Beim Holzspalten ist absolute Vorsicht geboten

Bei der Aufbereitung des Brennholzes mit dem Holzspalter passieren oft schwere Unfälle. Ausführungen mit konischer Schraube (Kegelspalter) bedingen dabei ein höheres Unfallrisiko als hydraulisch angetriebene Keilspaltmaschinen. Von Ersteren

Die Arbeit wird mit dem Holzspalter mit hohem Tempo ausgeführt, was sich negativ auf das Verletzungsrisiko auswirkt. ©Agrarfoto.com
Die Arbeit wird mit dem Holzspalter mit hohem Tempo ausgeführt, was sich negativ auf das Verletzungsrisiko auswirkt. ©Agrarfoto.com
Die gesetzlichen Vorgaben zur sicherheitstechnischen Kons­truktion der Holzspalter sind die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG sowie die Normen DIN EN ISO 4254-1, Ö-Norm 609-1 und VSG 3.1. Für Holzspalter sind gemäß Maschinenrichtlinie und Normen Kennzeichnung und Aufkleber zu folgenden Warnhinweisen relevant:
CE-Kennzeichnung,

  • Warnhinweise zu beweglichen Teilen der Maschine,
  • Warnhinweise zur Bedienung der Maschine von nur einer Person,
  • Warnhinweise zum Tragen eines Gehörschutzes,
  • ordnungsgemäße Kennzeichnung der Bedienungshebel.

Unfälle führen häufig zu Amputationen

Durch die Zweihandschaltung sind die Hände geschützt. Werden Handschuhe getragen, sollten sie eng anliegend sein, damit nicht die Gefahr besteht, erfasst zu werden oder hängen zu bleiben. ©SVB
Durch die Zweihandschaltung sind die Hände geschützt. Werden Handschuhe getragen, sollten sie eng anliegend sein, damit nicht die Gefahr besteht, erfasst zu werden oder hängen zu bleiben. ©SVB
Im Rahmen des Forschungsprojekts IKA hat das Institut für Landtechnik an der Universität für Bodenkultur auch Unfallursachen beim Holzspalten untersucht und Präventionsmaßnahmen abgeleitet. Mit Holzspaltern verunglücken demnach überwiegend die Betriebsleiter selbst, gefolgt von Elternteilen, Kindern und Ehepartnern der Betriebsleiter. Die Unfälle ereignen sich großteils im Hofbereich, auf Grundstücken, im Wald, in Hofgebäuden und am Holzlagerplatz während des Holzspaltens.Die häufigsten Verletzungsarten/-folgen sind Amputationen, vor allem im Handbereich, gefolgt von Frakturen, Quetschungen, Wunden und Zahnfrakturen. Auch zu tödlichen Unfällen kann es kommen. Zu den gefährdeten Körperteilen zählen die oberen und unteren Extremitäten, der Kopfbereich und der Oberkörper.Typische Unfallhergänge sind das Erfasstwerden von der Maschine, der Zusammenstoß mit ihr, das Getroffenwerden von einem Holzstück, das Einzwicken im Holz, der Sturz von der Maschine und das Getroffenwerden von einem Gegenstand.Die Unfallursachen sind überwiegend mensch- und maschinenbedingt (Hand im Spaltbereich, Ablenkung, Unachtsamkeit, Hand abgerutscht, eingeklemmt zwischen Maschine und Holzstück, Handschuh hängen geblieben, Holz zusammengeklappt, Holz verrutscht) und gegenstandsbedingt (astiges, verdrehtes, verkeiltes Holz, Bruch des Holzes, Stein, zu kurzes oder langes Holzstück).

