaus ein Thema sein könnte, bestätigt auch der Obmann des Absolventenverbandes, Josef Resch – wenngleich mit einer Einschränkung. Sollte es tatsächlich zu einer Wiedereinführung der Studiengebühren kommen, dann müsse auch die finanzielle Unterstützung in Form von Stipendien für sozial Bedürftige weiter ausgebaut werden, unterstreicht Resch.
Bei allen aktuellen Sorgen – zumindest zwei Probleme, die in anderen Studienrichtungen evident sind, haben Studenten und Absolventen der Boku-Studienrichtung Agrarwissenschaften (früher Landwirtschaft) nicht: Den Kampf um den Platz im Hörsaal während des gesamten Studiums sowie die Sorge, nach Studienabschluss keinen Job zu bekommen.
Auch Markus Schüller, Studentenvertreter an der ÖH und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Boku, bestätigt, dass sich in den Agrarwissenschaften die Platzprobleme, sind erst einmal die ersten drei Studienmonate absolviert, zumeist in Grenzen halten – auch wenn die Zahl der Boku-Studenten insgesamt seit dem vergangenen Studienjahr von rund 8400 auf aktuell rund 9500 (1400 davon in agrarischen Studien) gestiegen ist. Und: Absolventen der Agrarwissenschaften haben nach wie vor gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz. "Objektiv betrachtet gibt es kein Arbeitsplatzproblem. Wenn Absolventen mobil sind, bekommen sie überall auf der Welt einen Job", sagt Blaimauer. Sein Nachsatz: "Die Mobilität lässt allerdings zu wünschen übrig."C.D.
Bei allen aktuellen Sorgen – zumindest zwei Probleme, die in anderen Studienrichtungen evident sind, haben Studenten und Absolventen der Boku-Studienrichtung Agrarwissenschaften (früher Landwirtschaft) nicht: Den Kampf um den Platz im Hörsaal während des gesamten Studiums sowie die Sorge, nach Studienabschluss keinen Job zu bekommen.
Auch Markus Schüller, Studentenvertreter an der ÖH und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Boku, bestätigt, dass sich in den Agrarwissenschaften die Platzprobleme, sind erst einmal die ersten drei Studienmonate absolviert, zumeist in Grenzen halten – auch wenn die Zahl der Boku-Studenten insgesamt seit dem vergangenen Studienjahr von rund 8400 auf aktuell rund 9500 (1400 davon in agrarischen Studien) gestiegen ist. Und: Absolventen der Agrarwissenschaften haben nach wie vor gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz. "Objektiv betrachtet gibt es kein Arbeitsplatzproblem. Wenn Absolventen mobil sind, bekommen sie überall auf der Welt einen Job", sagt Blaimauer. Sein Nachsatz: "Die Mobilität lässt allerdings zu wünschen übrig."C.D.
Mehr Geld
Wissenschaftsminister Johannes Hahn stellt den österreichischen Universitäten zusätzlich 34 Mio. Euro aus einer "Notfalls-Reserve" zur Verfügung. Als Richtschnur für die Aufteilung der Mittel auf die einzelnen Unis dient deren Studentenzuwachs. Endgültig fixiert werden die genauen Summen nach Ende der Inskriptionsnachfrist am 30. November. Der Löwenanteil geht mit sieben bis neun Mio. Euro an die Uni Wien, die Bodenkultur (Boku) wird aller Voraussicht nach ein bis zwei Mio. Euro erhalten. Auch Unis mit Zugangsbeschränkungen wie die Medizin-Unis und die Veterinärmedizinische Universität (VetMed) erhalten Geld, die VetMed voraussichtlich 500.000 Euro. Vorgabe ist, dass die Gelder dort eingesetzt werden, wo es aufgrund der stark steigenden Studentenzahlen besondere Belastungen gibt, etwa in der Raumausstattung oder für zusätzliches Lehrpersonal.
Jubiläum
Der Absolventenverband Landwirtschaft an der Universität für Bodenkultur feiert im kommenden Jahr das Jubiläum seines 100-jährigen Bestehens. Der Absolventenverband Landwirtschaft ist der größte und älteste seiner Art an der Boku und zählt aktuell rund 1600 Mitglieder, darunter auch zahlreiche Prominenz, wie Vizekanzler Josef Pröll, LH Erwin Pröll, Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder. Verbandsobmann Josef Resch, seit 1998 in dieser Funktion, wird 2010 nicht mehr kandidieren.
Boku sucht neuen Rektor
Nach den Turbulenzen um die ehemalige Rektorin der Universität für Bodenkultur (Boku), Ingela Brunner, die im heurigen Jänner in Brunners Rücktritt mündeten, steht die Wahl eines neuen Boku-Rektors unmittelbar bevor.
Vergangene Woche stellten sich vier Kandidaten einem öffentlichen Hearing: Martin Gerzabek, geschäftsführender Rektor und Professor am Institut für Bodenforschung der Boku, Rainer Marggraf, Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomie an der Georg-August-Universität Göttingen, Christian Noe, Professor für Pharmazeutische Chemie und Leiter des Instituts für Medizinische Chemie an der Uni Wien sowie Peter Holubar, Professor am Institut für Angewandte Mikrobiologie der Boku.
Nachdem der Senat nach dem Hearing einen Dreiervorschlag erstellte, aus dem der Universitätsrat am 2. Dezember 2009 den neuen Boku-Rektor wählen wird, ist Holubar nicht mehr im Rennen. Erstgereiht wurde Gerzabek, ein "Boku-Eigenbau", der bereits seit sechs Jahren als Vizerektor an der Universität für Bodenkultur fungiert und seit Brunners Abgang die Geschäfte führt. Gerzabek werden daher auch die besten Chancen eingeräumt, zum neuen Boku-Rektor gewählt zu werden.
19.11.2009







