Künftig kein Schwindel mehr bei Herkunftsangaben auf Lebensmitteln

Die Abgeordneten im Umweltausschuss des Europaparlaments haben heute, Dienstag, die Weichen für ein harmonisiertes europaweites System zur Lebensmittelkennzeichnung gestellt.
Seeber.jpg © BZ/ArchivGrößer Federführend bei den Verhandlungen war der Tiroler ÖVP-Europaabgeordnete Richard Seeber. Er fungierte als Gesamtkoordinator des Umweltausschusses der EVP-Fraktion, der größten Fraktion im Europäischen Parlament. "Das Ergebnis der heutigen Abstimmung kann sich sehen lassen und ist ein voller Erfolg zum Wohle aller Konsumenten", sagte der EVP-Umweltsprecher in seiner ersten Stellungnahme. "Es ist uns heute gelungen die klare Herkunftskennzeichnung durchzusetzen - und zwar nicht nur von unverarbeiteten Lebensmitteln, sondern auch weitgehend von verarbeiteten Produkten, wie zum Beispiel Käse und Quargel", freut sich Seeber über diesen großen Erfolg. Erst kürzlich habe der Österreichische Nationalrat in einem Entschließungsantrag die Herkunftskennzeichnung gefordert. "Das Europäische Parlament zeigt heute einmal mehr, dass es die Ängste und Sorgen der Bürger sehr ernst nimmt und handelt: Wo Österreich drauf steht, muss auch Österreich drin sein", sieht Seeber die heimische Produktqualität weiterhin gesichert.

Herkunftskennzeichnung als Knackpunkt
Bei der europaweiten Lebensmittelkennzeichnung geht es laut Seeber vor allem darum, welche Angaben verpflichtend auf abgepackten Lebensmitteln stehen müssen und in welcher Form sie dargeboten werden. "Der Knackpunkt war die Herkunftskennzeichnung. Es muss in Zukunft nachweisbar sein, wo zum Beispiel ein Tier geboren, gemästet und geschlachtet wurde. Ursprungs- und Herkunftsangaben sind im Prinzip für alle Lebensmittel zu führen", streicht Seeber das positive Ergebnis der heutigen Abstimmung hervor. Imitate, etwa Käseimitat, müssten künftig als solche gekennzeichnet werden. "Analogkäse oder Schummelschinken haben in den Regalen keine Chance mehr. Irreführende Kennzeichnungen werden ab sofort verboten", unterstreicht Umweltsprecher.

Ampelkennzeichnung verhindert
Die strittige Ampelkennzeichnung, die von den Sozialdemokraten und Grünen im Vorfeld der Verhandlungen gefordert wurde, konnte sich nicht durchsetzten. "Das ist ein weiterer Meilenstein", sagt Seeber. Er hatte von Anfang an gegen diese Form der Kennzeichnung mobil gemacht, denn: "Die strittigen Angaben durch eine Ampelkennzeichnung hätten die Verbraucher nicht geschützt, sondern irregeführt." Auch die verpflichtende Kennzeichnung von Produkten durch Nährwertprofile ist gefallen. "Beim Kauf eines Produktes muss die Sicherheit sowie die richtige und schnelle Information des Konsumenten im Mittelpunkt stehen. Nährwertprofile schaffen nur zusätzliche Verwirrung und bieten außerdem keine wissenschaftliche Grundlage."

Heiße Diskussionen um die Schriftgröße
Auch über die Schriftgröße der Produktangaben wurde im Vorfeld lange und heiß diskutiert. Seeber: "Die Kommission schlug verpflichtend drei Millimeter Schrifthöhe vor. Dies ist aber oft aufgrund der Packungsgröße gar nicht möglich, auch nicht bei größeren Packungen", kritisiert Seeber diesen realitätsfremden Vorschlag der Kommission. "Zu viel an Information ist für den Konsumenten genauso wenig hilfreich wie zu wenige Angaben. Ich freue mich, dass wir hier den Weg der Mitte gefunden haben: Künftig muss schlicht die Lesbarkeit garantiert werden. Es darf nicht sein, dass Unternehmer gezwungen sind, ihre Verpackungen zu vergrößern, um ausreichend Platz für die Produktinformation zu schaffen - und somit im Gegenzug noch mehr Müll produzieren!"

Einig über Angaben zu allergenen Inhaltsstoffen
Einen breiten Konsens gab es über die verpflichtenden Angaben von allergenen Inhaltsstoffen. "Immer mehr Menschen leiden an Allergien und sind auf die richtige und sofort erkennbare Zusatzinformation angewiesen. Daher sind Angaben über allergene Zusatzstoffe für den Konsumenten wichtig und richtig", so der Umweltsprecher weiter.

Wichtig war in seinen Augen die Überarbeitung der Produktkennzeichnung, vor allem die nötige Ausgewogenheit zwischen ausreichendem Konsumentenschutz einerseits und keiner Mehrbelastung für die heimische Wirtschaft andererseits. "Uns ist heute eine konsumentenfreundliche Lebensmittelkennzeichnung gelungen, die einfach und ehrlich ist. Wir haben dabei aber auch unsere heimischen Unternehmen – vor allem unseren Klein- und Familienbetrieben – keine unnötigen Hürden in den Weg gestellt", so Seeber abschließend.


16.03.2010