Sicher auf Hängen unterwegs

Zweiachsmäher werden überwiegend im steilen Gelände eingesetzt. Dementsprechend groß sind die Sicherheitsanforderungen an Fahrer und Maschinen.

Ein steilerer Hang ist gerade an der am wenigsten geneigten Stelle hinunterzufahren und nicht quer. ©Reform
Ein steilerer Hang ist gerade an der am wenigsten geneigten Stelle hinunterzufahren und nicht quer. ©Reform
Gesetzliche Vorgaben zur sicherheitstechnischen Konstruktion des Zweiachsmähers werden in der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG sowie in den Normen DIN EN ISO 26322-1 und DIN EN ISO 5700 gemacht.

Unfallsituation mit Zweiachsmähern

Mit den Maschinen verunglücken vorwiegend die Betriebsführer selbst, gefolgt von Elternteilen und Kindern der Betriebsführer. Die Unfälle ereignen sich zum Großteil auf Grundstücken, im Hofbereich, auf Straßen und im Wald bei Mäharbeiten, Dünge- und Erntearbeiten, beim Auf- und Absteigen, An- und Abhängen, Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie beim Fahren mit der Maschine.
Die häufigsten Verletzungsarten bei Unfällen mit den Zweiachsmähern sind Mehrfachverletzungen, Frakturen, Prellungen und Wunden. Von den Verletzungen sind oft mehrere Körperteile sowie die unteren Extremitäten betroffen.
Die Unfallursachen sind überwiegend menschenbedingt sowie auch teils maschinenbedingt (Stolpern, offene Kabinentür, Kreislaufschwäche, Fahrfehler, Hängenbleiben am Pedal, Gang sprang rein, Bremse nicht angezogen, Bremse nicht gegriffen) und umweltbedingt (Eisplatte, Abrutschen).
Die typischen Unfallhergänge stellen das Erfasstwerden von der Maschine sowie der Absturz mit der Maschine dar.

Durch die Maschine erfasst werden

Durch nicht funktionierende Feststellbremsen bei Ernte- und Reparaturarbeiten werden Personen oft von der Maschine erfasst. Weitere Gründe sind das Nichtanziehen der Feststellbremse durch Vergessen bei Mäharbeiten und unabsichtliches Einlegen des Fahrganges bei Wartungsarbeiten.
Um ein Wegrollen des Fahrzeugs ohne Fahrer zu vermeiden, ist das Fahrzeug beim Verlassen grundsätzlich gegen unbeabsichtigtes Wegrollen und unbefugtes Benutzen zu sichern. Der Motor ist abzustellen, die Handbremse anzuziehen, der Schlüssel abzuziehen und ein Unterlegkeil vorzulegen, denn Fahrzeuge dürfen niemals ungebremst auf einer geneigten Fläche in Falllinie abgestellt werden. Zudem sind sie am Hang immer in Schichtenlinie, quer zum Hang, zu parken. Die Lenkung ist dabei hang- aufwärts einzuschlagen.
Die Erfahrung im richtigen Bewegen von Fahrzeugen entsteht nicht nur aus jahrelanger Fahrpraxis, sondern sie kann auch trainiert werden. Fahrsicherheits- und Risikotrainings mit agrarischen Fahrzeugen sind eine Möglichkeit, um im sicheren Umfeld die Gefahrensituationen kennenzulernen. Fahrsicherheitstrainings sind in die Führerscheinausbildung verpflichtend zu integrieren. Am wirksamsten wäre, die Fahrsicherheitstrainings mit den eigenen Fahrzeugen zu besuchen, weil jeder Fahrzeugtyp anders in verschiedenen Gefahrensituationen reagiert. Beim Fehlen dieser Möglichkeit ist das Training mit einem Fahrzeug zu machen, das dem eigenen am ähnlichsten ist. Die Fahrzeuge sind mit Anbaugeräten und Anhängern auszurüsten, die in der Größe aufeinander abgestimmt sind. Zusätzlich zum Training auf befestigten Asphaltflächen sind Trainingseinheiten auf Feldern und Wiesen, bevorzugt in steilem Gelände, zu machen. Die Unterweisung zur Ladungssicherung und zum persönlichen Unfallschutz sind weitere wichtige Inhalte der Aus- und Weiterbildung.

