Ein Roter mit guten Genen

Der MF 5713S kann ordentlich zupacken: Der durchzugsstarke 130 PS Common Rail-Motor schafft auch schwerere Arbeiten, begrenzend sind eher die Achslasten.

Massey Ferguson bewirbt die Traktoren-Baureihe MF 5700 S als “bedienerfreundliche Allrounder mit beeindruckender Performance”. Ob der MF 5713 S mit 130PS Maximalleistung die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann, hat die BauernZeitung getestet.
Otto Krönigsberger, Landwirt

Augenfälligstes Merkmal der MF-Modellreihe 5700S ist die stark abfallende Freisichtmotorhaube, die die Großserien-Mitbewerber in der Abgasstufe 4 aufgrund der normalerweise nötigen großen Kühler nicht mehr anbieten. MF verweist diesbezüglich auf die bei den eigenen Modellen besonders kompakte und hocheffiziente Anordnung der fünf Kühler mit spezieller Kühlrippen-Technologie und optimiertem Luftstrom-Management. Tatsächlich hat die Kühlung mit dem geregelten Vistronic-Lüfter, der z. B. gezielt auch die Motorbremswirkung unterstützen kann (!) – im heißen Frühsommer 2019 keinerlei Schwächen gezeigt, durch die einteilige Motorhaube und einen ausgeklügelten Klappmechanismus der Kühler ist auch die Reinigung keine Hexerei.

Leiser, starker Motor

Als Kraftquelle dient dem MF 5713 S ein durchaus leise, kultiviert und gleichzeitig durchzugsstark abgestimmter Common Rail-Agco Power-Motor mit 4,4 Litern Hubraum. Das elektrische Ladedruckregelventil des Vierzylinders und die Luftansaugdrosselklappe sorgen insbesondere im Teillastbetrieb für einen niedrigen Geräuschpegel. Da die SCR-Abgasnachbehandlung, die nur mit SCR-Katalysator und Dieseloxidationskatalysator auskommt, zwischen Motor-Getriebeblock und rechtem Hinterrad unter der Kabine sitzt, und der schmale Auspuff in Sichtlinie mit der Kabinen-A-Säule liegt, wird das Blickfeld kaum beeinträchtigt.
Beim Dieselverbrauch ist der MF 5713 S mit Dyna6 beileibe kein „Säufer“: Im Gegenteil, erscheint er doch durch das effiziente Gima Eco-Getriebe, das 40km/h schon unter 1800 Motor-UpM erreicht, gerade bei Transportaufgaben recht sparsam. Der AdBlue-Verbrauch liegt, typisch für eine Stufe 4-Lösung ohne Partikelfilter, bei etwa sechs bis acht Prozent des Dieselverbrauchs. Mit 180 Litern reicht der Dieseltank für einen überdurchschnittlich langen Arbeitstag, der 25 Liter fassende AdBlue-Tank fast für zwei.

Viele Kabinenvarianten

Quelle: Otto Krönigsberger
Die helle Kabine mit großen Glasflächen und guter Rundumsicht

