Tabelle Sonnenenergie © WodickaGrößer

Sonnen- und Holzwärme ergänzen sich optimal

Die Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran werden schneller verbraucht als neue Vorräte gefunden und bereitgestellt werden können. Preissteigerungen und Kämpfe rund um Energie jeder Art mit weitreichenden Folgen nehmen zu – die Suche nach Auswegen auch.
Den Weltenergieverbrauch gibt die Internationale Energieagentur für 2006 mit rund 12.000 Mtoe (1 Mtoe = Millionen Tonnen Öläquivalenz = 7,1 Mio. Barrel/Fass, ein Barrel = 159 Liter) an. Erdöl liefert derzeit mit 34,8 Prozent den höchsten Anteil am Energiegesamtverbrauch, das ist die fast unvorstellbar große Menge von 3980 Mtoe. Bildlich: Der weltweit laufend verbrauchte Ölstrom entspricht der Wassermenge der Donau bei Ulm. Dass dafür die Vorräte der Erde nicht dauerhaft reichen werden, ist einleuchtend – von den Umweltschäden abgesehen. Da sehr viele Menschen in der Öl-, Kohle-, Gas- Strom- und Autobranche davon (gut) leben, wird der notwenige Wandel auf die lange Bank geschoben.

Nicht von allen. Große Konzerne, kleine Gewerbebetriebe und viele Menschen, die – durchaus nicht nur selbstlos – auch ihre Zukunft gestalten wollen, suchen nach Auswegen aus der nur mehr scheinbar heilen fossilen Energiewelt.

Weg von Öl & Co wollen viele, doch wohin und um welchen Preis? Viele Fragen stehen an. In Antworten versuchen sich kluge Bastler und ernste Wissenschaftler als Pioniere, leider aber auch geschäftliche Abenteurer und ideologische Weltverbesserer. Weiterführende Information als Grundlage für den notwendigen Energiewandel ist nur von den Ersteren zu erwarten. Information gibt es in großen Ausstellungen – wie jetzt bei der Energiesparmesse in Wels – aber ebenso in kleinen Veranstaltungen, wenn man kompetente Leute zusammenbringt, wie beim Büchlberger Energiegipfel in Passau. Bei diesem wurde "Heizen mit Sonne und Holz" von Experten aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet und von Fachausstellern praxisgerecht dargestellt.

Sparen und effektiv sein

Nach dem deutschen Energieszenario, das außer viel Atom- und wenig Wasserkraft, der Aufkommensstruktur in Österreich ähnlich ist, steht in der Nutzung das Heizen klar vorn. Das ist zugleich die beste Startbasis für eine Energiewende mit Energiesparen und Sonnennutzung als wichtigste Standbeine. "Energiesparen zuerst", betonen alle Referenten. Im Wohnbau ist das durch Isolierung sehr wirksam, wenn auch nicht billig, möglich. Das Niedrigenergiehaus soll Standard, das Nullenergiehaus Nahziel werden. Dann muss die Sonnennutzung folgen: großflächige thermische Solarkollektoren kombiniert mit sehr großen Pufferspeichern, die Sommerwärme für den Winter "konservieren".

Dazu als Überbrückung eine kleine Zusatzheizung, die ideal und umweltfreundlich von Holz gespeist wird. Neben dem komfortablen Pelletsbrenner bietet sich für Wohnhäuser ein modernisiertes Kachelofen-Zentralheizungssystem an, das Raumwärme spendet und den Pufferspeicher nachwärmt.

In Perfektion zeigt dies der Schweizer Solarpionier Josef Jenni seit fast 30 Jahren vor. Seine bisher 12.000 Pufferspeicher in 70 Typen – vom 600-Liter Standardboiler bis zum 205.000 Liter fassenden Speicher, der ein mehrgeschossiges Haus mit Wärme und Warmwasser versorgt –, werden nicht nur bestaunt, sondern offensichtlich auch genutzt. Die solare Wärmeabdeckung bis 70 Prozent ist möglich, unter speziellen Bedingungen sogar noch mehr. So ist dann mit einigen Raummetern Scheitholz beziehungsweise mit 16- bis 18-maligem Einheizen im Jahr ein geräumiges Einfamilienhaus, was die Wärmeversorgung betrifft, praxisreif.

Kosten tragbar

Jenni, der auch österreichische KWB-Heizkessel vertritt, Andreas Schuster als Veranstalter des Büchlberger Energiegipfels und als Gebäudetechniker, Solararchitekt Georg Dasch und Martin Zerta von Ludwig Bölkow-Systemtechnik München gehen auch auf die Kosten ein. Ab einer Investition von 40.000 Schweizer Franken, das sind rund 24.000 Euro, ist man im Jenni-Haus bei dann minimalen Betriebskosten umweltfreundlichst in der Oberliga dabei.

Heikles wird nicht ausgeklammert. Der Wärmepumpe wird Effizienz bestätigt, denn mit einer Kilowattstunde (kWh) werden drei bis vier kWh Wärme "als saubere Sach" geliefert, doch Strom ist insbesonders unter deutschen Bedingungen teuer und keineswegs sauber. Bei einer Gegenüberstellung von Photovoltaik (PV)- und Thermosolarenergie (TH) bilanziert PV trotz derzeit hoher PV-Förderung nur mit einer Rendite von neun Prozent, für TH liegt sie bei 17 Prozent. Stark steigende Ölpreise würden dieses Verhältnis noch deutlich zugunsten thermischer Solaranlagen verschieben.

Klar wurde auch auf dem Büchlberger Energiegipfel, dass die Rolle von Wasserstoff als speicherbarer Energieträger weiter in den Kinderschuhen steckt. Frühestens 2015 dürften erste Geräte für den Haushalt auf den Markt kommen. F.H.

10.03.2008