Für jedes Heu die richtige Trocknungsstrategie

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Die “Losetrocknung” eignet sich für Warmluft oder Dachabsaugung ©Kittl
Leider funktioniert nicht, was sich viele wünschen: Man sucht aus einem Katalog eine Heutrocknungsanlage von der Größe S bis Größe XXL aus, steckt sie zu Hause an die Steckdose an, und damit ist das Problem gelöst. Unabhängig von der Betriebsgröße müssen vor einer Investition einige Punkte, geklärt werden. In der Tabelle sind die wichtigsten zusammengefasst.

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Man kann aus der Heutrocknung eine Wissenschaft machen, wirklich entscheidend ist jedoch nur eines: Stabile Lagerfähigkeit innerhalb möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Das Erreichen dieses Zustandes ist jedoch nicht so einfach wie vermutet.

Bodenheu

Wer Qualität erreichen will, kommt hier um eine Trocknungsanlage nicht herum. Laufende Untersuchungen des Futtermittellabors Rosenau und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein zeigen eindeutig die gravierenden Nachteile von Bodenheu auf. Hier stehen Aufwand und Nutzen in keinem guten Verhältnis. Die größten Nachteile sind:
Verspäteter Schnittzeitpunkt, da kurze Schönwetterphasen nicht genutzt werden können.
Lange Feldliegezeiten bis das Heu unter Dach gebracht werden kann.
Viele mechanische Arbeitsgänge verringern den wertvollen Blattanteil im Futter.
Selbsterwärmung am Lager bringt Energieverlust im Futter.
Schimmelbildung durch zu geringe Vortrocknung (auch wenn Schimmel noch nicht sichtbar!).
Durch jeden Schritt sinkt die Futterqualität bei gleichem oder höherem Arbeitsaufwand! Für bessere Qualitäten muss daher das Heu unter Dach belüftet – besser getrocknet werden. Der Unterschied liegt in der Temperatur und relativen Luftfeuchte der Trocknungsluft. Eine Anwärmung der Trocknungsluft um 5 °C bewirkt ca. eine Verdoppelung der Wasseraufnahme der Trocknungsluft. Eine Kaltbelüftung funktioniert am Beginn der Trocknung noch halbwegs gut, da die Feuchte im Futter noch höher ist. Problematisch wird es erst gegen Ende des Trocknungsvorgangs, da zum Fertigtrocknen Luft mit weniger als 50 Prozent relative Luftfeuchte nötig ist. Diese wird im Frühjahr wegen der niedrigen Temperaturen zum ersten Schnitt kaum erreicht, darum ist eine Belüftung alleine für hohe Qualitäten zu wenig.
Für reine Heubetriebe und Heumilchlieferanten, die bei schwierigen Wetterbedingungen nicht auf Silage ausweichen können, ist die Heutrocknungsanlage so auszulegen, dass der erste Aufwuchs mit zwei bis drei Ernteterminen unter Dach ist. Ansonsten können der optimale Schnittzeitpunkt und damit die beste Qualität nicht mehr erreicht werden.

Losetrocknung

Gut belüftete Heulagerung auf einem Metallgitter ©Kittl
Gut belüftete Heulagerung auf einem Metallgitter ©Kittl
Für die Aufteilung des ersten Aufwuchses in zwei bis drei Erntetermine ist die Losetrocknung in Trocknungsboxen am besten geeignet. Wird das Futter vom zweiten Termin auf das Futter vom ersten Termin geschüttet, wird durch die Trocknung das untere Futter automatisch nachbelüftet. So kann ohne besonderen Aufwand Zeit und Energie gespart werden. Nach dem ersten Schnitt sollte man die Trocknungsbox ausräumen oder auf eine andere Trocknungsbox ausweichen, um dem Futter nicht zu schaden. In jedem Fall ist heute zur Losetrocknung ein Kran nötig, der das Futter einbringt, eventuell umschichtet und zur Fütterung wieder ausräumen kann.

Ballentrocknung

Eine Speziallösung: Rundballentrocknung mit gedämmtem Kanal ©Kittl
Eine Speziallösung: Rundballentrocknung mit gedämmtem Kanal ©Kittl
Die Ballentrocknung ist wesentlich schwieriger umzusetzen als die Losetrocknung. Das liegt weniger an der Anlage als an den Umständen rund um die Ballenwirtschaft. So muss das Futter am Feld länger vortrocknen als bei losem Heu und das Pressen (gleichmäßige Dichte im gesamten Ballen) muss man im Griff haben. In den Ballentrocknungsanlagen werden fast ausschließlich Rundballen getrocknet, da sie durch ihre runde Form leicht auf einem Ring abgestellt werden können, der auch in die Ballen einsticht. Nur so kann die Luftführung im Ballen halbwegs kontrolliert ablaufen.
Für hochwertiges Futter ist es wichtig, dass die Ballen möglichst rasch getrocknet werden. Was geschieht aber mit jenen Ballen, die keinen Platz mehr auf der Anlage finden konnten? Man kann sie auf gerade belüftete Ballen draufstellen, dabei werden sie jedoch nur vor der gefährlichen Selbsterwärmung geschützt.
Lesen Sie demnächst, wie die Technik hinter der Heutrocknung funktioniert.
Ing. Mag. Matthias Kittl, LK Salzburg

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