Frischer Fisch aus Neubruck

Acht Familien haben zusammen die Teichanlage gekauft und bewirtschaften diese nun gemeinsam. Am Foto: Franz Jagesberger, Andreas Streimelweger, Michael Karner, Herbert Gaupmann, Anton Krenn und Martin Henikl (v. l.). Foto: BZ/Eva Riegler

Insgesamt sechs Hektar Teichflächen, Grünland und Wald ­bewirtschaften die acht Bauernfamilien, die sich zur „Neubruck Fisch GmbH“ zusammengeschlossen haben. In erster Linie ­werden Lebendbesatzfische vermarktet. In Zukunft soll auch der Verkauf von Speisefischen forciert werden.
Eva Riegler

Begonnen hat alles im Jahr 2013, mit den Vorbereitungen zur NÖ Landesausstellung 2015“, erzählt Anton Krenn, Obmann der BBK Scheibbs und einer von acht Bauern der Region, die 2014 die „Neubruck Fisch GmbH“ gegründet haben. Gemeinsam wurden die Teichanlagen – an einem Seitenarm der Jeßnitz im Gemeindegebiet von St. Anton an der Jeßnitz gelegen – angekauft. Seitdem werden sie gemeinsam bewirtschaftet.

„Teichwirtschaft ist für alle ein Nebenerwerb“

Quelle: BZ/Eva Riegler
Forellen sind Raubfische und können nur in ähnlicher Größe gemeinsam gehalten werden.

„Die ersten Teiche wurden vom Vorbesitzer in den 1980er Jahren angelegt“, berichtet Michael Karner, der ebenfalls Gründungsmitglied der Gruppe ist. Er hat bereits einen Grundkurs für die Fischzucht absolviert und möchte noch die Ausbildung zum Fischfacharbeiter nachholen – wenn es sich zeitlich ausgeht. „Jeder von uns hat zu Hause seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Teichwirtschaft ist also für alle ein Nebenerwerb“, so Karner. Er ist auch von der Gemeinschaft angestellt und damit hauptverantwortlich für die Fischzucht. Darüber hinaus arbeiten alle Mitglieder zu gleichen Teilen mit. Die Anlage besteht mittlerweile aus zwölf Teichen in unterschiedlichen Größen, die – eingebettet in Wiesen und Wald – terassenförmig angeordnet sind. In den einzelnen Teichen werden immer eher gleich große Fische gehalten, da Salmoniden (forellenartige Fische) Raubfische sind und die größeren die kleineren fressen würden.

20 Liter pro Sekunde Wasserrechte gesichert

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Inmitten einer sechs Hektar großen Wiesen- und Waldfläche liegen die zwölf Teiche.
Bach-, See- und Regenbogenforellen sowie Bachsaiblinge werden darin gezüchtet.

„Im Wasserbuch (Anmerkung: dem öffentlichen Verzeichnis der Wasserrechte) sind die Rechte auf die Nutzung von 20 Litern pro Sekunde festgeschrieben“, erklärt Martin Henikl, dessen Frau Heidi die Buchhaltung der Gemeinschaft übernommen hat. Die hervorragende Wasserqualität sei die Grundvoraussetzung für eine hochwertige Fischproduktion. Bach-, See- und Regenbogenforellen sowie Bachsaiblinge tummeln sich in den Gewässern. Die Lachsforelle ist keine eigene Art, sondern erhält die Rotfärbung ihres Fleisches durch den Zusatz von natürlichem Carotin im Futter.
„Unsere Mitbewerber sind vor allem Aquakulturen in Italien. Die Qualität unserer Fische ist jedoch weit höher“, ist Henikl überzeugt. Im steilen Gelände rundherum wird die Landwirtschaft eher extensiv betrieben. Daher gibt es keine Nitratbelastungen im Quellwasser. Durch die hohe Wasserqualität sei zudem keinerlei Medikamenteneinsatz notwendig. Dazu wird der Betrieb regelmäßig von den Experten des Tiergesundheitsdienstes kontrolliert.

