Jungbauern-Obmann Broidl im Interview: Vertretung auf EU-Ebene wird immer wichtiger

Franz Xaver Broidl steht seit Mitte Oktober der Österreichischen Jungbauernschaft als Bundesobmann vor. Der BauernZeitung erklärt Broidl, was er von den EU-Vorschlägen für die Reform der Gemeinsamen Argrarpolitik (GAP) hält und was seine Prioritäten als Jungbauern-Chef für das Jahr 2019 sind.

Was ist Ihre oberste Priorität als Bundesobmann der Österreichischen Jungbauernschaft?
BROIDL: Oberste Priorität hat für mich die Vertretung der 50.000 Mitglieder der Organisation. Mir ist es dabei wichtig, dass die neun Landesorganisationen weiterhin ihre eigenständigen Projekte durchführen. Ich möchte unter anderem ein Bindeglied zwischen den Jungbauern in den Bundesländern und den Jungbauern auf EU-Ebene sein. Schließlich sind wir auch im Ceja vertreten, dem Europäischen Rat der Jungbauern. Die Vertretung auf EU-Ebene wird immer wichtiger, auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Europa-Wahl am 26. Mai. Von dieser Wahl hängt extrem viel für die Landwirtschaft ab, insbesondere für die GAP ab 2021.

Welche Schwerpunkte setzen Sie im Jahr 2019?
BROIDL: Einerseits möchte ich bestehende erfolgreiche Aktionen weiterführen: die Teilnahme am Vienna City Marathon, das große Erntedankfest, die Ausarbeitung des Jungbauernkalenders und den Tag der jungen Landwirtschaft. Zusätzlich werden wir den einen oder anderen Punkt ausbauen. Wir machen uns derzeit auch Gedanken, wie man den Innovationspreis, den wir alle zwei Jahre verleihen, neu ausrichten kann. Wir wollen die Kriterien abändern und den Faktor Öffentlichkeitsarbeit stärker berücksichtigen. Wir sehen, dass die Betriebe in diesem Bereich etwas hinterherhinken. Die Landwirtschaft der nicht-bäuerlichen Bevölkerung näher zu bringen, kann nur funktionieren, wenn man gezielte Marketingstrategien hat. Dieses Potenzial optimal zu nutzen ist mein Fokus im Jahr 2019.

“Jeder muss das Beste für seinen Betrieb herausholen.”

Was braucht es denn konkret, um die bäuerliche Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern?
BROIDL: Was den Bereich Öffentlichkeitsarbeit betrifft, liegt es an jedem Betrieb selbst, das Beste herauszuholen. Für mich als Winzer gilt es, meinen Wein bestmöglich anzupreisen, um ihn vermarkten zu können. Auch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten bestehen hier vielfältige Möglichkeiten und Chancen, die es zu ergreifen gilt. Zwar sind Bauernmärkte für viele Betriebe eine gute Schiene, aber damit ein Produkt wirklich gut bei den Konsumenten ankommt, braucht es zusätzliche Kampagnen, wie beispielsweise die Kampagne ‚Gut zu wissen’ von Landwirtschaftskammer und Bauernbund.

Die Produktvermarktung geschieht zum Großteil im Lebensmitteleinzelhandel. Ihre Initiativen werden sich also auf Direktvermarkter beschränken?
BROIDL: Ja, genau. Mit dem Handel ist das etwas schwieriger. In der bäuerlichen Direktvermarktung hingegen hat man noch mehr selbst in der Hand. In den verschiedenen Formen der Direktvermarktung sehe ich deshalb gute Chancen für die Zukunft.

Apropos Zukunft: Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen der Jungbauernschaft?
BROIDL: Die Zahl der 50.000 Mitglieder ist relativ stabil, wir verzeichnen in manchen Bundesländern sogar ein leichtes Plus. Wenn man bedenkt, dass immer weniger Menschen in der Land- und Forstwirtschaft tätig sind, sind das für eine Jugendorganisation jedenfalls erfreuliche Zahlen. Allerdings entwickelt sich das regional sehr unterschiedlich. In Kärnten und Wien verzeichnen wir Rückgänge. Ein Fokus unserer Arbeit wird deshalb auf diesen Bundesländern liegen, um langfristig wieder starke und schlagkräftige Landesorganisationen zu etablieren.

Im Nationalrat sitzen 14 bäuerliche Abgeordnete, einer davon ist jünger als 40 Jahre. Wie schätzen Sie den politischen Einfluss der Jungbauernschaft ein?
BROIDL: Ein Ziel haben wir damit erreicht, denn in der vergangenen Periode hatten wir keinen Jungbauern im Parlament. Wir wollen jedoch in allen parlamentarischen Gremien vertreten sein. Neben der Europa-Wahl finden 2019 auch in Vorarlberg Landtagswahlen statt, im Burgenland, in der Steiermark und in Wien werden dann 2020 die Landtage neu gewählt. Unser Ziel ist, dass wir junge bäuerliche Abgeordnete in die Landtage und in den Bundesrat bringen. Langfristig sollen auch ein bis zwei Jungbauern im Nationalrat vertreten sein.

