Blumen im Ab-Hof-Verkauf

Mit der Spezialisierung auf Nischenprodukte und höchster Qualität heben sich Gärtner Karl Fürmsinn und sein Neffe Markus Dorner von der Billig-Konkurrenz aus dem Ausland ab – höchst erfolgreich, wie ein Betriebsbesuch zeigt.

Insgesamt 1,2 Hektar Fläche umfassen die Glashäuser von Karl Fürmsinn und seinem Neffen Markus Dorner, in denen in fünf unterschiedlichen Klimazonen produziert wird. Besucher dürfen aus Hygienegründen nicht hinein. Foto: BZ/Riegler

Wurde in Wien noch ausschließlich für den Großhandel produziert, hat sich die Gärtnerei Fürmsinn seit ihrer Ansiedelung in Traiskirchen (NÖ) mit ihren „mediterranen Schönheiten aus der Thermenregion“ auch bei Privatkunden einen Namen gemacht. „Die Umstellung war richtig“, sind Karl Fürmsinn und Markus Dorner überzeugt.

Drei bis fünf Mitarbeiterinnen sorgen für die ansprechende Präsentation der Ware. „Nur wenn der Kunde ständig aus dem Vollen schöpfen kann, greift er zu“, betont Karl Fürmsinn.
Foto: BZ/Riegler

Von Wien nach Niederösterreich verlegt
Ursprünglich bewirtschafteten die Vorfahren von Karl Fürmsinn ihre Gärten in Schönbrunn (Wien), bis sie 1898 nach Erlaa aussiedeln mussten. Hier wurden Edelpelargonien, Sternjasmin, Wandelröschen und Blauer Enzian – ausschließlich für den Großhandel – produziert. Doch der Wachstum der Stadt Wien war nicht aufzuhalten und so kaufte der Vater von Karl Fürmsinn bereits in den 1970er Jahren das Grundstück in Traiskirchen, um neuerlich die Gärtnerei zu verlegen. Es hat aber dann doch bis ins Jahr 2010 gedauert, bis der Betrieb an seinen jetztigen Standort an der B17 neu errichtet wurde.
Mit der Übersiedelung wurde auch – der Kundennachfrage entsprechend – saisonal und in kleinem Rahmen mit dem Verkauf an Endkunden begonnen.  Da dieser gut angenommen wurde, hat der Betrieb im Vorjahr in die Überdachung und Gestaltung des Vorplatzes, als erweiterte Verkaufsfläche, investiert. „Mittlerweile verkaufen wir 40 Prozent der selbst erzeugten Pflanzen an die Endkonsumenten, die restlichen 60 Prozent gehen an den Großhandel. Beim Umsatz verhält es sich genau umgekehrt: Zu 60 Prozent wird dieser im Detailhandel erwirtschaftet, der Rest im Großhandel“, freut sich der Gärtnermeister über den Erfolg dieses Projekts.

Ende Juli endet mit dem großen Abverkauf die Frühlingssaison in der Gärtnerei Fürmsinn.
Bis dahin soll möglichst viel von der bunten Pracht einen Abnehmer gefunden haben.
Foto: BZ/Riegler

Klare Spezialisierung auf den Zierpflanzenbau
„Wir sind aber ganz bewusst beim ,Ab-Hof-Verkauf‘ geblieben – wir sind Gärtner und keine Floristen. Es gibt bei uns daher auch keine Bänder, Kerzerl oder anderes Deko-Material zu kaufen“, erklärt Karl Fürmsinn die Firmenstrategie. 80 Prozent der verkauften Pflanzen stammen aus eigener Produktion, nur wenige „Exoten“ werden zur Sortimentsergänzung zugekauft. Zudem liegt die Spezialisierung ganz klar auf Zierpflanzen und nur in geringem Ausmaß werden Gemüsepflanzen produziert sowie angeboten.
„Österreich ist im Vergleich zu Deutschland oder Italien von kleineren Strukturen im Gartenbau geprägt. Dort sind die Produktionskosten daher im Durschnitt um etwa 30 Prozent geringer als bei uns“, rechnet Karl Fürmsinn vor. „Mit der Spezialisierung auf Nischenprodukte können wir diesen Konkurrenzdruck ein wenig verringern und haben zudem bessere Preisgestaltungsmöglichkeiten“, definiert er einen Erfolgsfaktor für den Betrieb. Dazu sei man bestrebt, mit besonderer Qualität und persönlicher Beratung beim Kunden zu punkten, damit dieser wiederkomme.

