NÖM-Übernahme: Milchbauern wollen Verhandlungen noch 2017 abschließen

Die durchschnittliche Anlieferungsmenge pro Lieferant hat sich 2016 erhöht. Foto: Wodicka

Die “Milchgenossenschaft Niederösterreich” (MGN) will die Verhandlungen zur kompletten Übernahme des niederösterreichischen Molkereiunternehmens NÖM noch im Laufe des Jahr 2017 abschließen. “Das ist realistisch”, sagte MGN-Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer heute (20. April) zur APA. Der NÖM-Vorstand zeigte sich bei einem Pressegespräch in Wien erfreut über das Vorhaben der MGN. Die Übernahme der Molkerei stand auch im Mittelpunkt der diesjährigen Generalversammlung der MGN. Die NÖM ist mit 318 Mio. Euro Umsatz (2016) der zweitgrößte Milchverarbeiter Österreichs.

MGN-Milchbauern wollen 100% der NÖM
Seit der Gründung der MGN im Jahr 1999 haben die niederösterreichischen Milchbauern ihren Anteil an der NÖM AG bereits sukzessive von 5,6 auf 25 Prozent (%) ausgebaut. Gelungen ist das unter anderem durch den teilweisen Verkauf von Immobilien und der Verwendung der Dividendenerträge, jedoch ohne die MGN-Bauern zu belasten. Nun will man den nächsten Schritt setzen und von der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien auch die restlichen 75 % übernehmen. Dazu wurde im Vorstand und Aufsichtsrat ein Beschluss gefasst wie auch ein offizielles Ansuchen gestellt, berichtete Obmann Johann Krendl bei der Generalversammlung.
“Auf Dauer kann es nur diesen einen Weg geben, um unsere Milchabnahme langfristig zu sichern”, ist der Obmann überzeugt. Dass dieser Schritt viel Kapital erfordere, liege auf der Hand. “Dies ist aber für die Zukunft der Milchproduktion in unserer Genossenschaft von enormer Bedeutung. Besonders in einem Jahr wie 2016, in dem es mehr Milch am Markt gab als gebraucht wurde, war es wichtig, eine Abnahmegarantie zu haben”, so Krendl.
Der Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, Präsident Erwin Hameseder, signalisierte
Gesprächsbereitschaft über einen Verkauf der NÖM-Anteile an die MGN. “Bereits vor 20
Jahren, als Raiffeisen NÖ-Wien bei dieser Molkerei eingestiegen ist, waren wir der Meinung, dass wir unseren Job dann gut gemacht haben, wenn die Anteile irgendwann wieder bei der
Genossenschaft sind”, sagte Hameseder. Auch wenn es ein klares Bekenntnis der Eigentümer zum Beteiligungsportfolio und damit auch zur NÖM AG gebe, könne dieses Unternehmen über kurz oder lang zurück in bäuerliche Hände gegeben werden, so der Obmann.
Um den Kauf der restlichen 75 % vom Haupteigentümer Raiffeisen-Holding NÖ-Wien zu
finanzieren, soll – so der Plan – der Genossenschaftsanteil der MGN-Milchbauern über acht Jahre jedes Jahr geringfügig erhöht werden. Auch die NÖM-Dividenden sollen in den kommenden Jahren zur Finanzierung der Übernahme verwendet werden, sagte der MGN-Geschäftsführer laut APA.

Milchanlieferung gestiegen
Die Milchanlieferung an die MGN ist 2016 trotz des Rückgangs der Lieferantenzahl auf 3.180 (-3,7 %) auf 393 Mio. kg (+2,6 %) angestiegen. Damit hat sich die durchschnittliche
Anlieferungsmenge pro Lieferant auf 123.464 kg (plus 7.520 kg) erhöht. Im Bereich der Biomilch wurden im Jahr 2016 rund 40 Mio. kg von der MGN übernommen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um 8,4%.

Eine große Herausforderung seien die enormen Unterschiede bei den Anlieferungsmengen, räumte MGN-Geschäftsführer Gruber-Doberer ein. Knapp die Hälfte der Milch komme von Betrieben, die mehr als 200.000 kg jährlich produzieren; das seien aber nur etwa 17 % der MGN-Bauern. 60 % der Lieferanten lieferten weniger als 100.000 kg Rohmilch im Jahr. Obmann Krendl wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Qualität der angelieferten Rohmilch erneut gesteigert werden konnte – 99,5 % entsprechen bereits der höchsten Qualitätsstufe.

AIZ

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