Individuelle Erfüllung von Kundenwünschen

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Beim Abfischen wird zusammengeholfen. Anschließend wird das Wasser abgelassen und der Teichboden gründlich gereinigt und gekalkt, um Krankheiten der Fische vorzubeugen.

Wird ein Teich abgefischt, wird das Wasser sofort abgelassen und der Teich gereinigt. Das Wasser fließt durch ein Rückhaltebecken, in dem Futterreste und Verschmutzungen zurückbleiben, und anschließend in den Jeßnitzbach. Aufgrund der großen Wassermengen und der extensiven Haltung, gibt es keine Probleme mit der Qualität des abfließenden Wassers.
Rund zwei Tonnen Fisch können die Neubrucker bereits pro Jahr erzeugen, es sei aber noch Luft nach oben.

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Michael Karner ist auch für die regelmäßige Kontrolle der Teiche zuständig.

Etwa zwei Jahre brauchen Regenbogenforellen, bis sie ein Schlachtgewicht von rund 300 Gramm erreicht haben, Saiblinge und Bachforellen ein halbes Jahr länger. 70 Prozent der Tiere landen derzeit als Lebendbesatzfische an Fließgewässern und Anglerteichen. Der Rest findet in der regionalen Gastronomie seine Abnehmer. „Egal ob ein Wirt nur Fischfilets oder Portionsfische mit ziemlich genau 350 Gramm möchte, wir können diese Kundenwünsche das ganze Jahr hindurch erfüllen“, sieht Henikl die extensive Produktionsweise und geringe Betriebsgröße als Vorteil.
Die gesamte Teichanlage ist mit einem Drahtzaun in der Höhe von zwei Metern umgeben. „So können wir wenigsten Schäden durch den Fischotter vorbeugen und müssen unseren Ertrag nur mit dem Fischreiher teilen“, berichten die Mostviertler Teichwirte von ihren größten Sorgen.

Speisefisch-Nachfrage ist weiterhin steigend

„Bekannt geworden sind wir zwar mit den Besatzfischen, aber auch die Nachfrage nach Speisefischen ist steigend“, sehen die Fischzüchter positiv in die Zukunft. Um darauf reagieren zu können, investiert die Gemeinschaft derzeit am Betrieb von Familie Karner in einen Schlacht- und Verarbeitungsraum, denn auch Räucherfische sollen zukünftig vermarktet werden.
Auch für die Teichanlagen haben die Neubrucker Fischzüchter weitere Ausbaupläne. Derzeit wird ein großer Teil der Jungfische (Setzlinge) zugekauft. Doch in absehbarer Zeit möchten die Neubrucker „vom Ei bis zum fertigen Fisch“ alles selber machen. Da die Eier speziell in der ersten Phase der Entwicklung stoß- und lichtempfindlich sind, soll auch noch ein entsprechendes Gebäude errichtet werden.

Salmo“ – Qualitätsfisch: „Wasser.Fisch.Mensch“

„Wasser.Fisch.Mensch“ war 2014 bis 2017 ein Leader-Projekt der Eisenstraße Niederösterreich, mit dem Ziel, Bewusstsein für die Produktion von heimischem Fisch bei Herstellern als auch Konsumenten zu schaffen.
Daraus ist der regionale Fischzuchtverein „Salmo – Qualitätsfisch aus dem Mostviertel“ mit derzeit acht Mitgliedern – darunter auch die „Neubruck Fisch GmbH“ – hervorgegangen. Ein weiteres Mitglied dieser Organisation, Nibelungenfisch aus Ornding, gewann bereits im ersten Jahr die „Genusskrone Österreich“ für das beste Fischprodukt des Landes und machte sich österreichweit einen Namen.
Alle Mitglieder ersichtlich unter „www.salmo.at“.

- Bildquellen -

  • 05 05 19 18 NO: BZ/Eva Riegler
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  • 05 01 19 18 NO: BZ/Eva Riegler
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