Überschlagen und Kippen als Unfallursache

Zum Absturz mit der Maschine kommt es durch Abrutschen bei Düngearbeiten und Fahrfehlern während der Straßenfahrt oder auch bei Mäharbeiten.
Der Überrollschutz ROPS (Roll Over Protective Structure) kann in Form von versteiften Kabinen oder einfachen Überrollbögen ausgeführt sein. Eine Kabine schützt dabei besser als ein Zwei-Säulen-Überrollbügel.
Sicherheitsaufbauten, die die ROPS-Anforderungen erfüllen, sind am effektivsten, wenn sie in Kombination mit einem Sicherheitsgurt verwendet werden, der den Fahrer innerhalb der Sicherheitszone des Überrollschutzes hält. In Ländern, in denen bereits der Großteil der Maschinen mit Kabinen ausgerüstet ist, ist die Gurt-Anschnall-Rate leider sehr gering. Das Tragen eines Gurtes stört viele Landwirte beim gewohnten Arbeitsablauf, weil dieser bei mehrmaligem Auf- und Absteigen ständig an- und abgenommen werden muss. Nicht angegurtete Personen werden bei einem Unfall aber eher aus der Sicherheitszone der Kabine geschleudert und können unter dem Fahrzeug erdrückt werden. Um die Fahrer zu motivieren, Sicherheitsgurte zu tragen, müssen diese komfortabel ausgerüstet und so gestaltet sein, dass diese leicht angelegt und abgenommen werden können. Mit Sensoren kann gewarnt werden, wenn der Gurt nicht eingehängt ist. Studien belegen, dass auch ein Sicherheitsaufbau gemeinsam mit einem Sicherheitsgurt nicht verletzungsfreie Überschläge nicht garantiert. Bei mehrmaligem Überschlag ist die Gefahr sehr groß, innerhalb der Schutzaufbauten erdrückt zu werden.
Bodenzustand, Tragfähigkeit und Gefüge sind immer vor dem Befahren eines Feldes oder einer Wiese zu beurteilen. Es sind keine unbekannten Stellen zu befahren, bei denen die Gefährlichkeit nicht sicher eingeschätzt werden kann. Auf die Beschaffenheit des Geländes kann wenig Einfluss genommen werden, in einigen Bereichen sind jedoch Verbesserungen möglich, zum Beispiel durch die Instandhaltung von Straßenbelägen sowie Ein- und Ausfahrtswegen.
Den Untergrund, auf dem sich Fahrzeuge bewegen, schätzen Bediener oft falsch ein. Bei zu feuchten Böden rutschen Zweiachsmäher ab und überschlagen sich. Ein neuerer präventiver Ansatz besteht im Ausrüsten von Maschinen mit Fahrerassistenzsystemen, die die Fahrdynamik beeinflussen und bei der Straßenfahrt gefährliche Situationen vermeiden. Sensorsysteme, welche darauf ausgerichtet sind, Verdichtungsrisiken während des Befahrens zu erkennen und die Belastungssituation durch Veränderung der Beladung oder den Reifendruck an die jeweils bestehende Tragfähigkeit und Nachgiebigkeit des Bodens anzupassen, existieren bereits. Mit der Verfügbarkeit von feldtauglichen Ultraschall- und Lasermesstechniken für die Spurtiefe und die dynamische Reifenverformung sind die technischen Voraussetzungen für den Befahrbarkeitssensor gegeben. Es existieren auch sensorische Einrichtungen, mit deren Hilfe Fahrer auf einem Display informiert werden, wenn eine mögliche Instabilität auftritt. Das Gerät ist hier mit Sensoren ausgestattet, um die dynamischen Eigenschaften der Maschine zu erkennen und durch ein softwarebasiertes vorausschauendes mathematisches Modell das Risiko zu berechnen.
