Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen könnte bald ein Ende haben

Das EU-Parlament konnte keine qualifzierte Mehrheit gegen das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen erreichen. Somit könnte das Verbot bereits ab 2018 gelten.

Mit dem Verbot von Pflanzenschutzmittel auf ökologischen Vorrangflächen würde der Anbau von Eiweißpflanzen wie beispielsweise Bohnen unmöglich, so EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger.

Das EU-Parlament stimmte heute, 14. Juni, über das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen beim Eiweißpflanzenanbau ab. Dabei verfehlten die Abgeordneten nur knapp die für ein Veto gegen das Verbot notwendige qualifizierte Mehrheit. Konkret stimmten zwar mehr Abgeordnete gegen das Verbot, als dafür (367 Stimmen dagegen, 363 dafür, bei 43 Enthaltungen), ohne qualifizierte Mehrheit gilt der Kommissions-Vorschlag aber als angenommen. Die EU-Kommission hatte im Zuge der Vereinfachung des Greenings u. a. vorgeschlagen, Pflanzenschutzmittel auf ökologischen Vorrangflächen zu verbieten.

Der EU-Agrarausschuss hatte zuletzt noch eine Fristverlängerung erreicht und sich mehrheitlich für ein Veto ausgesprochen. Mit der heutigen Entscheidung sind die Möglichkeiten des Parlaments aber erschöpft. Lediglich die EU-Agrarminister haben noch die Chance, sich gegen das Verbot zu stemmen. Dort ist man dem Vernehmen nach aber weit entfernt von einer einheitlichen Meinung. Richtet auch der EU-Agrarrat nichts gegen den Vorschlag aus, wird das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen mit 2018 in Kraft treten.

ÖVP-Agrarsprecherin im EU-Parlament, Elisabeth Köstinger, kritisiert das Ergebnis scharf. Köstinger: „Mit dem Verbot von Pflanzenschutzmittel auf sogenannten ökologischen Vorrangflächen wird der enorm wichtige Anbau von Eiweißpflanzen wie Sojabohnen, Bohnen, Erbsen und Linsen unmöglich.“

Die Maßnahmen hätten auch massive Auswirkungen auf die Umwelt, betont Köstinger und erklärt: „Mehr als 70 Prozent des Bedarfs an Eiweißerzeugnissen werden derzeit in die EU importiert. Die völlige Abhängigkeit von Brasilien und anderen Exportländern kann nicht das Ziel sein, weder wirtschaftlich noch umweltpolitisch.“

Kommt das Verbot von Pflanzenschutzmittel auf den Bohnenfeldern müsste die EU künftig noch um 1,2 Mio. Tonnen mehr Eiweißpflanzen importieren. „Allein der Transport aus Übersee würde jedes Jahr zehntausende zusätzliche Lkw-Transporte und 17 volle Frachtschiffe über den Atlantik bedeuten. Mindestens 22,5 Mio. Liter Lkw-Diesel und weit mehr als 22 Mio. Liter Schweröl würden völlig unsinnig verheizt – ein Albtraum für den Umweltschutz”, betont die EU-Abgeordnete.

 

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  • Ackerbohne Bluete 11 ID77208: © Agrarfoto.com
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