Die Weidegans hat Potenzial

Auf nur eins zu drei beläuft sich die Chance, zu Martini und Weihnachten einen Gänsebraten heimischer Herkunft genießen zu können, d. h. drei von vier Gänsen werden trotz erfolgreicher Bemühungen um diesen Tierhaltungszweig immer noch importiert. Grund genug, den Betriebszweig Gänsemast insbesondere in Form der Weidegans hier unter die Lupe zu nehmen.

Gänse sind Wasservögel, das Angebot einer „Bade- und Duschmöglichkeit“ ist laut Bundestierschutzgesetz verpflichtend vorgesehen. Nachtsüber sind die Tiere in einem Stall unterzubringen, damit es nicht heißt: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen.“Foto: agrarfoto.com
Gänsehaltung auf der Weide – wichtig ist die Wahl der dafür geeigneten Gänserasse. Foto: Foto: Burgenländische Weidegans

Gänsehaltung professionell – am Beispiel des Burgenlands ist ersichtlich, dass die Gänsehaltung in Österreich einen stetigen Aufschwung nimmt. Verantwortlich dafür ist eine Fachorganisation, die die bäuerlichen Gänsehalter in Fragen der Tierhaltung und Vermarktung unterstützt (siehe Kasten „Österreichische Weidegans“).
Im Burgenland, wo der Landespatron Martin mit seinem Gedenktag am 11. November einen besonderen Bezug zur „Martinigans“ vermittelt, hat das seit nunmehr 15 Jahren bestehende Projekt „Südburgenländische Weidegans“ der Gänsehaltung einen erfolgreichen Schub vermittelt. Aus bescheidenen Anfängen haben sich aktuell 16 zertifizierte Betriebe mit Weideganshaltung entwickelt, die in den nächsten Wochen rund 4500 Weidegänse zur Vermarktung bringen. In Summe einschließlich Stallhaltung beträgt der Gänsebestand im Burgenland etwa 6000 Tiere.
Siegfried Marth, Obmann des Vereins Südburgenländische Weidegans: „Unser Projekt wurde 2002 von zehn Betrieben mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer gestartet. Im Jahr 2005 wurden wir als Projekt der Genussregion Österreich anerkannt.“ Vorteile der Zusammenarbeit im Projekt seien der gemeinschaftliche Einkauf, gehobene Tierhaltungsstandards und Qualitätsausrichtung nach einheitlichen Kriterien und Unterstützung bei der Vermarktung. Allerdings haben sich die Bauern auch an Auflagen zu halten. So stammten die Gössel (Gänseküken) aus Österreich, auch das Futtergetreide müsse aus Österreich sein – vorzugsweise vom eigenen Hof. Die Gänse dürften bis zur sechsten Woche im Stallbereich bleiben, wenn sie ausgefiedert seien, kämen sie hi-
naus auf die Weide und blieben dort bis zum Herbst. Dann sei die Gans ungefähr 26 Wochen alt. Angestrebt sei ein Schlachtgewicht zwischen vier und sechs Kilogramm. Eine Mitgliedschaft im Verein sei ganz unbürokratisch möglich. Es seien Bio- wie auch konventionelle Betriebe willkommen.

Betriebswirtschaftlich interessant

Wärme, Frischwasser, Starterfutter – die Gössel brauchen eine gepflegte Kinderstube. Foto: agrarfoto.com

