Dem Ampfer mit heißem Wasser an den Wurzelkragen gehen

Man kennt es vom täglichen Kochen: Hitze zerstört pflanzliches Eiweiß und macht es für uns verdaulicher. Dass man mit heißem Wasser Pflanzen im Allgemeinen schädigt, ist auch nichts Neues. Bis dieses Prinzip erfolgreich bei der Ampferbekämp

Ein Schweizer Spezialgerät zur Heißwasserbehandlung ©Latsch
Ein Schweizer Spezialgerät zur Heißwasserbehandlung ©Latsch
Warum bekämpfen wir die großblättrigen Ampferarten, wie beispielsweise den Stumpfblättrigen Ampfer, auf unserem Grünland eigentlich so hartnäckig? Zuerst einmal sind sie natürlich eine starke Konkurrenz zu den gewünschten Futterpflanzen und senken deren Ertrag. Zudem ist ihr Futterwert sehr tief. Hinzu kommt, dass das Milchvieh große Ampferpflanzen offensichtlich nicht fressen mag, was am hohen Oxalsäuregehalt der Blätter liegt. Die Tiere wissen, was gut für sie ist und tatsächlich kann zu viel Oxalsäure gesundheitlich durchaus problematisch werden. Oxalsäure bindet Kalzium und entzieht es somit dem Körper. Außerdem kann die Oxalsäure Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Ausstechen ist noch der Standard für Biobetriebe

Natürlich gibt es für konventionell wirtschaftende Betriebe wirksame Pflanzenschutzmittel gegen Ampfer. Was aber tun, wenn man Biolandwirt ist? Schon vor der Zeit hochspezifischer Herbizide haben Wissenschaftler versucht, den Stumpfblättrigen Ampfer zu bekämpfen. Sie probierten es mit Ausbohren der Wurzel bis in eine Tiefe von zehn Zentimetern, Entblättern in dreiwöchigem Schnittintervall, Begraben der Wurzel in 30 Zentimeter Bodentiefe und Austrocknen. Teils waren diese Versuche erfolgreich und brachten einen Wissenszuwachs. Zu einem praktischen Verfahren, das den Landwirten bei der Arbeit hilft, hat aber keiner geführt. Die heute immer noch am häufigsten genutzte Methode zur Ampferbekämpfung im Biolandbau ist das manuelle Ausstechen der Wurzel und deren Entsorgung von der Fläche.

Rinde des Ampfers verbrühen

Die oben genannten und praktisch alle nachfolgenden Versuche zur Ampferbekämpfung zielten auf den Teil des Stumpfblättrigen Ampfers, der seine enorme Regenerationskraft beinhaltet: die oberen ca. zehn bis 15 Zentimeter der Pfahlwurzel. Diese gilt es, unschädlich zu machen, will man dem Platzräuber Paroli bieten. Im äußeren Bereich der Pfahlwurzel – sozusagen in deren Rinde – befindet sich jenes Zellgewebe, das neue Triebe bilden kann. Und genau hier setzt die Heißwasserbehandlung an. Genau wie beim täglichen Kochen wird dieser Bereich erhitzt, damit die Eiweiße geschädigt werden und das Gewebe seine Austriebsfähigkeit verliert.Die Heißwasserbehandlung wurde in den letzten Jahren in der Schweiz von Agroscope am Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften entwickelt. Dabei wurde eine minimale Absterberate von 80 Prozent als Zielmarke für das Verfahren definiert.Damit heißes Wasser vor Ort erzeugt und einfach an die Ampferwurzel appliziert werden kann, hat sich der Einsatz eines Heißwasser-Hochdruckreinigers mit Rotationsdüse bewährt. Das Wasser muss am Geräteausgang mindestens 80° C aufweisen, um die gewünschte Absterberate zu erreichen. Zudem benötigt man eine Mindestwassermenge, damit die Behandlung wirkt. Im Schnitt der Behandlungen sind dies 1,6 Liter heißes Wasser. Da das Ergebnis auch von der Bodenfeuchte abhängt, muss bei nassem Boden etwas mehr Wasser aufgewendet werden. Gleiches gilt für besonders große Pflanzen oder größere Pflanzentrupps. Da hier mit heißem Wasser gearbeitet wird, ist auf einen ausreichenden Arbeitsschutz zu achten. Die Hochdruckreinigerlanze wird zu Beginn möglichst senkrecht über der Pflanze und nahe der Bodenoberfläche gehalten. So minimiert sich das Spritzen. Zu Beginn der Behandlung bricht der rotierende Punktstrahl der Rotationsdüse das Bodengefüge auf. Es ist darauf zu achten, dass das Wasser die Wurzel möglichst gut umschließt. Ein allseitiges “Abspritzen” der Wurzel ist der Schlüssel zum Erfolg. Der entstehende Schlamm dichtet Risse im Boden ab, sodass sich eine Schlammpackung um die Wurzel herum bildet, welche die Wärme an die Zellschichten abgibt. Die Tiefe dieser Schlammpackung sollte etwa zehn bis 15 Zentimeter betragen – ebenso tief wie der austriebsfähige Wurzelteil reicht. Dazu kann die Rotationsdüse problemlos in den Schlamm eingetaucht werden. Allerdings sollte man zur Schonung der Rotationsdüse darauf achten, nie im Schlamm mit dem Spritzen aufzuhören, sondern den Wasserfluss erst wieder an der Luft zu stoppen. Die behandelte Wurzel verbleibt im Loch, ein Abtransport ist nicht nötig. Sinnvoll ist es, die behandelte Stelle mit einer Saatmischung nachzusäen. Der Aufwand hierbei ist gering, und da der erzeugte Schlamm sehr schnell auskühlt, kann dieser Arbeitsschritt schon relativ kurz nach der Behandlung erfolgen.