Zur Gewährleistung der Hangstabilität entwickelte ein Unternehmen ein Fahrwerkskonzept, bei dem der zweiteilige Zentralrahmen mit einem mittigen Drehgelenk gekoppelt ist und eine echte Vierpunktauflage ermöglicht. Es können gleichzeitig eine niedrige Bauhöhe und eine tiefe Schwerpunktlage erzielt werden. Die beiden angetriebenen und lenkbaren Achsen sind fest in die Rahmenhälften integriert und mit vier gleich großen Rädern bestückt. Diese Konstruktion erlaubt die direkte Befestigung von achsgeführten Anbaugeräten sowohl im Front- als auch im Heckbereich.
Die Neigung der Felder und Wiesen sowie deren Befahrbarkeit spielen häufig unfallkausale Rollen. Es gibt bereits Systeme, die den Winkel zwischen Boden und Fahrzeug berechnen und mithilfe eines Warntons den Fahrer auf die Gefahr aufmerksam machen. Ein Mikroprozessor unter Einbeziehung eines Neigungsmessers wird verwendet, um die statische Stabilität zu berechnen. Die Belastung der Räder kann auch berechnet werden. Aus diesen Parametern wird die statische Steigungsgrenze des Fahrzeugs genau ermittelt.
In Südtirol wurde eine elektronische Kippwarnhilfe entwickelt, die durch kontinuierliches Überwachen und Anzeigen der drohenden Gefahren, die sich aus der Gegenüberstellung von Bodeneigenschaften und Fahrweise des Bedieners ableiten, Unfälle verhindert. Das System umfasst Sensoren, GPS und eine Schaltzentrale mit Mikroprozessor. Anhand eines Algorithmus ist es in der Lage, die erhaltenen Signale und spezifischen Angaben zum Fahrzeug und zu den in seine Datenbank eingegebenen Geräten nach der Installation und Aktivierung auszuarbeiten. Ein großes, farbiges Display liefert dem Fahrer ununterbrochen klare und leicht verständliche Informationen zu den Gefahren.
Auch der Einsatz von leistungsverzweigten Getrieben (bestehend aus einem hydrostatischen und einem mechanischen Teil) bei selbstfahrenden Fahrzeugen und Maschinen erhöht die Fahrsicherheit in schwierigen Lagen, da zum Beispiel im steilen Gelände Kupplungs- und Schaltvorgänge, aufgrund der automatisierten Regelvorgänge in solchen Fahrgetrieben nicht mehr vom Fahrer durchgeführt werden müssen. In Kombination mit einem Sitzkontaktschalter (OPC – Operator Present Control), welcher die Anwesenheit des Bedieners am Fahrersitz kontrolliert, besteht die Möglichkeit, das Fahrzeug bei Nichtbesetzung des Fahrersitzes mithilfe des automatisierten Getriebes zum Stillstand zu bringen.

Zweiachsmäher: Die wichtigsten Sicherheitsregeln

Die Grundanforderungen zur Unfallprävention mit Zweiachsmähern bestehen aus einfachen Verhaltensregeln, die zu befolgen sind. Sicherheitsgurte und Fahrerrückhaltesysteme sind zu verwenden, die Ballastierung des Fahrzeugs ist auf die Anbaugeräte sowie Beladung abzustimmen, die Geschwindigkeit muss zu den Umständen passen und alle zugelassenen gesetzlichen Höchstlasten sind einzuhalten. Es gilt, immer bei Hangfahrten, wenn möglich, in Falllinie bergauf oder bergab zu fahren. Das heißt, der Berg ist immer gerade, an der am wenigsten geneigten Stelle hinunterzufahren, und nicht quer. Wendemanöver am Hang sind zu vermeiden, und zu steiles, zu rutschiges oder nicht tragfähiges Gelände darf nicht befahren werden.

Assoc. Prof. Dr. Elisabeth Quendler, Dipl.-Ing. Katharina Trieb und Dr. Robert Kogler
Universität für Bodenkultur

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