Für die EU-Wahl steht noch keine ÖVP-Liste fest.
BROIDL: Nein, bislang nicht. Für uns ist aber schon jetzt klar, dass der Bauernbund-Kandidat mit voller Unterstützung der Jungbauernschaft rechnen kann. Das ist wichtig, denn seit dem Wechsel von Elli Köstinger in die Bundespolitik haben wir keinen bäuerlichen Abgeordneten mehr im EU-Parlament.

Stichwort EU-Agrarpolitik: Im Kommissionsvorschlag für die GAP ab 2021 heißt es, die Mitgliedsstaaten können eine ergänzende Einkommensstützung für Junglandwirte vorsehen. Sind Sie mit der EU-Junglandewirteförderung zufrieden?
BROIDL: Wir haben mit den Top up-Zahlungen in der Ersten Säule schon sehr viel herausgeholt. Die zwei Prozent aus dem nationalen Betrag der Direktzahlungen für Junglandwirte sollten auf alle Fälle beibehalten werden. Ich bin weiters dafür, die Existenzgründungsbeihilfe zu erhöhen, um denjenigen, die erstmals in der Landwirtschaft tätig sind, einen zusätzlichen Anreiz zu bieten. Ein erhöhter Pauschalbeitrag wäre wünschenswert. Worum es uns auch geht: Mit jeder neuen GAP-Periode wird von uns Landwirten mehr Leistung abverlangt. Wenn mehr Leistung verlangt wird, dann muss diese aber auch besser bezahlt werden. Das ist ganz klar.

Setzt sich die Jungbauernschaft auch für kleinere Betriebe ein?
BROIDL: Wir haben letztes Jahr ein Positionspapier beschlossen, welches unter anderen die Forderung nach einer stärkeren Förderung der ersten Hektar enthält. Dabei bleibe ich auch. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft mit ihren multifunktionalen, bäuerlichen Familienbetrieben, wie wir sie in Österreich kennen, muss langfristig erhalten bleiben. Dafür setzen wir uns als Jungbauernschaft intensiv ein.

Strukturellen Unterschieden in den EU-Ländern will die EU-Kommission durch ein neues GAP-Umsetzungsmodell entgegenkommen: Künftig soll jedes Land einen eigenen Strategieplan erstellen. Was halten Sie von diesem System, und welche Ansprüche stellen Sie an den österreichischen Strategieplan?
BROIDL: Ich persönlich finde es schwierig, dass zukünftig 27 verschiedene Positionen formuliert werden, denn die Ideenfindung muss dennoch auf EU-Ebene unter den 27 Agrarministern stattfinden. Daher bin ich bezüglich des neuen Umsetzungsmodells gespalten. Einerseits können wir mit dem nationalen Strategieplan unsere Ziele vielleicht besser umsetzen. Andererseits wird es trotzdem ein gesamteuropäisches Konzept geben müssen.

„Ich sehe Österreich in der Pflicht, den Klimaschutz stärker in der GAP zu verankern.“

Österreich sehe ich in der Pflicht, den Bereich Klimaschutz stärker in der GAP zu verankern. Wir hatten heuer immense Probleme mit der Dürre. Finanziell versucht die heimische Agrarpolitik natürlich den Betrieben so gut es geht zu helfen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Klimawandel bereits jetzt massive Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft hat und in Zukunft noch stärker haben wird. Wir bewegen uns hier aktuell in eine Richtung, wo es irgendwann zu spät sein wird, umzukehren. Dann werden alle finanziellen Mittel nicht mehr helfen. Österreich muss hier den Stein des Anstoßes auf EU-Ebene liefern.

Auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan will mehr Klima- und Umweltschutz in die neue GAP einbinden. Sie befürworten dieses Vorhaben also?
BROIDL: Ja.

Sie sind Wein- und Ackerbauer. Was ist Ihre liebste landwirtschaftliche Tätigkeit?
BROIDL: Der Höhepunkt des Jahres ist zwar die Weinernte, meine allerliebste Tätigkeit ist aber der Rebschnitt im Winter. Für den Rebschnitt hat man von Ende November bis Anfang März Zeit, da herrscht nicht so ein enormer Zeitdruck wie bei der Lese und es lassen sich alle anderen Arbeiten auch noch optimal unterbringen. Das gefällt mir einfach.

Zur Person:
Der 30-jährige Franz Xaver Broidl absolvierte die Vino-HAK in Krems (NÖ) und arbeitete seit der Ableistung des Präsenzdienstes am elterlichen Betrieb im Kamptal (NÖ) mit. Seit 2012 führt er den Wein- und Ackerbaubetrieb, wobei der Schwerpunkt auf dem zwölf Hektar großen Weingärten liegt. Broidls politisches Engagement begann 2005 als Ortsgruppenobmann der Jungen ÖVP. 2013 folgte die Wahl zum Bezirksbauernratsobmann von Langenlois und 2015 zum Obmann-Stv. der BBK Krems. Seit 18. Oktober 2018 steht Broidl als Bundesobmann der Österreichischen Jungbauernschaft vor.

 

- Bildquellen -

  • Broidl Im Interview: BZ/Zitz
- Werbung -