Rund 2500 Alpakas gibt es bereits in Österreich – 24 von ihnen leben in Bad Großpertholz (Bezirk Gmünd) am Sonnseitnhof von Gabriele Sagaster und Harald Vogler. Neben der hochwertigen Wolle ist es das ruhige Wesen der Tiere, das die beiden Jungübernehmer dazu bewogen hat, die Exoten ins Waldviertel zu holen. Ein Entschluss, den sie bis heute nicht bereut haben, wie Harald Vogler betont.

„Geplant war, dass mein Bruder den Hof übernimmt“

„Eigentlich war gar nicht ich, sondern mein Bruder als Hofnachfolger vorgesehen“, erzählt Harald Vogler dazu, dass die Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs seiner Eltern im Jahr 2012 für ihn und seine Familie überraschend gekommen war. Er arbeitete als Bauleiter in der Elektro- und Glasfasertechnik und hatte gemeinsam mit seiner Partnerin Gabriele und den beiden Söhnen, das Nachbarhaus gekauft und liebevoll renoviert.

„Die Entscheidung, ‚Ja‘ zu sagen, ist uns dennoch nicht schwer gefallen“, berichtet Vogler weiter von den Anfängen. Für den Betrieb, der von den Eltern bereits mit Mutterkuhhaltung geführt worden war, wurde ein Betriebskonzept entwickelt und Harald und Gabriele wollten in die Grauviehzucht einsteigen.

Gabriele Sagaster: „Es braucht Geduld,
um die Alpakas halfterführig zu machen.“

Und wieder kam es anders, als geplant: Ausschlaggebend war ein Fernsehbeitrag über Alpakas. Von der Sanftmut der Tiere fasziniert, beschlossen Gabriele und Harald, drei Alpakas zu kaufen – Leonardo, Sanchez und E.T. kamen ins Waldviertel. Nachbarn, Freunde sowie Verwandte interessierten sich sofort für die exotischen Neuzugänge und schon bald entstand die Idee, dieses Interesse betrieblich zu nutzen.
Um ihren Gästen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, professionell das Thema Landwirtschaft näher bringen zu können, absolvierten Harald und Gabriele den Zertifikatslehrgang „Schule am Bauernhof“. Die Herde wurde vergrößert und den Besucherinnen sowie Besuchern Hofführungen und Alpaka-Wanderungen angeboten, die auf reges Interesse stoßen. Doch nicht nur Schulklassen, auch Vereine und Einzelpersonen kommen gerne auf den Sonnseitnhof, um mehr über die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammende Tierart zu erfahren. Auch Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung reagieren oft positiv auf eine Begegnung oder Berührung, weil die Tiere durch ihr ruhiges, neugieriges und freundliches Wesen beruhigend wirken.

Alpakawolle – „das Vlies der Götter“

„Alpakas sind durch ihre Herkunft eher genügsame Tiere, sollten aber zumindest zu dritt gehalten werden, um ihr Sozialverhalten ausleben zu können“, weiß Harald Vogler zu berichten. Um die Anforderungen zur Bio-Zertifizierung zu erfüllen, muss für das erste Tier zumindest 1000 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen, für jedes weitere müssen 200 Quadratmeter berechnet werden. Am Sonnseitnhof werden die Alpakas ganzjährig im Offenstall gehalten und können so jederzeit selbst entscheiden, ob sie sich im Freien oder im Stall aufhalten möchten. Gefüttert werden sie ausschließlich mit Gras und Heu. Da in den Waldviertler Böden wenig Selen enthalten ist, steht den Alpakas eine spezielle Mineralstoffmischung zur freien Verfügung.

Im heurigen Jahr sind bereits vier Fohlen dazu gekommen, womit die Herde auf 24 Tiere angewachsen ist. „Das Besondere an den Alpakas ist, dass die Stuten die Geburten bis zu 30 Tage steuern können. Da sie mit ihrer kurzen Zunge ihre Jungtiere nicht trocken schlecken können, bringen sie sie nur untertags bei trockenem Wetter – möglichst bei leichtem Wind – zur Welt. Eine halbe Stunde später stehen die Fohlen bereits auf und zwei Stunden danach laufen sie mit der Mutter mit. Ihr Orientierungssinn ist da bereits voll ausgebildet“, schildert Harald Vogler aus der Praxis. Zwischen Muttertier und Fohlen hört man vor allem ein „Summen“, ansonsten sind die Tiere fast lautlos.

