Der Klimawandel braucht einen Wandel

Beim Nachhaltigkeitsfrühstück der Österreichischen Hagelversicherung (v. l.): ÖHV-Aufsichtsratspräsident Josef Pleil, Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart, SVB-Obfrau Theresia Meier, VIG-Aufsichtsratspräsident Günter Geyer, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, ÖHV-Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger, Boku-Universitätsratsmitglied Monika Forstinger, Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber und Boku-Rektor Hubert Hasenauer

Der Wandel – nämlich der Klimawandel – hat längst begonnen. 2018 war das wärmste Jahr in der mehr als 250-jährigen Messgeschichte. Der Klimawandel ist nichts Abstraktes, sondern auch in Österreich in der Lebensrealität der Menschen, aber auch in der Landwirtschaft, angekommen. „Es braucht daher einen gesellschafts- bzw. wirtschaftspolitischen Wandel und ein Umdenken von jedem Einzelnen“, so der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, beim achten Nachhaltigkeitsfrühstück der Hagelversicherung. Weinberger begrüßte rund 150 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur sowie Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger als Gastrednerin.

Verkehr, Energie, ökosoziale Steuerreform und Bodenverbrauch als die zentralen Herausforderungen

„Da der Klimawandel vor Landesgrenzen nicht Halt macht, ist ein solides internationales Netzwerk auch im globalen Kampf gegen die Klimakrise unverzichtbar. Aber auch national sind Anstrengungen erforderlich. Erstens: Ein vermehrter Umstieg vom motorisierten, emissionsgetriebenen Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel ist ein Gebot der Stunde. Die gute Nachricht ist, dass in den nächsten fünf Jahren von der Regierung so viel in die Schiene investiert wird wie noch nie, nämlich 15 Mrd. Euro. Zweitens: Auch das auf fossile Energie aufgebaute Wirtschaftssystem muss auf erneuerbare Energie umgebaut werden bzw. müssen Energieeinsparungspotentiale genutzt werden. Entscheidend dafür ist drittens eine ambitionierte ökologische, sozial und wirtschaftlich gerechte Steuerreform. Der fossile Energie- und Ressourcenverbrauch muss besteuert werden, während gleichzeitig der Faktor Arbeit entlastet wird. Und viertens: Das bedrückendste, nationale Umweltproblem ist der Bodenverbrauch. Die Begrenzung des Bodenverbrauchs von den aktuell 12,4 Hektar auf 2,5 Hektar pro Tag muss gelingen. Das ist national umsetzbar, zum Beispiel durch eine Revitalisierungsoffensive der mehr als 40.000 Hektar leerstehenden Immobilien. Ansonsten sind die heimische, regionale Lebensmittelversorgung, die Biodiversität und die Schönheit unseres Landes massiv gefährdet“, so Weinberger.

Köstinger: Nachhaltigkeit bedeutet immer an die Zukunft zu denken

„Uns allen ist die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen den Klimawandel bewusst“, betonte Köstinger. „Gerade im Bereich des Klima- und Umweltschutzes ist uns im Rahmen der Österreichischen Ratspräsidentschaft einiges gelungen. In der Woche vor Weihnachten haben wir auf europäischer Ebene etwa eine CO2-Reduktion bei Neuwagen um 37,5 % beschlossen. Einige Tage später haben wir uns bei den LKW auf ein Minus von 30 % geeinigt. Das sind elementare Fortschritte, die vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen wären. Mit der neuen Regelung werden nach Einschätzungen zwischen 2020 und 2030 rund 54 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Wir haben auch Strafzahlungen für Autohersteller vereinbart, wenn diese Ziele nicht erreicht werden. Zudem haben wir die Elektrizitäts-Binnenmarkt-Richtlinie beschlossen, die den Ausstieg aus Kohlesubventionen in Europa deutlich früher vorsieht, als bisher geplant war. Der Fokus liegt glasklar auf dem Ausbau erneuerbare Energiesysteme, da ist Österreich schon Vorbild. Mehr als 70 % unseres Stroms werden aus nachhaltigen Quellen erzeugt. Auch bei der Reduktion von Einwegplastik haben wir neue Maßstäbe gesetzt. Österreich geht hier sogar noch weiter und verbietet das Plastiksackerl ab 2020. Zusätzlich wurden auf der UN-Klimakonferenz in Katowice verbindliche Klimaschutz-Regeln zum Erreichen der Pariser Klimaziele vereinbart. Der eingeschlagene Weg wird konsequent im Jahr 2019 und darüber hinaus fortgesetzt. Durch Klimaschutz und die Umstellung unseres Energiesystems auf erneuerbare Energien gehen wir einen großen Schritt in Richtung Energieautarkie und sorgen gleichzeitig für nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch green jobs“, so die Ministerin. Mit Blickrichtung auf den Verkehr erklärte Köstinger: „Für Österreich wurde soeben ein neues Aktionspaket zur Förderung der Elektromobilität mit erneuerbarer Energie geschnürt, um den Verkehr effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Ein Verkehrssystem ohne fossile Energie ist technisch möglich und langfristig auch machbar. Dasselbe trifft auf unsere Gebäude zu.“ Das gleiche gelte auch für die Raumwärme. „Wir haben einen ‚Raus aus dem Öl‘-Bonus für Heizsysteme aufgelegt. Noch nie war der Umstieg auf erneuerbare Systeme attraktiver. Allein vom Bund gibt es für einen Kesseltausch von Öl auf erneuerbare Träger einen Bouns von 5000 Euro, dazu kommen noch die Landesförderungen.“

Umwelt- und Klimaschutz sind eine Chance

Weinberger unterstrich in seinen Schlussworten an die geladenen Meinungsführer: „Schritte wurden im Kampf gegen die Erderwärmung schon gesetzt. Nun gilt es weiter zu trainieren, um den Marathon am Weg zu einem nachhaltigen Österreich zu schaffen. Nachhaltigkeit bedeutet, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder die gleichen Chancen haben, ihr Leben zu gestalten, wie wir sie gehabt haben. Dazu zählt auch unseren Boden als Ressource für die Zukunft zu schützen und in den Umweltschutz zu investieren. Denn wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir in Zukunft durch die Zunahme von Wetterextremereignissen auf viel Wohlstand verzichten müssen. Im Interesse nachfolgender Generationen dürfen wir das nicht zulassen.“


- Bildquellen -

  • Achtes Nachhaltigkeitsfrühstück: ÖHV
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