Gemüsepflanzen werden nur in be­-
grenztem Ausmaß produziert und verkauft.
Foto: BZ/Riegler

Arbeitsspitzen verlangen zeitliche Flexibilität
Großer Wert wird am Betrieb auch auf nachhaltiges Wirtschaften gelegt: Die Gewächshäuser werden nicht wie in der Branche oft üblich mit Heizöl, sondern mit Pellets beheizt. Die Bewässerung erfolgt – so weit wie möglich – mittels Regenwasser, das von der Dachfläche gesammelt und einem geschlossenen Kreislauf zugeführt wird.
„Es ist, als ob man versuchen würde, gleichzeitig einen Sprint und einen Marathon zu laufen“, beschreibt Junggärtner Markus Dorner die Herausforderungen, die es im Gärtnerbetrieb täglich zu bewältigen gibt: Saisonale Anforderungen und Wetterabhängigkeit sorgen dafür, dass die Arbeit nicht kontinuierlich anfällt. „Wenn das Wetter – wie heuer beispielsweise im März – passt, können wir fast nicht genug Personal haben, um den Kundenansturm zu bewältigen. Kaum kommt die nächste Schlechtwetterphase, ist es sofort wieder ruhig.“ Die Suche nach motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zeitlich auch noch flexibel sind, gestaltet sich entsprechend schwierig.
Dennoch liebt Markus Dorner seinen Beruf: „Vor allem die Vielseitigkeit, die wir als Gärtner unter Beweis stellen müssen, hat mich immer schon gereizt. Ich muss Botaniker, Wetterexperte, Techniker, Elektriker, Verkäufer, Logostiker und Bürofachmann in einem sein. Das ist herausfordernd, aber dafür auch niemals langweilig“, so der nächste Firmenchef.
Er hat sein Handwerk in einer Lehre in Deutschland von der Pieke auf gelernt und anschließend in Österreich die Meisterausbildung absolviert, bevor er in den Familienbetrieb eingestiegen ist, für dessen weitere  Entwicklung es noch einige Pläne gibt: Die Freilandflächen könnten produktiver genutzt werden, wenn sie entsprechenden Windschutz erhalten und technische Lösungen könnten helfen, die Heizkosten zu senken. Die beiden Gärtner sind jedenfalls überzeugt, dass neben aller Leidenschaft auch strenges Rechnen, Ehrlichkeit zu sich selbst und die seriöse Einrechnung der eigenen Leistung notwendig sind, um einen Gärtnerbetrieb wirtschaftlich erfolgreich zu führen.

Betriebsspiegel Gärtnerei Fürmsinn KG

Standort: Wiener Straße 199, 2514 Traiskirchen
Mitarbeiter: 8 in der Produktion, 3 bis 5 im Verkauf
Flächenausstattung: 2,6 Hektar Gesamtfläche,
davon: 1,2 Hektar unter Glas, 0,1 Hektar Folientunnel, 0,5 Hektar Freiland-Gartenflächen, Rest: Wege, Straßen, Parkplätze
Öffnungszeiten: Der Einzelhandel ist saisonal geöffnet: 1. März bis Ende Juli und von 1. September bis zum 2. Adventwochenende
Montag bis Samstag, jeweils von 8 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage saisonal von 9 bis 13 Uhr
Kontakt: Telefon 02252/607222
E-Mail: ta.nn1495816979ismre1495816979uf@ec1495816979iffo1495816979

Eva Riegler

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