Um das fehlende Selen in den Waldviertler Böden auszugleichen, steht den Tieren ständig eine Mineralstoffmischung zur Verfügung – die gerne angenommen wird.

„Alpakas sind saubere Tiere, die im Stall und auf der Koppel eigene Kotplätze anlegen“, so Vogler weiter. Diese werden täglich abgemistet, um Wurmbefall möglichst hintanzuhalten. Dazu werden vom Tierarzt zweimal jährlich Kotproben untersucht, bei Bedarf wird dann eine Entwurmung der Tiere durchgeführt. In regelmäßigen Abständen muss auch die Klauen- und Zahnpflege bei den Alpakas durchgeführt werden. Harald Vogler hat sich das dazu notwendige Fachwissen in Kursen angeeignet und erledigt diese Arbeiten meist im Rahmen der jährlichen Schur der Tiere.

„Alpakawolle wird auch als ,Vlies der Götter‘ bezeichnet und ursprünglich wurden die Tiere wegen dieser gezüchtet. Die Hohlfaser hat ähnliche Eigenschaften wie Goretex-Materialien, mit dem Unterschied, dass sie völlig-natürlich entsteht. Alpakawolle trägt sich so angenehm wie Kaschmirwolle. Sie ist fein, sehr weich und liegt geschmeidig auf der Haut“, gerät Harald Vogler richtig ins Schwärmen. Besonders hochwertig ist die Wolle der ersten Schur, die als „Baby-Alpaka“ vermarktet wird. Die anfallende Wolle wird in Lohnverarbeitung zu Decken, Polstern und Unterbetten verarbeitet. Diese werden – ebenso wie edle Kleidungsstücke – in der Alpaka-Boutique in Weitra sowie im Internet angeboten. „Der Onlineshop hat sich als Service für unsere Gäste entwickelt, die uns besucht haben und von unseren Produkten überzeugt sind“, erklärt Vogler das jüngste Projekt am Hof.

Herde vergrößern und Zuchttiere verkaufen

Derzeit wird das ehemalige Stallgebäude in einen Verkaufsraum mit Lagerräumen umgebaut. Es soll Schritt für Schritt die Herde vergrößert werden – für bis zu 50 Tiere sind die Stallungen ausgerichtet. „Wir möchten in Zukunft auch Zuchttiere verkaufen, die wir vorher für Wanderungen und die tiergestützte Intervention ausbilden“, hat Harald Vogler konkrete Pläne. Es gibt noch viel zu tun am Sonnseitnhof.

Ob weiter unten vielleicht doch noch besseres Heu zu finden ist? Alpakas haben beim Fressen die Angwohnheit, im Futterhaufen immer ganz nach unten zu „graben“.

Betriebsspiegel: Sonnseitnhof
Kontakt: Harald Vogler und Gabriele Sagaster Abschlag 9, 3972 Bad Großpertholz, Telefon: 0664/8725017, „www.sonnseitnhof.at“, „ta.fo1508191259hntie1508191259snnos1508191259@ofni1508191259
Flächenausstattung: Zehn Hektar Grünland, fünf Hektar Ackerflächen, vier Hektar Wald, Biobetrieb
Arbeitskräfte: Harald und Gabriele, Haralds Eltern; Maria und Otto, sind in Pension, helfen aber ebenfalls noch mit; drei Angestellte in der Boutique in Weitra
Betriebssparten:
• Grünlandwirtschaft mit Alpakahaltung
• „Schule am Bauernhof“ und Exkursionsbetrieb
• Alpaka-Boutique in Weitra
• Gabriele bietet zusätzlich Bewegungstraining, Lebens- und Sozialberatung sowie tiergestützte Intervention an.

Otto Vogler hat in der Pension endlich mehr Zeit für sein Hobby – die Holzverarbeitung.

Eva Riegler

- Bildquellen -

  • ALpakas5: © ZVG
  • Alpakas3: © BZ/Riegler
  • Alpakas2: © BZ/Riegler
  • Alpakas4: © BZ/Riegler
  • Alpakas: © ZVG
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