„KuhKuss“-Erfinder ist völlig uneinsichtig

Ein eher verhaltensauffälliger Tiroler ruft via Internet dazu auf, für einen guten Zweck Kühe zu küssen. Trotz Protesten und Warnungen vor diesem „gefährlichen Unfug“, etwa auch von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, lehnt der App-Betreiber ein vorzeitiges Ende der „KuhKussChallenge“ ab.

Flatzmaul küsst Flotzmaul: Marnus Flatz hat ein sehr infantiles Verständnis von Kühen, Verantwortung und Herausforderungen.

„So eine Herausforderung ist wirklich ein gefährlicher Unfug”, erklärte Ministerin Elisabeth Köstinger prompt, als der „Challenge“-Aufruf vor zwei Wochen bekannt wurde. „Almen und Weiden sind keine Streichelzoos. Aktionen wie diese können gravierende Folgen haben. Mutterkühe schützen ihre Kälber und werden aggressiv, wenn man sich nicht richtig verhält“, warnte die Ministerin eindringlich.

App-Initiator Marnus Flatz, gebürtiger Tiroler, Rockmusiker, früherer Radiomoderator und nun Unternehmer in der Schweiz, scheinen solche Argumente nicht zu überzeugen. In einem offenen Brief an Köstinger kündigte Flatz die Weiterführung der Challenge an, „um die Freiheit der Bewohner zu schützen“.

Flatz relativiert in seinem Schreiben die Gefahren der Kuhküsserei. Gemäß dem Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit hätte es in den vergangenen zehn Jahren zwar 120.000 Alpin-Unfälle, aber nur 54 Vorfälle mit Kühen geben. „Obwohl Wandern aufgrund von Herzinfarkten und Abstürzen um ein Vielfaches gefährlicher ist, würde wohl niemand auf die Idee kommen, eine Wander-Challenge zu verbieten“, meint Flatz.
Noch sind keine Personenschäden im Zuge der KuhKussChallenge bekannt geworden. Aber ähnlich wie beim Wandern gilt auch beim Zusammentreffen mit Weidetieren: Unbedachtes Verhalten erhöht das Risiko. Und Kühe zu küssen, fällt vermutlich in eine viel gefährlichere Kategorie.

Zweifellos wird mit dem infantilen Aufruf, vorrangig über Social Media-Kanäle, auch der erst kürzlich nach einem tödlichen Zwischenfall mit einer Kuh in Tirol ausgearbeitete „Aktionsplan für sichere Almen“ konterkariert. In dessen Mittelpunkt steht neben versicherungsrechtlichen Aspekten die Aufklärung und Stärkung der Eigenverantwortung der Almbesucher. Mit zehn „Verhaltensregeln“ wird auf den richtigen Umgang mit Weidevieh verwiesen. Gleich die Regel Nr. 1 – den Kontakt zu Weidevieh meiden und sicheren Abstand zu halten – steht in klarem Gegensatz zur propagierten Freiheit, mit Kühen zu schmusen.

Flatz besteht großmäulig trotzdem darauf, Flotzmäuler küssen zu dürfen. Und legt provokant in seinem Brief an Köstinger noch eines drauf: „Um Ihr Aktionspaket ,Sichere Almen` zu unterstützen, werden wir jedoch gerne ab sofort unsere Beschreibung zur KuhKussChallenge dahingehend anpassen, dass wir jeden Teilnehmer bitten, ein Kuh-Küsschen nur mit Einverständnis des Bauern zu wagen.“

Bernhard Weber

- Bildquellen -

  • Kuhkuesser: ZVG
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