Dass die Haltung von Weidegänsen auch betriebswirtschaftlich interessant sein kann, belegt eine Musterkalkulation des Trägerverbands „Österreichische Weidegans“. Auf Basis 100 Gänse pro Hektar, Haltungsdauer 28 Wochen und einem Gänsepreis bratfertig und frisch von 9,50 Euro/kg (konventionell) bzw. 10,50 Euro/kg (bio) ergibt eine Gans mit vier Kilo Schlachtgewicht einschließlich  Federnverkauf einen Rohertrag von 40 bis 45 Euro. Abzüglich der Kosten für Gössel, Stall und Stroh, Weidepflege und Zaun, Futter, Tierarzt, Schlachtung und Vermarktung verbleibt ein Deckungsbeitrag von etwa 13 Euro pro Gans bzw. 1300 Euro pro Hektar Weideland. Der Arbeitsbedarf für 100 Gänse ist mit etwa 110 Stunden zu veranschlagen. Kostenmäßig von Vorteil ist, dass die Gänsehaltung keine großen Startinvestitionen erfordert. Bestehende Gebäude und Weideflächen können genutzt werden. Von Interesse kann die Gänsehaltung für Betriebe sein,
• die im Vollerwerb ein zusätzliches Standbein aufbauen wollen.
• die einen zum Nebenerwerb passenden Betriebszweig suchen.
• die ihre Produktpalette für die Direktvermarktung erweitern möchten.
• oder die im Rahmen von Urlaub am Bauernhof eine besondere Attraktion anbieten möchten.
Die Gänsehaltung ermöglicht die Nutzung extensiver Wiesenflächen, wobei jedoch auf eine passende Weidepflege samt Führung als Portionsweide zu achten ist. Auch auf die passende Zusammensetzung der Futtergräser ist zu achten.
Wichtig für Masterfolg und Schlachtkörperqualität ist, dass sich die gewählte Rasse für das Mastverfahren eignet. Bei der Rassenfrage geben die Projektvereine Unterstützung. Schon den Gösseln sollte auch Grünfutter angeboten werden. Die Weidehaltung erfordert zudem eine Ergänzungsfütterung mit Weizen, Gerste, Hafer oder Triticale als Energielieferanten.
Bereits beim Einstallen ist auf das Vermarktungsziel zu achten. Martinigänse werden überwiegend im Mai eingestellt, Weihnachtsgänse bis Anfang Juli. Wer die ganze Saison über vermarkten will, muss mehrere Altersgruppen führen. Bei Langmastgänsen auf der Weide dauert die Aufzucht etwa acht Wochen und die Mast ca. 20 Wochen. Die Schlachtung beginnt Mitte Oktober und erreicht ihren Höhepunkt um das Martinifest.
Obwohl meist frische Ware gewünscht ist, ergaben Geschmackstests, dass bei über vier Monate gefrosteten Schlachtkörpern hinsichtlich Inhaltsstoffen und Sensorik keine wesentlichen Unterschiede gegenüber frischen Gänsen festgestellt werden konnten.
Hans Maad

Österreichische Weidegans – Mehr Gans auf dem Teller

Mehr Gans auf dem Teller“ – mit dieser Zielsetzung engagiert sich die Projektgemeinschaft „Österreichische Weidegans“ für die Haltung von Weidegänsen. Der Leitsatz hat zwei Bedeutungen:
• Er steht erstens für die Absicht, den Selbstversorgungsgrad aus heimischer Produktion zu verbessern.
• Und er steht zweitens auch für die Qualität des Endprodukts – ein besonders geschmackvolles, kompaktes und fettärmeres Fleisch, das sich durch niedrigen Bratverlust auszeichnet.
Ausgangspunkt der Projketgemeinschaft Weidegans war die LFS Schlierbach in Oberösterreich. Dort startete man schon vor über 20 Jahren lokale Weidegansprojekte. Mittlerweile gibt es regionale Weidegansgruppen neben OÖ bereits auch in Salzburg, der Steiermark, in Kärnten, in NÖ (Alpenvorland, Weinviertel) und im Burgenland. In Summe produzieren heuer knapp an die 250 Betriebe rund 40.000 Weidegänse für die Saison zwischen Martini und Weihnachten. Laut Max Gala vom Projektträgerverein IGV konnte der Selbstversorgungsgrad seit den 1990er-Jahren von nur fünf auf etwa 25 Prozent gesteigert werden. Die große Masse an Martinigänsen stamme aber nach wie vor aus Intensivtierhaltung aus dem Ausland, vor allem aus Ungarn.
Die Gemeinschaft Weidegans berät und unterstützt die bäuerlichen Gänsehalter. In der Gemeinschaft kaufen die Bauern die Küken ein, betreiben bäuerliche Schlachtanlagen, helfen einander in der Vermarktung der Gänse und haben auch eine einheitliche Werbelinie mit Infofaltern, Rezeptheften, Plakaten, Hoftafeln, Schlachtkörperetiketten, Gastronomieständern sowie auch mit dem Internetauftritt www.weidegans.at

- Bildquellen -

  • 1745 0701 Gans 16: © Burgenländische Weidegans
  • 1745 0702 Gaensekueken 4 ID61326: © Foto: agrarfoto.com
  • 1745 0503 Duschgans ID21284: © agrarfoto.com
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