Sich nicht vom Spaltkeil erfassen lassen

Bei horizontalen Holzspaltern ist die Gefahr, dass die Holzstücke nicht komplett durchgespalten werden, meist kleiner als bei den vertikalen. Folglich ist auch die Gefahr des Einzwickens geringer. ©Foto: www.binderberger.com
Bei horizontalen Holzspaltern ist die Gefahr, dass die Holzstücke nicht komplett durchgespalten werden, meist kleiner als bei den vertikalen. Folglich ist auch die Gefahr des Einzwickens geringer. ©Foto: www.binderberger.com
Das Erfasstwerden von der Maschine wird durch den Aufenthalt der Hand im Spaltbereich, Ablenkung in Verbindung mit Unachtsamkeit, Hängenbleiben mit dem Handschuh am Spaltkeil, Abrutschen mit der Hand, astiges und verspanntes Holz, Verrutschen des Holzes, verkeiltes Holz sowie durch Betätigung des Spalters mit dem Fuß, Einklemmen, Hängenbleiben mit der Kleidung, Routinearbeitsablauf und plötzlichem Anlauf der Maschine bedingt. Die Unfälle ereignen sich hierbei ausschließlich während des Spaltens von Holz. Zur Reduktion der Unfallgefahr Zur Reduktion der Unfallgefahr durch das Erfasstwerden vom Spaltkeil durch Nachgreifen in den Spaltbereich (meistens, um das Holzstück zu fixieren) kommen bei neuen vertikalen Holzspaltern unterschiedliche Systeme zur Holzfixierung mit integrierter Zweihandsteuerung zum Einsatz. Alle Neumaschinen sind für die Bedienung von nur einer Person ausgelegt und gekennzeichnet. Bei gebrauchten vertikalen Holzspaltern ohne Holzfixierungssysteme können die vorherige Bearbeitung der Holzstücke (gerader Schnitt an beiden Enden) sowie Sauberkeit und ebene Ausführung der Auflageplatte am Holzspalter dem Verrutschen der Holzstücke beim Start des Spaltvorgangs entgegenwirken.
Informations- und Kommunikationstechnologien, wie beispielsweise RFID (Radio Frequency Identification) oder Infrarottechnik, haben das Potenzial, als sicherheitstechnische Hilfsmittel adaptiert zu werden, um künftig Unfälle mit Holzspaltern zu reduzieren. Es könnte hiermit gewährleistet werden, dass menschliche Körperteile nicht unter den laufenden Spaltkeil geraten, indem sich dieser nach deren Erkennung selbsttätig ausschaltet.
Bei horizontalen Holzspaltern wird dem Erfasstwerden vom Spaltkeil durch die Anordnung der Steuerung außerhalb des Gefahrenbereichs (hinter dem Spaltvorgang) entgegengewirkt. Den größtmöglichen Schutz bieten liegende Holzspalter mit Schutzkäfigausführung.

Zusammenstöße verhindern

Eine gute Holzfixierung mit geschütztem Bedienungshebel verringert die Unfallgefahr. ©www.growi-maschinenbau.de
Eine gute Holzfixierung mit geschütztem Bedienungshebel verringert die Unfallgefahr. ©www.growi-maschinenbau.de
Zum Zusammenstoß mit der Maschine kommt es durch Einklemmen zwischen Maschine und Holzscheit während des Spaltens, Verkeilen von Holzscheitern beim Spalten sowie durch Umkippen der Maschine beim Abladen und Überstellen und Unachtsamkeit beim Spalten und Aufstellen des Spalters. Bei Spaltarbeiten passieren Unfälle zudem durch Ausrutschen, Abrutschen beim Auseinanderdrücken des Holzes, Zusammenstoß mit der Hydraulik, Sturz und verdrehte Holzscheite. Das Entfernen eines Holzstücks und ein verklemmter Spaltturm sind Unfallursachen beim Aufstellen der Maschine. Beim Anhängen der Maschine kommt es zu einem Zusammenstoß mit der Maschine durch Einklemmen am hydraulischen Oberlenker und zwischen Traktor und Spalter. Der Zusammenstoß ergibt sich auch durch Einklemmen während der Reinigung der Maschine.Zur besseren Vermeidung von Unfällen, die sich durch den Zusammenstoß mit dem Spaltkeil beim Aufstellen des Holzes ergeben, sind zusätzlich zu den Informationen in der Betriebsanleitung Warnhinweise an der Maschine sinnvoll. Diese sind im Blickfeld des Bedieners zu positionieren. Warnhinweise, welche sich auf die maximale Holzlänge des jeweiligen Spaltbereichs und die korrekte Arbeitsweise beziehen, können als Piktogramme und alternativ auch in Textform an den Maschinen angebracht werden, um dies dem Benutzer ständig in Erinnerung zu rufen. Je nach Hersteller kommen Stammhebevorrichtungen (hydraulisch) und Seilwinden zum Einsatz, welche neben ergonomischen Arbeitserleichterungen auch helfen, Unfallgefahren beim Aufstellen des Holzes zu vermeiden. Bodengitter, welche auf die Standplatte montiert werden, können dem Verrutschen von Holzstücken bei ungünstigen Witterungsverhältnissen (Schnee, Eis) entgegenwirken.Unfälle, die sich durch Absenken des Spaltzylinders ergeben, um den Holzspalter in Transportstellung zu bringen, können bei mechanischen Systemen durch zusätzliche Haltegriffe (außerhalb des Gefahrenbereiches) sowie Einsatzvorrichtungen von Arbeitshilfsmitteln am Zylinder verhindert werden. Diese können auch nachträglich angebracht werden. Die sicherste Variante bieten hydraulische Einrichtungen, welche den Spaltturm in Position bringen. Diese kommen bei Neumaschinen zum Einsatz, wobei der Hubzylinder mit beidseitiger Betätigung der Bedienungshebel in Arbeitsstellung gebracht und anschließend mechanisch fixiert wird (Verschraubung).Bei horizontalen Holzspaltern wird dem Zusammenstoß mit dem Spaltkeil durch die liegende Bauweise sowie mit der Fixierung des Spaltkeils entgegengewirkt. Der Spaltvorgang wird von einer Schubstange ausgelöst, welche das Holzstück gegen den fix montierten Spaltkeil (oft Ausführung als Schneidkeil) drückt. Beim händischen Beschicken des Spalters mit ungünstig ausgeformten Holzstücken besteht die Gefahr des Zusammenstoßes mit Maschinenteilen (Spaltkeil).

