Bio Austria will Vermarktungsgenossenschaft für Ernte 2011 gründen

Vierbauch: Direkte Beteiligung der Bauern - Wiederholung derzeitiger Situation ausschließen
In einem Schreiben an die rund 13.000 im Verband Bio Austria organisierten Biobauern und auch auf der Verbandshomepage (www.bio-austria.at) teilte Verbands-Obmann Rudi Vierbauch gestern, Dienstag, mit, angesichts der derzeit unbefriedigenden Situation bei der Vermarktung von Biogetreide habe sich Bio Austria "entschlossen, für die Zukunft, das heißt ab der Ernte 2011, ein neues Vermarktungsmodell aufzubauen". Man denke dabei "an eine Organisationsform, wo die direkte Beteiligung der Bauern schnell und unbürokratisch möglich ist, wo Kontrolle und Verantwortung nicht in einer Hand liegen, Transparenz und Fairness in höchstem Maße sichergestellt sind und eine Wiederholung der derzeitigen Situation weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Organisationsmodell einer Genossenschaft diesen Voraussetzungen sehr nahe kommt", so Vierbauch.

Als Beweggründe führt Vierbauch unter anderem die bisherige Situation mit der finanziellen Misere der Agentur für Biogetreide GmbH an, die bekanntlich ihren rund 2200 Vertragsnehmern am 23. Juni 2010 angekündigt hat, rund vier Mio. Euro Zahlungsverpflichtungen an die Bauern für die Vermarktung der Ernte 2009 nicht nachkommen zu können. Der Vierbauch dann vorgelegte Lösungsvorschlag sei, so der Bio Austria-Obmann, "eine Fortsetzung des Systems unter einer neu gegründeten Firma von Herrn Engelbert Sperl – allerdings ohne wirkliche Mitsprache der Bauern", denen vorerst nur eine Minderheitenbeteiligung in einer neuen GmbH-Konstruktion angeboten worden war. Erst später seien bei den Informationsveranstaltungen der Bio Austria-Landesorganisationen Niederösterreich und Wien sowie Burgenland Zusagen für bäuerliche Mehrheitsbeteiligungen gemacht worden. Die mit der Agentur geschlossenen Verträge für 2010 sollten einvernehmlich gelöst und neue Lieferverträge mit der neuen Firma abgeschlossen werden.

Vierbauch kritisiert, es sei durch die späte Bekanntgabe an die Bauern und deren vertragliche Bindung von vornherein klar gewesen, dass es nicht möglich sein würde, eine Alternative zu entwickeln. Damit sei der von der Agentur vorgeschlagene Weg als einzige Möglichkeit übrig geblieben. "Die Landesorganisationen Niederösterreich und Wien sowie Burgenland bemühen sich durch ihr Engagement innerhalb dieser Konstellation, die Ernte 2010 möglichst reibungslos abzuwickeln", so das Schreiben. Vierbauch hofft dabei, "dass das bestehende Restrisiko für unsere bäuerlichen Lieferanten dabei nicht zum Tragen kommt".

Fehleinschätzungen der Markt- und Kundenentwicklung durch Agentur

Vierbauch sieht als wesentlichen Auslöser dieser Situation "Fehleinschätzungen der Markt- und Kundenentwicklung vonseiten der Agentur in den letzten Jahren". Deshalb wolle Bio Austria jetzt mit einer völligen Neukonstruktion einer genossenschaftlichen Vermarktungseinrichtung sicherstellen, dass diese "wieder Zugang zu allen Handelspartnern am österreichischen Markt findet, stabile Geschäftsbeziehungen möglich macht und gleichzeitig den Exportmarkt für österreichische Ackerfrüchte entwickelt". Der vom Verband entwickelte Bio Austria-Standard einer Premiumqualität soll am Markt weiter etabliert und umgesetzt werden. Schließlich, so Vierbauch, solle "Transparenz in der Vermarktung von Speise- und Futtergetreide nach innen und außen im höchsten Maße sichergestellt" werden und "durch ein Netzwerk starker strategischer Partner" Zahlungsflüsse garantiert, Termine eingehalten und das finanzielle Risiko minimiert sowie eine schlanke Kostenstruktur gewährleistet werden.

Höchste Zeit für neue Vermarktungsform - Gründe für Genossenschaftsgründung

Da es dringend notwendig und höchst an der Zeit sei, über derartige andere, zusätzliche Formen der Vermarktung für österreichische Bioackerfrüchte nachzudenken, "wird unsererseits intensiv an einer solchen neuen Struktur gearbeitet". Bio Austria denke dabei an ein Genossenschaftsmodell, weil damit die bäuerliche Beteiligung auf einfachstem Wege durch Aufnahme von Mitgliedern mit Vorstandsbeschluss möglich sei und keine Rechtskosten anfielen. Der Vorstand werde durch die Mitglieder gewählt und bilde somit die Struktur der Zulieferer ab. Er habe klare strategische Aufgaben. Weiters sorge der Aufsichtsrat als erstes und direktes Kontrollorgan rasch für notwendige Korrekturen und stehe der Revisionsverband zur Überprüfung der Geschäftsführung und finanziellen Gebarung zur Verfügung. Eine jährliche Revision sei verpflichtend. Schließlich könne an der Generalversammlung jedes Mitglied teilnehmen und durch direkte Fragestellung Information und Aufklärung verlangen. "Die Mitsprache ist somit sichergestellt", so Vierbauch.

Die Tätigkeit der geplanten Genossenschaft solle sich auf alle Ackerbaugebiete in Österreich erstrecken. Damit sei eine flächendeckende Übernahme sichergestellt und die bestmögliche Bedienung des Marktes möglich. Man arbeite daran mit Hochdruck und werde in den nächsten Wochen weitere Informationen dazu geben. "Ich bin überzeugt, dass wir damit im Sinne unserer Ackerbaubetriebe an einer besseren Perspektive für die Zukunft arbeiten, so Vierbauch.

Servicetelefon von Bio Austria eingerichtet

Weil zurzeit die verunsicherten Biobauern viele Fragen zum Thema Getreidevermarktung an ihren Verband herantrügen, hat Bio Austria ein Servicetelefon (0676/842 214-888) eingerichtet. pos

28.07.2010