Bio-Umstieg war wohlüberlegt

Bettina Voraberger und Klaus Rabengruber wissen ihren idyllischen Arbeitsplatz daheim zu schätzen. ©BZ/Mursch-Edlmayr
Bettina Voraberger und Klaus Rabengruber wissen ihren idyllischen Arbeitsplatz daheim zu schätzen. ©BZ/Mursch-Edlmayr
Veränderung braucht Mut, und Mut haben die Betriebsführer am Ölerhof in den letzten zwei Jahrzehnten mehrfach bewiesen. Der idyllische Hof in Haag am Hausruck liegt inmitten von Wiesen, Feldern und Wäldern. Seit jeher wurde dort auf die Betriebsschwerpunkte Rinderhaltung und Ackerbau gesetzt. Nach dem EU-Beitritt suchte man nach einer zusätzlichen Einkommensalternative, um weiterhin im Vollerwerb bleiben zu können, und wurde bei Urlaub am Bauernhof fündig. Nach einem kurzen Probelauf mit nur einer Ferienwohnung wurde die Kapazität in der Folge auf 15 Gästebetten erweitert. Dazu wurde der alte “Troadkasten” umgebaut. 2011 hat Klaus Rabengruber (36) den Betrieb von seinen Eltern Karoline und Ludwig übernommen. Er entschied sich, seinen Beruf als Rettungssanitäter an den Nagel zu hängen und fortan den Betrieb daheim weiter zu intensivieren. Es folgte eine größere Investition und die Aufstockung auf insgesamt 30 Betten. Seither erfolgt die Beherbergung von Gästen ganzjährig. Mittlerweile hat auch seine Lebensgefährtin Bettina Voraberger (30) ihren Job als Kindergärtnerin aufgegeben und arbeitet Vollzeit am Betrieb mit. Gemeinsam fasste man jetzt den Entschluss, auf biologische Wirtschaftsweise umzusteigen.

“Ich bin nie ein Biofanatiker gewesen”

Der großzügig angelegte Naturbadeteich ist das Highlight ©BZ/Mursch-Edlmayr
Der großzügig angelegte Naturbadeteich ist das Highlight ©BZ/Mursch-Edlmayr
Den Gedanken, den Betrieb biologisch zu führen, gab es schon seit einigen Jahren, doch erst jetzt fasste man den Mut, diesen Schritt auch zu machen. Beweggründe zur Umstellung gab es gleich mehrere. “Zwei Nachbarn, die bereits seit Jahren erfolgreich Biolandwirtschaft betreiben, dienten als Vorbilder”, erklärt Rabengruber. “Außerdem wollte ich die Abhängigkeit von Energiezufuhr von außen in Form von Düngerzukauf für meinen Betrieb möglichst beenden. Eigene Versuche mit mechanischer Beikrautregulierung, die ich bereits in den vergangenen Jahren gemacht habe, motivierten mich zusätzlich zu diesem wohlüberlegten Schritt.” Aber auch die Urlaub am Bauernhof-Gäste haben dazu beigetragen, indem sie oft die Art der Bewirtschaftung oder die Form der Tierhaltung hinterfragt haben und über die nicht-biologische Wirtschaftsweise verwundert reagierten. Er selbst sei zwar nie ein Biofanatiker gewesen, aber mit Methoden wie dem Abreifeschutz habe er immer schon ein Problem gehabt.

Veränderungen durch die Umstellung

Große Artenvielfalt bei den Weidemastkalbinnen ©BZ/Mursch-Edlmayr
Große Artenvielfalt bei den Weidemastkalbinnen ©BZ/Mursch-Edlmayr
Mit der Umstellung wurde eine Veränderung in der Tierhaltung eingeleitet. Bislang wurden 60 Maststiere im Boxenlaufstall mit Vollspalten gehalten. Statt der Stiere werden nun 15 Kalbinnen auf Strohliegeflächen gemästet. Der Stall wurde dazu auf Teilspalten mit befestigtem Auslauf adaptiert. Über die Sommermonate sind die Tiere auf der Weide. Neben Fleckvieh tummeln sich dort auch Limousin, Angus, Charolais und Weißblaue Belgier. Die Vielfalt der verschiedenen Nutztierrassen wird so für die Gäste sichtbar. Neben freilaufenden Legehennen, die für die täglichen Frühstückseier sorgen, gibt es mit Ziegen, Katzen, einem Esel und einem Pony auch noch viele weitere Tierarten, die vor allem die Kinder immer wieder begeistern.Während der zwei Jahre dauernden Umstellungszeit wird die Fruchtfolge im Ackerbau aus Kleegras, Triticale, Ackerbohnen und Gräservermehrung bestehen. Zudem werden freiwillig Blühstreifen angelegt, um Natur und Landschaft aktiv mitzugestalten. “Darin ist irrsinnig viel Leben: Schmetterlinge, Bienen und Insekten, das ist einfach schön zum Ansehen”, so Rabengruber, der dadurch auch eine Augenweide und Blumenpflückmöglichkeit für die Urlaubsgäste geschaffen hat. Generell wird am Ölerhof auf eine nachhaltige und bodenschonende Bewirtschaftungsweise Wert gelegt. Die Ackerflächen werden nur alle drei Jahre einer wendenden Bodenbearbeitung unterzogen. “Neben dem Kleegras in der Fruchtfolge wirkt diese Bodenruhe humusaufbauend”, erklärt der Jungbauer, der auch den Bodenpraktiker-Lehrgang absolviert hat.Nach der Umstellung wollen die Betriebsführer die Fruchtfolge auf die dann nachgefragten Kulturen anpassen. Die Grassamenvermehrung (Goldhafer und Wiesenschwingel) soll auch im Biobereich weitergeführt werden: “Hier gibt es eine gute Nachfrage, aber die Unkrautbekämpfung ist dabei sicher eine große Herausforderung”, so Rabengruber.

Dachorganisationen als wichtige Partner

Ferienwohnungen am Öhlerhof entsprechen den höchsten Standards. ©BZ/Mursch-Edlmayr
Ferienwohnungen am Öhlerhof entsprechen den höchsten Standards. ©BZ/Mursch-Edlmayr
Sowohl bei Bio Austria als auch bei Urlaub am Bauernhof ist der Betrieb Mitglied: “Solche Dachorganisationen sind enorm wichtig, denn alleine wird man nicht gefunden”, loben die beiden Betriebsführer die Arbeit der Landesverbände, durch die sich viele Vorteile in der Vermarktung ergeben. Als Vier-Blumen-Betrieb mit 30 Betten in Zimmern und Ferienwohnungen und zwischen 4000 bis 5000 Nächtigungen pro Jahr ist man mit der Auslastung sehr zufrieden. Trotzdem dür­fe man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Neue Märkte, wie beispielsweise die Online-Buchbarkeit, werden immer wichtiger. Auch die Ansprüche der Gäste werden immer höher, wie Bettina Voraberger erzählt: “Die moderneren Wohnungen sind immer frü­her ausgebucht. Hier ist nicht der Preis entscheidend, sondern die Qualität.” Um marktkonform zu bleiben, stehen in absehbarer Zeit Adaptierungen von einigen älteren Zimmern an. Hierbei müsse man mit den Trends mitgehen, sonst bleibt man auf der Strecke, sind sich die beiden einig. Da Veränderungen am Öhlerhof bis­lang immer wohlüberlegt und gut gemeistert wurden, kann man davon ausgehen, dass für die beiden jungen Betriebsführer weder ein erneuter Umbau noch der Umstieg auf Bio zu einem Stolperstein werden wird.

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