Neben der Standardkabine, die mit drei unterschiedlichen Dächern, z. B. als „Visio-Dach“ mit großem Dachfenster für Frontladerarbeiten, lieferbar ist, gibt es auch eine ca. 8 cm niedrigere Version.
Das Fahrerhaus ist vorne auf Silentblöcken gelagert, hinten gibt es auf Wunsch eine mechanische Kabinenfederung, die den Traktor trotzdem nicht höher macht. Die Vorderachsfederung mit zwei doppeltwirkenden Zylindern und zwei Druckspeichern bietet 90mm Federweg, +/- neun Grad Pendelwinkel und sowohl Automatikbetrieb als auch einen manuellen Modus. Speed Steer heißt die in vier Stufen veränderbare variable Lenkübersetzung bei Massey Ferguson.
Die mechanisch oder automatisch klimatisierte Kabine hat relativ große Glasflächen, die im Bereich Fahrer- und Beifahreroberkörper konvex ausgeformt sind. Dadurch wirkt sie geräumig, wenngleich der im Zulassungsschein eingetragene, dünn gepolsterte Beifahrersitz doch eher nur für kurze Zeit eine bequeme Mitfahrt bietet.
Bis zu 12 LED Arbeitsscheinwerfer ergänzen bzw. ersetzen auf Wunsch die Halogen-Scheinwerfer und erhellen so die Umgebung mit über 20.000 Lumen Lichtstrom. Schon Standardausrüstung im MF 5700 S ist eine automatische Lichtabschaltung eine Minute nach dem Abstellen des Motors, früher auch „Coming Home“-Funktion genannt, die via SIS-Monitor aktivierbar ist.
Über „MF-Parts“ sind auch für den MF 5700 S bereits individuell codierte Kabinenschlüssel erhältlich. Der Einstieg über vier Stufen in die Kabine ist kommod, auch die Tür öffnet weit. Allenfalls könnte man anmerken, dass man beim Aufstieg aufpassen muss, nicht an die Wiederhol- und Zusatzscheinwerfer oder die langen Außenspiegel anzustreifen. Elektrisch verstellbare Außenspiegel gibt es übrigens auf Wunsch. Die Kabine wirkt freundlich-hell und ist sehr gut schwingungsgedämpft. Allerdings gibt es Spiegelungen in den Scheiben. Je nach Einstellung und Sonnenstand spiegelt sich v. a. die helle Oberseite des höhenverstellbaren Armaturenbretts in der Frontscheibe, und zwar gerade dort, wo die abfallende Motorhaube den Sichtbereich erweitert, direkt vor dem Traktor. Hier könnte MF mit einer ähnlich dunklen Armaturenbrettabdeckung wie beim MF 6713 der „Global Serie“ leicht Abhilfe schaffen bzw. kann man sich mit dunklem Klebematerial selbst helfen.
Die meisten Funktionen sind – auch ohne Datatronic-Monitor im „SIS“ (Setup and Information Screen), einem 70 x 52 mm großen Farbdisplay im Armaturenbrett, einstellbar – sobald man sich mit den Symbolbedeutungen vertraut gemacht hat, sogar recht einfach.
Schon in der einfachen „Essential“-Version sind auf dem Hydraulik-Kreuzhebel/Joystick rechts vom Fahrer zwei Tasten mit einigen Funktionen belegbar, z. B. für Heckhydraulik-Schnellaushub und Absenken. Auch das Fieldstar 5-Terminal gibt es schon beim „Essential“ als Wunschausrüstung.

Weiter entwickeltes Getriebe

Für die neue Traktorengeneration wurden auch die langjährig bewährten Vier- und Sechsfach-Lastschaltungen Dyna4 und Dyna6 weiter entwickelt bzw. um neue, elektronisch unterstützte Features bereichert.
Der „PowerControl“-Hebel, der Fahrtrichtungswahl, Hinauf- und Hinunterschalten, Auskuppeln und Neutralstellung links vom neigungs- und höhenverstellbaren Lenkrad ganz einfach und intuitiv ermöglicht, ist bei allen Modellen Serienausstattung. Damit wählt man also, im Prinzip auch ohne Kupplungsbetätigung, mit der linken Hand Fahrtrichtung und Geschwindigkeit.

Quelle: Otto Krönigsberger
Der Multipad-Joystick und Standard-Hydraulikjoystick auf der Bedienarmlehne

Anstatt des jahrzehntelang bekannten T- Hebels seitlich vom Fahrer, mittels dem die rechte Hand bequem LS-Stufen und Gruppen schaltet, ist bei der gehobenen „Efficient“-Ausstattung ein neuer „Multipad“-Joystick lieferbar. Seine Tasten sind teilweise (im ebenfalls optionalen Isobus-tauglichen Terminal, dem „Fieldstar 5-Touchscreen“) frei belegbar, sodass der Traktor in Kombination mit modernen Arbeitsgeräten hochgradig individualisierbar wird. Massey Ferguson bewirbt das nicht umsonst als „Oberklasse-Komfort schon ab 95 PS“: Eben ein grundsätzlich simpel bedienbarer, kompakter Mittelklassetraktor, der sehr wohl mit Hightech Arbeitsgeräten umgehen kann. Und man fährt mit diesem Hebel den MF 5700S, dank sanft schaltender Lastschaltstufen, schon fast wie einen gehobenen Stufenlosen.
Ein bisschen mehr Erklärungsbedarf haben allerdings die “Auto­drive“-Funktionen: Drücken des Schaltknopfs „Hase“ bedeutet Straßenmodus, also, dass Lastschaltstufen und Gruppen automatisch geschaltet werden, im Feldmodus wird nur innerhalb der Gruppe automatisch gewechselt. Schaltdrehzahl und höchster erlaubter Gang sind im „SIS“ einstellbar.
Im „AutoModus“ schaltet das Getriebe selbsttätig lastabhängig möglichst effizient und komfortabel. Das automatische Auskuppeln (und wieder Einkuppeln) bei Bremsenbetätigung ist eine sinnvolle Funktion, z. B. beim Laderbetrieb, muss aber aus Sicherheitsgründen nach jedem Neustart wieder aktiviert werden.
Ebenfalls automatisierbar, z. B. am Vorgewende, sind die Zapfwellenschaltung und, wenn ein Lenkwinkelsensor vorhanden ist, die Allradschaltung sowie in Kombination mit Zapfwellenbetrieb ein Drehzahlspeicher.

