Minus 20 Prozent Rübenfläche ist „Alarmsignal“

Trockenheit, Schädlinge und das Verbot von Neonicotinoiden haben dem Rübenanbau stark zugesetzt. FOTO: agrarfoto.com

Bei der jährliche Generalversammlung der Rübenbauernbund für Niederösterreich und Wien warnte dessen Präsident Ernst Karpfinger heute vor einer Gefährdung der Rübenproduktion in Österreich durch Populismus und Angstmache von NGOs. Diese würden in der Debatte um Pflanzenschutzmittel immer mehr Druck auf die Politik ausüben, was den Einsatz moderner Pflanzenschutzmittel betrifft. Karpfinger: „Daraus resultierende praxisuntauglichen Auflagen und die grundsätzliche Einschränkung in zwei Bundesländern führte zu weiteren Flächenrückgängen im Jahr 2019.“

Immer mehr Rübenbauern würden sich von der Rübenproduktion abwenden, beklagte Karpfinger: „Die Anbaufläche ist gegenüber dem Vorjahr um zwanzig Prozent zurückgegangen.“ Gründe dafür seien der mehr als halbierte Zuckerpreis, das Verbot des wichtigsten Insektizids in der Zuckerrübensaatgutpillierung, Trockenheit bereits nach dem Anbau und die damit ausgelöste massive Ausbreitung von Schadinsekten sowie viel zu wenige Regen im Sommer gewesen.

„Viele Landwirte haben im 2018 mit Zuckerrüben nichts verdient, sondern sogar Geld zur Produktion dazugelegt“, berichtete Karpfinger. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass sich heuer viele von der Rübenproduktion abgewendet haben.

Um den Rübenstandort Österreich nicht noch weiter zu gefährden, wurde die im Rahmen des europäischen Pflanzenschutzmittelgesetzes mögliche Notfallzulassung von den Rübenbauernorganisationen beantragt und unter Auflagen genehmigt.
Moderner Pflanzenschutz sei „kein Fluch sondern ein Segen“, so Karpfinger: „Wer heute öffentlich verlangt, im Pflanzenschutz das Rad der Zeit zurückzudrehen, vergisst, dass es früher Unterversorgung, Mangelernährung, Ernteausfälle durch Schädlings- und Krankheitsbefall sowie schwere Arbeit für ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft gab“. Ein weiteres Faktum sei, „dass die Österreicher noch nie so gesund so alt geworden sind wie heute.“ All das stehe im Widerspruch zu den Kampagnen von Umweltschützern und selbsternannten Experten gegen die Landwirtschaft.

Daher fordern die Rübenbauern: „Wer weiterhin heimischen Zucker haben will und auch die Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereiche erhalten möchte, muss für die Spezialkultur Zuckerrübe die speziellen Betriebsmittel, zu denen auch moderne Pflanzenschutzmittel gehören, zur Verfügung stellen.“ Andernfalls komme der Zucker wohl künftig aus Ländern mit fragwürdigen Produktionsbedingungen, die weder unseren Sozial- noch Umweltstandards annähernd gerecht werden, so Karpfinger.
Der Rübenbauernbund für Niederösterreich und Wien vertritt rund 4.600 Rübenbauern.

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