“Manche gehen jagen, andere haben ein Schiff, und ich lebe und sterbe für die Almwirtschaft“, das bekennt Johann Schilcher (57), seines Zeichens bereits seit 18 Jahren Obmann der Agrargemeinschaft Lainacher Alpe, die im oberen Mölltal in Kärnten für die Lainacher Kuhalm verantwortlich ist. Im Brotberuf ist Schilcher Maschinenbauer, in seiner Freizeit widmet er sich jedoch mit Leib und Seele der Alpe. Ihm und seinem engagierten Team ist es auch zu verdanken, dass die Lainacher Kuhalm heute ein wahres Schmuckstück darstellt, das von vielen Bergfreunden – klein wie groß – immer wieder gerne aufgesucht wird.

Sogar ein tüchtiger Senner kann finanziert werden

Ursprünglich mit Galtvieh, also trocken stehenden Rindern, beweidet, werden auf der Lainacher Kuhalm seit dem Jahr 1962 Milchkühe aufgetrieben. Die ermolkene Milch wurde über Jahrzehnte morgens und abends mit der Seilbahn zur Molkerei ins Tal gebracht. Ein großer Aufwand, der sich in jüngerer Vergangenheit als zunehmend unrentabel erwies. Schilcher: „Eine gute Seele hat mir vor Jahren eingeflüstert: Hans, Du musst die Milch auch auf der Alm verarbeiten!“ Gedacht, getan – im Jahr 2012 konnte eine neu errichtete Almsennerei eingeweiht werden. Schilcher: „Ohne die Sennerei wäre unsere Alm gestorben. Milchgeld und Alpungsprämie hätten uns nicht gerettet.“ Durch die Käserei und die Vermarktung kann die Almgemeinschaft nun aber die Almwirtschaft erhalten. Zudem kann in Gestalt von Christof Plankl auch ein tüchtiger Senner finanziert werden. Christofs Partnerin, Birgit Kaufmann, lebt die Saison über ebenfalls auf der Alm und managt insbesondere die Ausschank und kümmert sich um die beiden Kinder Lena und Elias. „Christof und Birgit sind das Herzstück unserer Alm, so engagierte Leute findet man selten“, betont der Obmann. Die junge Familie ist von Anfang Juni bis Ende August auf der Alm, die restliche Zeit über lebt sie in Vorarlberg. Weiters haben auf der
Lainacher Kuhalm auch Praktikanten aus mittleren und höheren landwirtschaftlichen Schulen die Möglichkeit, mitzuarbeiten und ihr Wissen und Können in puncto Almwirtschaft zu festigen.

Die Agrargemeinschaft Lainacher Alpe zählt insgesamt 39 Mitglieder. Acht davon treiben ihre Tiere auf die Alm auf. Zusätzlich gibt es drei „Aufzinser“, die gegen Zahlung eines Zinses ihr Vieh dort weiden lassen. Auf der Niederalm, die bis 1400 Meter Seehöhe reicht, grasen 25 Milchkühe. Dort steht auch die Sennerei. Schafe und Galtvieh grasen auf der Hochalm, die bis 2400 Meter Höhe reicht. In Summe stehen jährlich zwischen 70 und 80 Großvieheinheiten auf 131 Hektar Futterfläche. Obmann Schilcher: „Unsere Bauern sind zu 99 Prozent im Nebenerwerb. Sie sind froh, ihre Tiere im Sommer gut versorgt zu wissen. Das ist eine wichtige Entlastung.“ Zusätzlicher Vorteil der Almwirtschaft ist die hervorragende Qualität der Fleisch- und Milchprodukte.

Kasermandl in Gold und Kärntner Genusskrone

So ist es kein Wunder, dass der Bergkäse von der Lainacher Kuhalpe bereits mehrfach prämiert wurde – beispielsweise mit dem Kasermandl in Gold 2017 in Wieselburg und mit der Kärntner Genusskrone 2016/17 und 2018/19. Insgesamt verarbeitet das Sennerpaar pro Jahr 30.000 Liter Rohmilch. Knapp ein Drittel des Käses wird direkt auf der Alm abgesetzt – vor allem bei der Jause sowie im ersten Genussland Kärnten-Verkaufsladen. Zudem ist der Almkäse im Bauernladen Walter in Obervellach das ganze Jahr über erhältlich. Joghurt, Almbutter und Molkegetränke gibt es zudem täglich frisch auf der Alpe zu verkosten – und das bei traumhaftem Ausblick. Bei der Genussplatzwahl der Kleinen Zeitung im Vorjahr gab es dafür die Bronzemedaille.

Sanfter Tourismus, der im Rahmen bleibt

Wertvolle Unterstützung erfährt das engagierte Team der Lainacher Kuhalm durch den Kärntner Almwirtschaftsverein, die Landwirtschaftskammer und die Landesregierung. Schilcher: „Uns ist es wichtig, möglichst vielen Menschen die Wertigkeit der Alm- und Viehwirtschaft zu vermitteln.“ Damit es zu Angeboten wie Sennereiführung oder Schule auf der Alm auch wirklich alle auf die Alpe schaffen, existiert neben dem 1,5-Stunden-Wanderweg von Bad Lainach bei Bedarf auch ein traktorgezogener Bummelzug, den Kindergarten- und Seniorengruppen gerne nutzen.
Schilcher: „Wir haben durchwegs positive Rückmeldungen. Seit wir die Käserei führen, freuen wir uns über den steigenden Zuspruch, speziell zum Almfrühstück.“ Er selbst bevorzugt allerdings Bier und Käsebrot zur Abendjause. Auch über den weiteren Ausbau des Angebots macht er sich gemeinsam mit der Bewirtschafterfamilie Gedanken. Eines steht aber fest: „Die Lainacher Kuhalm soll eine typische Almwirtschaft bleiben. Wir wollen einen sanften Tourismus“, unterstreicht Johann Schilcher.

Vielfältiges Angebot

Ihren Gästen bietet die Lainacher Kuhalm ein vielfältiges Erlebnisprogramm. So können Interessierte bei einer Sennereiführung die Käseherstellung kennenlernen und sich Gusto auf die anschließende Verkostung holen. Sehr beliebt ist auch das Angebot „Schule auf der Alm“, eine Spezialform des LFI-Projekts „Schule am Bauernhof“, das im Programm Ländliche Entwicklung gefördert wird. Bis zu 25 Kinder gleichzeitig können dabei Wissenswertes rund um die Alm als Lebens-, Natur- und Wirtschaftsraum erfahren und sogar dort übernachten. Naturgefahrenschutz, Biodiversität und Weidehaltung stehen ebenso im Mittelpunkt wie die Lebensmittelproduktion. Großen Spaß haben die Kinder auch bei der Butterherstellung in alten Rührkübeln. Höhepunkt im Almjahr ist außerdem die jährliche Almmesse mit Frühschoppen und Käseanschnitt.

Claudia Jung-Leithner, LK Österreich

 

- Bildquellen -

  • Almreportage: © Genussland Kärnten/Der Photograph
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