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Fazit MF 5713 S: Geeignet für breites Einsatzspektrum

Der MF 5713 S hat einiges zu bieten: eine hervorragende Sicht, v. a. bei Frontarbeitsgeräten, eine komfortable, leise Freisicht-Kabine, eine intuitiv einfache Bedienung aller Grundfunktionen und einen kräftigen 4-Zylinder, gepaart mit einem Lastschaltgetriebe mit gutem Wirkungsgrad. Er passt gleichermaßen auf den Hof, das Feld und für den Transport – denn der Traktor ist eine unkomplizierte Universalmaschine mit typischen MF-Genen bzw. bewährten Komponenten. Als “Essential”-Variante ist sie vergleichsweise günstig und als “Efficient” wird sie auch höheren Anforderungen an Komfort, Bedienfunktionen und Präzision gerecht.

GPS & Co: Automatiklenkung

Quelle: Otto Krönigsberger
Mit der neuen Trimble AG 382 DGPS-Antenne ist der Traktor knapp über drei Meter hoch.

Unser Testtraktor war mit einer integrierten Automatiklenkung ausgestattet. Er hatte aber keine gültige Freischaltung eines genauen Referenzsignals an Bord, sodass wir ihr hier zwar eine optisch gut gelöste und auch unkomplizierte Bedienbarkeit via Fieldstar 5-Terminal attestieren können, aber leider nichts über die tatsächliche Leistungsfähigkeit in Zusammenhang mit der neuen Trimble AG 382-Antenne schreiben können. Letztere hat schon im autonomen Betrieb ohne Korrektursignal gerade Spuren geschafft – die jedoch erwartungsgemäß innerhalb weniger Minuten im Dezimeterbereich „wanderten“: Ohne Korrektursignal ist auch heute noch keine genaue Lenkarbeit mittels GPS machbar.

Baureihe MF 5700 S: “Essential” und “Efficient”

Die Reihe 5700 S von Massey Ferguson umfasst fünf im französischen Beauvais gefertigte Motorisierungen von 95 bis 130 PS Maximalleistung, die Modellpalette reicht vom MF 5709 S bis zum MF 5713 S. Alle haben 4,4l-Motoren von Agco Power, Vierfach- oder Sechsfach-Lastschaltung und sind in zwei grundlegenden Ausstattungslinien verfügbar: einfach als „Essential“ und gehoben als „Efficient“ mit Bedienarmlehne, zwei elektronischen Hydrauliksteuer­geräten …
Als Alternativen im Vierzylinder/130 PS-Segment hat Massey Ferguson den MF 6713 aus der „Global Serie“ mit 12/12-Gang-Synchrongetriebe und den massiveren MF 6713 S mit 4,9 Litern Hubraum, der auch mit stufenlosem DynaVT-Getriebe und in der Premium- Ausstattungsstufe „Exclusive“ erhältlich ist.