Schutz vor absplitternden Holzstücken

Horizontalspalter mit der Steuerung außerhalb des Gefahrenbereichs ©www.dorn-tec.de
Horizontalspalter mit der Steuerung außerhalb des Gefahrenbereichs ©www.dorn-tec.de
Zu dem Unfallszenario “Getroffenwerden von Holzstücken” kommt es durch astiges, verspanntes oder verklemmtes, verkeiltes, brüchiges, zu kurzes Holz und durch Unachtsamkeit während des Spaltens. Zur Vermeidung von Unfällen durch abspringende Holzstücke kommen bei neuen Holzspaltern beidseitige seitliche Schutzbügel, welche teilweise auch in Kombination mit Stammhebevorrichtungen und zur Holzablagerung ausgeführt sind, zum Einsatz. Bei gebrauchten Holzspaltern sind dem Nachrüsten dieser Bügel, je nach Hersteller, Grenzen gesetzt. Schutzbügel in Richtung des Bedieners kommen dabei nicht zum Einsatz, da sie das Aufstellen des Holzes behindern. Bei neuen Holzspaltern ist der Spaltkeil unterschiedlich ausgeformt, wobei eine leicht schräge Ausführung dem Getroffenwerden von abspringenden Holzstücken (sogenanntes Ausspucken) in Richtung des Bedieners entgegenwirkt. Beim Kauf von Holzspaltern ist daher der Ausformung des Spaltkeils (Schneid- und Keilwinkel) Beachtung zu schenken, da eine zu spitze Ausführung zu viel schneidet und eine zu stumpfe mehr Kraft benötigt. Die Ausformung des Spaltkeils im hinteren Bereich muss optimiert ausgeführt sein, um ein Verklemmen bei nicht gespaltenem Holz zu verhindern.Funktionen, welche ab einem gewissen Spaltdruck die Geschwindigkeit des Spaltkeils vermindern, sind sicherheitstechnisch günstig zu beurteilen. Solche Einrichtungen werden nur von wenigen Herstellern angeboten.Bei horizontalen Holzspaltern wird dem Getroffenwerden von abspringenden Holzstücken durch die Anordnung der Steuerung außerhalb des Gefahrenbereichs (hinter dem Spaltvorgang) und seitlich angeordnete Bügel, welche die Funktion haben, gespaltenes Holz seitlich aufzufangen, entgegengewirkt. Den größtmöglichen Schutz gegen das Getroffenwerden von abspringenden Holzstücken bieten horizontale Holzspalter mit Durchspaltfunktion und Schutzkäfigausführung.

Holz durchspalten – Einzwicken vermeiden

Der Spaltkeil mit integrierten Rollen soll das Feststecken des Spaltkeils bei nicht durchgespaltenen Holzstücken verhindern. ©www.posch.com
Der Spaltkeil mit integrierten Rollen soll das Feststecken des Spaltkeils bei nicht durchgespaltenen Holzstücken verhindern. ©www.posch.com
Zum Einzwicken im Holz kommt es ausschließlich beim Spalten durch Unachtsamkeit und Zusammenklappen von Holzstücken sowie durch astige, verspannte, verdrehte und verkeilte Holzstücke. Zur besseren Vermeidung von Unfällen, die sich durch das Zusammenklappen von nicht durchgespaltenen Holzstücken (begrenzte Spalttiefe bei vertikalen Holzspaltern) ergeben, kann bei gebrauchten vertikalen Holzspaltern das Nachrüsten eines Aufsatzes am Spaltkeil sinnvoll sein, um eine tiefere Spaltwirkung zu erzielen. Bei der Überarbeitung der Norm ist eine Mindestspalttiefe vorzusehen, welche ein Zusammenklappen von Holzstücken verhindert, um diese Unfallursache bei Neumaschinen zu eliminieren. Bei neuen Holzspaltern kommen Spezialspaltkeile mit integrierten Rollen zum Einsatz, welche dem Feststecken des Spaltkeils bei nicht durchgespaltenen Holzstücken entgegenwirken.

Assoc. Prof. Dr. Elisabeth Quendler, BSc Katharina Trieb, Dr. Dipl.-Ing. Robert Kogler;
Universität für Bodenkultur

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