"Hochqualitative Lebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft und kleinere Betriebsgrößen müssen im agrarischen Welthandel anerkannt und in der europäischen Politik berücksichtigt werden. Daher werden wir uns auf EU-Ebene für entsprechende Rahmenbedingungen einsetzen", so Berlakovich. Unterstützende EU-Regelungen seien für die österreichische Landwirtschaft unabdingbar, eine Liberalisierung und Wettbewerbsorientierung im Agrarsystem ohne die Berücksichtung von sensiblen Bereichen oder benachteiligten Gebieten werde von ihm abgelehnt, unterstrich der Minister. "Wir brauchen auch in Zukunft beide Säulen der EU-Agrarpolitik - Direktzahlungen und Ländliche Entwicklung - und ein faires und ausgewogenes Welthandelssystem", so Berlakovich.
Zu den wichtigsten aktuellen und zukünftigen globalen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft gehören eine ansteigende Weltbevölkerung mit einhergehender Urbanisierung und Anforderungen an die Versorgungssicherung sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Der Beitrag der Landwirtschaft zur Energieversorgung gehört ebenfalls zu den neuen Trends. Die Globalisierung ist vor allem für benachteiligte Regionen eine große Herausforderung.
Der Klimawandel zählt sicher zu den bedeutendsten Zukunftsproblemen für die Landwirtschaft, da er die Ackerflächen weiter limitiert, die Wasserknappheit verschärft und die Biodiversität gefährdet. Der Agrarbereich ist laut Berlakovich einerseits betroffen, kann anderseits aber auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Land- und Forstwirtschaft sei der einzige Sektor, der Kohlenstoff durch Photosynthese – auch längerfristig – in Biomasse und Boden binden kann.
Energetische Nutzung von Biomasse als Zukunftschance
Darüber hinaus zählt die energetische Nutzung von Biomasse in Österreich mit einem Anteil von zwölf Prozent am Inlandsverbrauch zu den bedeutendsten erneuerbaren Energieträgern und trägt damit maßgeblich zum Klimaschutz bei. "Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 34 Prozent unseres Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Wir wollen dieses Potenzial ausschöpfen, um so einen wesentlichen Beitrag zur Unabhängigkeit im Energiebereich und auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum zu leisten. Für die heimische Landwirtschaft kann so dieser neue Bereich der Bereitstellung von erneuerbarer Energie zu einem dritten Einkommensstandbein - neben der Lebensmittelproduktion und der Bewahrung der heimischen Kulturlandschaft - werden", so Berlakovich.
Regional unterschiedliche Produktionsweisen aufrechterhalten
Bei diesen Anliegen zeigt sich, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen bei globalen Fragen ist. Aus Sicht der Landwirtschaft ist daher ein offenes, aber auch faires und ausgewogenes Handelssystem von Bedeutung, das selbst in schwierigen Zeiten keinen Raum für protektionistische Maßnahmen früherer Prägung lässt. Aus österreichischer Sicht ist es wichtig, die Doha-Runde zu einem guten und ausgewogenen Abschluss zu führen. In den laufenden WTO-Verhandlungen wurde gerade im Bereich der Landwirtschaft bereits viel erreicht und Europa hat mit viel Engagement seinen Beitrag geleistet, wie Berlakovich laut einer Aussendung betonte. Die weitere Stärkung der Welthandelsorganisation sollte aber auch den Staaten weiterhin die Freiheit geben, auf eigene, individuelle Schwerpunkte zu setzen und in der Landwirtschaft regional unterschiedliche Produktionsweisen aufrechtzuerhalten.
Für Österreich heißt das vor allem, nach eigenem Ermessen Produktionsweisen auszubauen, die der österreichischen Bevölkerung ein Anliegen sind, wie etwa eine bewusst nachhaltige oder gar biologische Produktion. Sowohl die Bevölkerung als auch die Landwirtschaft lehnen den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut ab, da dies mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft, wie sie in Österreich vorherrscht, unvereinbar ist. "Es braucht daher ein Handelssystem, das auch die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Produktionsweisen zulässt und länderspezifische Prioritäten nicht verurteilt, sondern die Möglichkeit gewährt, diese zu fördern. Auf diese Wahlmöglichkeiten und individuellen Prioritäten der verschiedenen Länder muss Rücksicht genommen werden", so Berlakovich.










