Green Care-Tagung auf stärkere Zusammenarbeit mit Gemeinden fokussiert

Diskutierten über den Beitrag von Green Care-Betrieben zur Entwicklung des ländlichen Raumes (v.l.): Green Care-GF Nicole Prop, Gemeindebund-Generalsekretär Walter Leiss, Obmann des Sozialhilfeverbands Freistadt, Alois Hochedlinger, Karlheinz Dommer, landimpuls GmbH, Krankenschwester und Bäuerin Renate Pointner, Bäuerin Urte Meves, Heiderose Schiller, LK Schleswig-Holstein und Green Care-Obmann Robert Fitzthum
Mit welchen Herausforderungen die Gemeinden im In- und Ausland kämpfen und welche Chancen dabei für bäuerliche Familienbetriebe entstehen, stand im Mittelpunkt der 7. Green Care-Tagung, die in der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt (HBLFA) Schönbrunn in Wien stattfand. Neben Best-Practice-Beispielen wurden auch Zukunftsschwerpunkte des Vereins Green Care Österreich präsentiert. Dessen Kooperation mit dem Österreichischen Gemeindebund wird als große Chance gewertet, um die Gemeinden mit wohnortnahen, sektorübergreifenden Angeboten zu bereichern.

 

Mit lokalen Akteurinnen und Akteuren Idee vorantreiben

Green Care-Obmann Robert Fitzthum betonte, dass u.a. flexible Betreuungsangebote für Kinder und pflegebedürftige Personen benötigt werden, um Frauenbeschäftigung und Lebensqualität in Gemeinden sicherzustellen. Das eröffne „Bauernhöfen mit Potenzial“ zusätzliche Einkommensmöglichkeiten. Sehr positiv bewertet der Obmann, dass Green Care als einer von 20 Schwerpunkten im „Masterplan für den ländlichen Raum“ verankert werden konnte. „Wir haben nun das Ziel, unsere Green Care-Idee gerade den kleinen Gemeinden verstärkt näherzubringen“, betonte Fitzthum. Mit lokalen Akteurinnen und Akteuren könne es gelingen, diesen Bereich weiter voranzutreiben. „Zentral dafür ist der Aufbau von Netzwerken und Prozessen für die Arbeit auf Gemeindeebene“, ergänzte Green Care-Geschäftsführerin Nicole Prop. Zusätzlich seien eine kompetente Begleitung der Höfe vor Ort und somit ausreichende Personalressourcen entscheidend. Auch Wirkungsstudien und gezielte Weiterbildungsangebote für Bäuerinnen und Bauern – vor allem im Rahmen der Ländlichen Fortbildungsinstitute (LFI) – seien wesentliche Zukunftsschwerpunkte, so Prop, die das wachsende Interesse bäuerlicher Betriebe an Green Care hervorhob.

 

Walter Leiss, Generalsekretär des Österreichischen Gemeindebundes, unterstrich, dass seine Institution 2089 Gemeinden und 70 Prozent der heimischen Einwohnerschaft vertritt. Ländliche Herausforderungen ortet er in vielen Bereichen: “Die Nahversorgung wird eingeschränkt, die medizinische Versorgung steht vor einem Umbruch und es wird immer aufwendiger, optimale Bedingungen in der Kinderbetreuung zu bieten. Auch in der Pflege warten nicht zuletzt durch die Abschaffung des Pflegeregresses große Herausforderungen. Es werden somit innovative Ansätze und Ideen benötigt, um Antworten auf diese brennenden Fragen geben zu können. Eine neue Möglichkeit, zusätzliche Einkommensstandbeine für die lokalen Landwirtschaftsbetriebe zu schaffen, ist der Green Care-Ansatz“, so Leiss.

 

Landwirtschaft und Gemeinden gehen aufeinander zu

Anschließend stellte Karlheinz Dommer, Mitinhaber des Regionalentwicklungsbüros „landimpuls“ das Projekt „Marktplatz der Generationen“ vor. Dabei werden im Auftrag des Bayerischen Sozialministeriums und in enger Zusammenarbeit mit kleineren Gemeinden Maßnahmenkonzepte entwickelt, damit ältere Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Kooperationsmöglichkeiten für Bauernhöfe sieht er u. a. in der Nahversorgung, dem Gesundheits- und Pflegebereich oder bei neuen Wohnformen. „Bauernhöfe sind als Umfeld extrem attraktiv“, so Dommer. Während bei Green Care Österreich die Landwirtschaft aktiv auf Gemeinden zugeht, ist es bei diesem bayerischen Projekt genau umgekehrt.

 

Die Bauernhofpädagogin Heiderose Schiller von der Landwirtschaftskammer (LK) Schleswig-Holstein stellte gemeinsam mit der Bäuerin und Bauernhof-Pädagogin Urte Meves ein Kooperationsprojekt zwischen der LK und dem Kompetenzzentrum Demenz vor, das von dieser Krankheit betroffenen Menschen sinnerfüllte Aufenthalte auf Bauernhöfen ermöglicht. Meves ist es zudem gelungen, auf ihrem Hof ein buntes Besucherprogramm zusammenzustellen, das Jung wie Alt gleichermaßen begeistert.

 

Entlastung für Angehörige im Pflegebereich

Die Diplomkrankenpflegerin Renate Pointner hat es gemeinsam mit ihrem Mann und unterstützt von Green Care wiederum geschafft, auf ihrem Bauernhof im Bezirk Freistadt (OÖ) eine Tagesbetreuung für Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit besonderen Bedürfnissen einzurichten. Wesentliche “Helfer” sind dabei Alpakas, die zur tiergestützten Intervention eingesetzt werden. Der Bezirkshauptmann von Freistadt und Obmann des dortigen Sozialhilfeverbands, Alois Hochedlinger betonte, dass derzeit 80 Prozent der Pflegebedürftigen daheim versorgt werden und das Tageszentrum der Familie Pointner ein absoluter Gewinn sei. Angesichts der allgemeinen Überalterung „braucht es ein Umdenken der Gesellschaft, was die Pflegeberufe angeht“. Ein besseres Image und “Branding” sei erforderlich.

 

 

Alle Unterlagen zur Green Care-Tagung finden Sie unter www.greencare-oe.at/tagung

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