Kreuzkraut – Gefahr für Perd und Rind

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobae) wurde in letzten Jahren zur gefährlichsten Giftpflanze im extensivem Grünland. Futterwiesenexperte Johann Humer informiert in diesem Beitrag über Ausbreitungsgefahren und Eindämmungsmöglichkeiten.

Bauern sollten ihre Wiesen samt Rainen auf Jakobskreuzkraut kontrollieren. Zur sicheren Bestimmung können gute Bilder an den Autor gemailt werden: johann.humer@gmail.com

Es wuchert trotz größter Trockenheit mit besenbuschigem, goldgelbem Blütenflor – oft unbemerkt – meterhoch auf ungemähten Rainen und Wegrändern. In Deutschland und in der Schweiz verseucht diese Giftpflanze bereits Wiesen in einem nie da gewesenem Tempo und Ausmaß. Die massenhafte Ausbreitung der goldgelben Giftpflanze ist inzwischen eine Bedrohung für hochwertiges Wirtschaftsgrünland. Bevor das Jakobskreuzkraut auch in Österreich Wiesen überwuchert und entwertet, gilt es, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Keine andere Pflanzenart hat ein so großes Gefährdungspotential wie die Kreuzkrautarten. Dazu zählen das bereits erwähnte Jakobsdkreuzkraut und das verwandte Wasserkreuzkraut. Diese Pflanzen sind hochgradig giftig für Tier und Mensch. Besonders gefährdet sind Pferde und Rinder sowie auch Schweine. Schafe und Ziegen vertragen die höchsten Giftmengen. Von Weidevieh sind auch hierzulande (NÖ, Vbg.) bereits tödliche Vergiftungen gemeldet worden.

Grüne Blätter und Blüten sind am giftigsten

Die gifthaltigsten Teile der Pflanzen sind die grünen Blätter der jungen Pflanzen (Blattrosetten) und die gelben Blüten. Während die Blüten aufgrund ihrer Auffälligkeit und Bitterkeit zum Teil von den Tieren gemieden werden, geht von den giftstoffreichen grünen Blättern die größere Gefahr aus – bei Aufnahme auf der Weide sowie auch mit Heu und vor allem mit Silofutter.
Die tödliche Gefahr der Kreuzkrautvergiftungen geht von leberschädigenden Toxinen aus. Vergiftungsursache ist die Überforderung der Leber bei der Entgiftung. Die Symptome einer Vergiftung sind vielfältig und oft nicht genau zuordenbar, weil sie auch zeitverzögert auftreten können. Beobachtet wurden u. a. Festliegen, Appetitlosigkeit, Milchleistungsabfall, überfüllter Pansen durch gelähmte Pansenmotorik, struppiges Fell, Trägheit, Krämpfe, Konditionsverlust, Abmagerung. Die Symptome werden meist erst im Stadium schweren Leberversagens sichtbar. In diesem Stadium ist es für eine Behandlung bereits zu spät. Die Tiere könnne wochenlang dahinsichen oder auch innerhalb weniger Tage verenden.

Quelle: Johann Humer
Auf Weiden gilt Jakobskreuzkraut als typischer Verwahrlosungsanzeiger.

Typisch für extensive Ruderalflächen

Die natürlichen Kreuzkrautstandorte sind sonnig warme, trockene, ungedüngte Flächen, Abhänge wo sich der Boden leicht erwärmt und auch andere wärmeliebende Arten wie Glatt­hafer und Labkräuter auftreten. Kreuzkraut gedeiht auf sauren Sand- aber auch auf Lehmböden mit pH-Werten um 5 und bei Niederschlägen zwischen 500 bis 2000 mm. Als Lichtkeimer braucht Jakobskreuzkraut für die Entwicklung unbedingt offene Bodenstellen. Kahle, zertretene, brache, verwahrloste, durch Bodeneingriffe verletzte Flächen bilden typische Habitate. Auf Weiden gilt Jakobskreuzkraut als typischer Verwahrlosungszeiger. Typische Verbreitungswege sind auch Böschungen entlang von Wegen, Straßen und Autobahnen.
Standorte mit erhöhtem Auftreten wurden bisher gefunden im Wald- und Mühlviertel. Im Alpenvorland und in der Buckeligen Welt treten Pflanzen vereinzelt in aufgetretenen Hutweiden und an Wegrändern auf. In trockenen, grünlandarmen Regionen findet man Jakobskreuzkraut auf Pferdekoppeln und Industriebrachen.

Düngen und früher erster Schnitt

Hemmend auf die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes wirken höhere Düngung (um 100 kg N/ha) und mehrmalige regelmäßige Mahd (drei Schnitte, wobei der erste spätestens knapp vor der ersten Blütenbildung im Juni/Juli erfolgen sollte).
Eine chemische Bekämpfung ist mit dem Herbizid Simplex möglich. Das Mittel ist gut wirksam und schadet den Gräsern nicht.
Die Spritzung wirkt nur auf benetzte Pflanzen gut. Es werden zu einem Zeitpunkt aber nie alle Pflanzen erreicht. Ein nachfolgender Wiesenumbruch samt Neuanlage – sofern erlaubt und möglich – verbessert erfahrungsgemäß die Flächenwirkung. Die beste Vorbeugung ist daher die Etablierung dichter Wiesennarben mit an den Standort angepassten Futtergräsern und regelmäßige Ausbesserungssaaten, wenn Lücken auftreten.

Bekämpfung – Mähen und nachsäen

Auf regelmäßig gemähtem Grünland hat Jakobkreuzkraut die geringsten Chancen. Zudem gilt es, Lücken in der Grasnarbe möglichst rasch mittels Nachsaat zu „reparieren“, damit sich die Samen des Kreuzkrauts nicht etablieren können. Händisches Entfernen einzelner Pflanzen durch ausreißen oder ausstechen ist nur sinnvoll, wenn auch die Pflanzenreste entsorgt werden. Auch die Wurzeln müssten entfernt werden, da sonst Austriebsgefahr besteht. Eine chmische Bekämpfung ist mit dem Mittel Simplex oder mit Wuchsstoffen möglich.
Eine Infobroschüre zum Download hat Peter Frühwirt von der LK Oberösterreich bereitgestellt: „Jakobskreuzkraut“

Autor: Johann Humer, Grünlandprofi

- Bildquellen -

  • 170713 Kreuzkraut Web: Johann Humer
  • 180627 Kreuzkraut Web: Johann Humer
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