Maismarkt weltweit stabil auf schwachem Niveau

Global gesehen, ist der Maismarkt von einer relativ knappen Versorgung bei weiter steigendem Bedarf gepägt. Billiges Futtergetreide bremst zurzeit allerdings Preis-Höhenflüge bei Mais.

Sowohl innerhalb der EU als auch auf dem Weltmarkt zeichneten sich die Maispreise in den vergangenen Wochen durch anhaltende Stabilität aus. Diese zeigte sich sowohl an den physischen als auch an den Terminmärkten. Von den niedrigen Preisen die sich vor der Ernte einstellten, konnten sich die Preise etwas nach oben absetzen und dieses Niveau auch behaupten.
Maisabtanken2-6293.jpg © Agrarfoto.comGrößer Im Gegensatz zu Futterweizen oder Futtergerste ist die weltweite Versorgungsbilanz bei Mais als eher angespannt zu bezeichnen, was das aktuelle Preisniveau auch rechtfertigt. Der internationale Getreiderat (IGC) schätzt die globale Maisproduktion in der laufenden Kampagne auf 787 Mio. t. Die wäre nur unmerklich weniger als noch in der Saison 2008/09 (791 Mio. t).

Rekord bei der Nachfrage


Dreh- und Angelpunkt bei der diesjährigen Maisbilanz ist jedoch die Nachfrage. Ein für 2009/10 auf gut 800 Mio. t (im Vorjahr 778 Mio. t) geschätzer Bedarf bedeutet ein neues Rekordniveau. Davon sollen 60 Prozent oder 476,4 Mio. t in die Fütterung (im Vorjahr 471,4 Mio. t) wandern.
Während die Nachfrage Veredelungsindustrie in den westlichen Ländern weitestgehend stagniert, verbuchen Schwellenländer (Indien, China usw.) weiter stabile Zuwachsraten. 233,6 Mio. t sollen für industrielle Zwecke, darunter hauptsächlich die Bioethanolproduktion, dienen (im Vorjahr 218 Mio. t).
Damit bleibt festzuhalten, dass trotz der in der Vergangenheit ständig gestiegenen Produktion, die Nachfrage nicht befriedigat werden kann. Die Folge ist ein Bestandsabbau von 14 Mio. auf 134 Mio. t.

Diese globale Situation spiegelt sich auch im Kleinen wider. Seit der Osterweiterung kann sich die EU zwar weitestgehend selbst mit Mais  versorgen. Auch in dieser Saison sah es lange Zeit danach aus, dass dies wieder der Fall sein wird. Vielerorts konnten die Maisbestände jedoch nicht halten, was sie während der Vegetationszeit versprochen hatten. Hinzu kam die steigende Nachfrage der Ethanol- und Biogasproduzenten.
Die EU-Ernte 2009 pendelte sich mit 56 Mio. t deutlich unter dem Vorjahresergebnis (62 Mio. t) ein. Insgesamt dürfte sie den Bedarf der EU im Ausmaß von 60 Mio. t nicht decken.  
In der EU liegt das Preisniveau für Mais anhaltend deutlich über dem Weltmarktniveau. Dies ist nicht zuletzt auf die restriktiven Außenhandelsbestimmungen zurückzuführen. Vergleichsweise hohe Zölle schützen vor Importen aus den USA, der Ukraine oder Südamerika. Lediglich Spanien und Portugal besitzen ein Kontingent von 2,5 Mio. t zu einem vergünstigten Zollsatz (Abatimento-Kontingent). Die Maisimporte der EU werden sich auch in der laufenden Kampagne auf diese Menge beschränken.  

Mais zu billig


Mit einer Exportmenge von mehr als 60 Mio. t bleiben die USA wichtigster Handelspartner und damit der wichtigste Handelsplatz auf dem Weltmarkt. Für die aktuelle Preisentwicklung erwiesen sich die folgenden Faktoren als zentral:

• Die späte Aussaat im Frühjahr führte zu einer verzögerten Pflanzenentwicklung und einer sehr späten Ernte. Vor dem Wintereinbruch konnte die Ernte nicht abgeschlossen werden. Es ist davon auszugehen, dass zehn bis 15 Mio. t Mais ungeerntet auf den Feldern überwintern dürften. In Österreich wurde um zwölf Prozent weniger geerntet als 2008.

• Im Vergleich zur Sojabohne ist der Mais zu billig. Es bestehen somit nur wenige Anreize für die Farmer, in der kommenden Kampagne die Maisflächen auszuweiten oder zumindest konstant zu halten. Diese Faktoren sprechen dafür, dass mittelfristig durchaus ein stabiles bis leicht freundliches Preisniveau auf den internationalen Märkten vorherrschen dürfte.

• Die Bioethanolproduktion aus Mais floriert in den USA. In der Saison 2008/09 verbuchte dieser Sektor Zuwachsraten bei der Produktion von mehr als 20 Prozent. Auch im laufenden Wirtschaftsjahr dürfte sich dieser Trend aufgrund weiter steigender Beimischungsquoten in 2010 und günstiger Rahmenbedingungen – im Vergleich zu den Maispreisen merklich gestiegene Rohölnotierungen – weiter fortsetzen.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) geht davon aus, dass insgesamt gut 120 Mio. t zu Ethanol verarbeitet werden. Dies würde einem guten Drittel der US-Maisernte von 330 Mio. t entsprechen.
Gegen einen klaren Aufwärtstrend bei den Maisnotierungen spricht die anhaltend gute Versorgung mit alternativen Futtergetreidearten (Weizen, Gerste, Triticale, Roggen). Hier weisen die Bilanzen angesichts der guten Ernten in den letzten beiden Jahren deutliche Überschüsse auf. Weltweit gesehen, dürften sich bei Weizen trotz rückläufiger Produktion – von 687 Mio. t (2008/09) auf 668 Mio. t – und einer leicht steigenden Nachfrage (643 Mio. t) deutlich höhere Endbestände von 191 Mio. t ergeben (plus 20 Mio. t).
Dementsprechend wird nicht nur in der EU der Einsatz von Mais in der Mischfutterherstellung auf ein Minimum beschränkt und auf günstigere Alternativen zurückgegriffen. Angesichts der desolaten Situation der europäischen Milch- und Mastbetriebe ist zusätzlich zumindest in der EU mit einer leicht rückläufigen Mischfutterproduktion zu rechnen.

Abbau der Lagerbestände


Der globale Maismarkt befindet sich damit in einem Spannungsfeld einer stetig steigenden Nachfrage, die nur durch den Abbau von Endbeständen befriedigt werden kann und einem insgesamt mehr als üppigen Angebot an sonstigem Futtergetreide.
Dies dürfte dazu führen, dass der Markt zwar ein solides Fundament für ein stabiles Preisniveau besitzt, größere Preisabweichungen vom derzeitigen Niveau sollten aber eher temporärer Natur sein.

Autor: 
Martin Hares, KS Agrar, Mannheim (D)
 
05.01.2010