Bauernbund: Klare Ablehnung des Mercosur-Deals der EU-Kommission

Angekündigte Ausgleichsmaßnahmen für sensiblen Agrarsektor nicht mehr als ein Tropfen auf heißen Stein

Die kolportierten Importmengen im Agrarsektor übertreffen alle Befürchtungen, so Bauernbund-Präsident Strasser. FOTO: magnifier/stock.adobe.com

„Unsere Befürchtungen haben sich leider
bewahrheitet, wie der Mega-Deal der EU-Kommission mit dem Mercosur
zeigt. Die Leidtragenden eines solchen Vertrags werden die europäischen
Bauernfamilien, der Klimaschutz und die Umwelt in Europa wie in
Südamerika sein“, ist Bauernbund-Präsident Strasser verärgert über die
Zustimmung der EU-Kommission zum Freihandelspakt mit den vier
Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

Die medial kolportierten Angaben über die vereinbarten Import-Mengen im
Agrarsektor sehen etwa beim Rindfleisch eine Quote von 100.000 Tonnen
vor, 180.000 Tonnen im Bereich Geflügelfleisch sowie 120.000 Tonnen
Zucker und über 650.000 Tonnen Ethanol. „Dieses Zugeständnis der
EU-Kommission übertrifft sogar noch unsere Befürchtungen und ist nicht
zu akzeptieren“, stellt sich Strasser gegen das bauernfeindliche Abkommen.

„Eine historisch gewachsene Struktur der bäuerlichen Familienbetriebe in
Europa und vor allem in Österreich müsste plötzlich mit einer
großflächigen Agrarindustrie in Südamerika konkurrieren, die auf Masse
und Export ausgerichtet ist. Der Mercosur-Handelspakt ist in Wahrheit
ein Deal gegen den langjährigen ökosozialen Weg in der österreichischen
Landwirtschaft. Es ist damit auch ein Deal gegen die Interessen der
europäischen Konsumentinnen und Konsumenten“, so Strasser. „In diesen
vier Staaten Südamerikas werden beispielsweise auch großflächig
gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft eingesetzt.
Dort wird genau das praktiziert, was bei uns in Europa abgelehnt wird“,
zeigt sich Strasser verärgert über die Unterminierung der hohen
Lebensmittel- und Produktionsstandards in Europa. Der
Bauernbund-Präsident ortet gewaltige Benachteiligungen im Agrarsektor.
„Die EU-Kommission hat augenscheinlich den Agrarsektor im Abtausch für
neue Märkte von vermeintlich wichtigeren Produkten, wie beispielsweise
Autos, Maschinen oder Chemikalien geopfert. Wir erkennen im Bereich der
Lebensmittelsicherheit und bei den Produktionsstandards eine
Doppelbödigkeit. Niedrige Standards sind nicht vereinbar mit dem
österreichischen Weg der nachhaltigen, ökosozialen Agrarpolitik. Dieser
Mercosur-Deal ist daher ein fauler Kompromiss auf dem Rücken der
Bauernfamilien“, so Strasser.

Nachbesserungen im Agrarsektor sind ein Muss

„Die Freude der EU-Kommission können wir aus agrarischer Sicht nicht
nachvollziehen“, meint Bauernbund-Direktor Norbert Totschnig. „Aus
agrarischer Sicht müssen wir diesen Mercosur-Deal klar ablehnen. Völlig
unverständlich ist die Zustimmung der EU-Kommission zu diesem Abkommen,
in Zeiten, in denen die gleiche EU-Kommission eine deutliche Reduktion
des GAP-Budgets ab 2020 vorschlägt und darüber hinaus höhere Standards
im Bereich Klima- und Umweltschutz von den europäischen Landwirten
einfordert. Das passt nicht zusammen“, so der Bauernbund-Direktor.

„Angesichts der Mercosur-Einigung, die zum Nachteil der Landwirtschaft
ausfällt, sind bei den kommenden Verhandlungen über den Mehrjährigen
Finanzrahmen (MFR) Budgetkürzungen im Agrarsektor undenkbar. Wir fordern
umso mehr eine klare Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel, damit die
Konsumenten wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie hergestellt
wurden“, so Totschnig

- Werbung -