Sehr gute Dauerwirkung, kaum neue Pflanzen

Bei den Untersuchungen von Agroscope wurde auf das Nachsäen verzichtet und stattdessen ein Jahr nach der Behandlung erneut geschaut, wie die Stellen aussahen. Bei über 90 Prozent war die Vegetation wieder in die behandelten Stellen eingewachsen. Bei diesen Kontrollen wurde auch geprüft, ob die Behandlung eventuell im Boden vergrabene Ampfersamen zur Keimung anregt, und wie es um die Bodenstruktur bestellt ist. Von 564 Pflanzen, die ein Jahr später wieder aufgesucht wurden, waren lediglich an 14 Stellen Jungpflanzen aus Samen aufgelaufen. Die stichprobenhaften Spatenproben ergaben, dass die ehemalige Schlammpackung wieder gut durchwurzelt und von Regenwürmern besiedelt war.

Kosten: Vergleichbar bei mehr Leistung

Für eine Kostenrechnung wurden Arbeitszeitmessungen durchgeführt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. In einer Stunde wurden durchschnittlich 130 Pflanzen behandelt. Beim manuellen Ausstechen können lediglich 60 Pflanzen pro Stunde bekämpft werden. Berechnet man mit diesen Angaben die Kosten, so kommt man – abhängig von der Höhe des Stundenlohns – auf eine Nutzenschwelle von 160 Pflanzen pro Stunde. Das heißt, dass bei einer Stundenleistung von 160 Pflanzen das maschinelle Verfahren genauso teuer wäre wie das manuelle Ausstechen. Bei der Berechnung der Verfahrenskosten des Heißwasserverfahrens sind die Kosten für die Nutzung eines kleinen Traktors, die Anschaffung und Nutzung des Heißwassergeräts und der Stundenlohn des Bedieners mitinbegriffen. Hinzu kommen die Treibstoffkosten zur Wassererhitzung. Pro Pflanze werden hierzu durchschnittlich 0,02 Liter Heizöl benötigt. Ein Beispiel: Bei einer angenommenen Verunkrautung von 2000 Pflanzen pro Hektar würden 3200 Liter Wasser und 32 Liter Heizöl pro Hektar zur Wassererhitzung benötigt.

Fazit: Weniger anstrengende Arbeit

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Vorteile der Heißwasserbehandlung gegenüber dem manuellen Ausstechen im Wegfall des Materialabtransports, in der physisch weniger anstrengenden Arbeit und in der mindestens doppelt so hohen Flächenleistung liegen. Allerdings ist die Arbeit mit Lärm- und Abgasemissionen und geringfügig höheren Kosten verbunden. Das derzeit einzige käufliche Spezialgerät zur Heißwasserbehandlung bietet die Firma Hans Bachmann Hochdruck-Anlagen AG in der Schweiz an (www.blackenvernichtung.ch). Weitere Informationen finden Sie auf der Agroscope-Internetseite www.blacke.ch

Dr. Roy Latsch, Schweizer Forschungsanstalt Agroscope

Verfahrenskosten der Ampferbekämpfung

Verfahrenskosten der Ampferbekämpfung durch Ausstechen und Heißwasserbehandlung ©Latsch
Verfahrenskosten der Ampferbekämpfung durch Ausstechen und Heißwasserbehandlung ©Latsch

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