Massey Ferguson 5713 S: Technische Daten im Überblick

Quelle: Otto Krönigsberger
Abmessungen und Gewicht des MF 5713 S

Motor/Abgasreinigung
• 4-Zylinder von Agco Power mit 4397 cm³ Hubraum und vier Ventilen pro Zylinder
• CommonRail-Einspritzung mit Ladeluftkühlung und max. 1800 Bar Einspritzdruck, kein Boost;
Abgasnorm Stufe IV /TIER 4B mit kompakter „all in one “ SCR-Anlage und Dieseloxidationskatalysator, kein Partikelfilter
• Maximalleistung (nach ISO TR14396, bei 2000 UpM): 130 PS (96 kW); Nennleistung laut Zulassungsschein: 127 PS (93,5 kW)
• Maximales Drehmoment (bei 1500 UpM): 545 Nm
• Treibstofftank: 180 Liter,
AdBlue-Tank: 25 Liter (reicht für knapp zwei Tankfüllungen)
• Schwefelanteil im Diesel soll unter 20 mg/kg liegen
• Motorölwechsel alle 500 Std.; ca. 16 Liter API CJ-4- bzw. ACEA E9-Öl
• Getriebe-/Hydraulikölwechsel: alle 1500 Std., 70 – 75 Liter je nach Ausstattung
• Lichtmaschine mit 125 oder 175 Ampere Leistung

„Dyna-6“-Getriebe
• Vier (im Straßenmodus auch automatisch geschaltete) überlappende Gruppen mit sechs Lastschaltstufen, optional plus 14:1-Kriechgang-Untersetzung (= 24 zusätzliche, elektrohydraulisch zugeschaltete Stufen mit minimal ca. 90 m/h bei 1400 UpM, dann 48V/48R-Gänge)
• Acht Gänge zwischen 4 km/h und 12 km/h
• Mit intelligenten Funktionen wie „speed matching“ (automatische Wahl der LS-Stufe nach Gruppenwechsel) und „Auto Drive“-Funktion: Im Straßenmodus schaltet das Getriebe wie ein Automatikgetriebe (Schaltpunkte frei programmierbar) je nach Fußgaspedalstellung selbsttätig. Automatisches Auskuppeln beim Betätigen dery Fußbremspedale einstellbar
• Lastschaltbare Wendeschaltung „PowerControl“ inkl. Gangwechselfunktion links vom Lenkrad und auch über „MultiPad“-Joystick bedienbar
• Max. 42 km/h eco-Getriebe bei 1.750 Motor UpM, keine 50 km/h Ausführung
• max. Anhängelast: 32.000 kg

Zapfwelle/Hydraulik
• Zwei oder drei Geschwindigkeiten plus Wegzapfwelle möglich: 540 und 540E bei 1.920 bzw. 1.560 Motor-UpM, 1000er Zapfwelle mit 1960 Motor-UpM
• Automatik-Funktion für mehr Vorgewende-Komfort serienmäßig, externe Bedienung am linken Kotflügel, Kombination mit Drehzahlspeicher möglich; elektronisch gesteuert und überwacht, Einschaltmodulation einstellbar
• Maximale Hubkraft Heck, Cat. 3, in den Koppelpunkten: 5.200kg mit 110 Liter/min CCLS-Verstellpumpe mit variablem Förderstrom, wobei max. Hinterachslast: 6.400 kg
• Max. Hubkraft Front (Cat. 2): 2.500 kg, wobei max. Vorderachslast: 3.500 kg sowie max. zulässiges Gesamtgewicht 8.500 kg
• Drei unterschiedliche Hydraulikpumpen wählbar mit max. Hydraulikölfördermenge 110 l/Min, plus separate 33 l/Min-Zahnradpumpe für Schmierung, Lenkung, usw.
• Power Beyond nur bei Efficient-Ausstattung
• Max. zwei elektrische „Fingertip“-Steuergeräte plus zwei mechanische bei “Efficient”; vier mechanische bei „Essential“
• Gemeinsamer Ölhaushalt Hydraulik und Getriebe, Mindestfüllmenge: 65/75-Liter bis max. 90 Liter API GL4-Öl (Überfüllung bei Arbeiten mit hohem Ölbedarf oder in steilem Gelände)
• Entnehmbare Ölmenge: 24/34 Liter, mit Überfüllung bis maximal 49 Liter

 

 

- Bildquellen -

  • Mf 5713s: Otto Krönigsberger
  • Mf5713S: Otto Krönigsberger
  • Mf5713S: Otto Krönigsberger
  • Masze Graphik MF 5713S: Otto Krönigsberger
  • MF 5713 S mit Mulcher: Privat/Andreas Offenschießl
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