Sommergetreide – passende Sorten für 2016

Diese Woche gibt die BauernZeitung einen Überblick über das aktuelle Sortenangebot bei Braugerste, Futtergerste, Sommerdurum, Sommerweizen und Hafer. Sonnenblume, Sojabohne, Mais und Ölkürbis folgen.

Dank optimaler Bestelltechnik und genügender Bodenfeuchte wird die Sommergerste rasch auflaufen. ©Oberforster
Dank optimaler Bestelltechnik und genügender Bodenfeuchte wird die Sommergerste rasch auflaufen. ©Oberforster
Die pflanzenbaulichen Voraussetzungen für den Anbau von Sommergetreide sind teilweise günstig. Im Herbst wurde die Bodenstruktur kaum geschädigt und der ab Oktober gefallene Regen konnte fast gänzlich gespeichert werden. Bei Temperaturen von -5 bis -9 °C der letzten Tage sind die meisten Winterbegrünungen abgestorben. Für Ostösterreich ist zu hoffen, dass der Jänner und Februar mehr Niederschläge bringen als der Dezember. Denn hier ist die Winterfeuchte vielfach noch zu gering.

Nicht zu dick säen

Unterschiedliche Entwicklung bei Sommergerste: Aus 2 bis 3 cm tief abgelegten Körnern entstanden vitale Pflanzen (im Bild links), zu tiefe Kornablage schwächt die Pflanzen (im Bild rechts). ©Oberforster
Unterschiedliche Entwicklung bei Sommergerste: Aus 2 bis 3 cm tief abgelegten Körnern entstanden vitale Pflanzen (im Bild links), zu tiefe Kornablage schwächt die Pflanzen (im Bild rechts). ©Oberforster
Bei zeitigem Anbau der Sommergerste, günstigen Keimbedingungen und triebkräftigem Saatgut genügen 280 bis 330 keimfähige Körner/m2. Je nach Tausendkorngewicht entspricht dies einer Saatmenge von 120 bis 160 kg/ha. Bei spätem Anbau oder voraussichtlich reduziertem Feldaufgang ist eine Anhebung auf 350 bis 420 Körner/m2 oder 160 bis 210 kg/ha ratsam. Bei Durumweizen reichen zumeist 300 bis 400 keimfähige Körner/m2 bzw. 150 bis 210 kg/ha. Für Sommerweizen und bespelzten Hafer sind 330 bis 400 Körner/m2 mehrheitlich richtig. Das bedeutet 120 bis 170 kg/ha bei Sommerweizen und 100 bis 150 kg/ha bei Hafer. Bei Biogetreide sollte die Saatnorm wegen der beim Striegeln auftretenden Pflanzenverluste nicht zu niedrig sein. Optimal ist eine Sätiefe von zwei bis drei Zentimetern bzw. bei trockenen Verhältnissen auch vier Zentimetern. Gelangen bei mangelhafter Saatbettbereitung Körner fünf bis sechs Zentimeter tief in den Boden, laufen die Pflanzen oft verfärbt und geschwächt auf.Die österreichischen Mälzer möchten den Hauptteil ihres Bedarfs mit heimischer Braugerste abdecken. Erwünscht sind große Mengen von wenigen Sorten mit akzeptabler bis sehr guter Malzqualität. Dabei sollte die Gerste einen Vollkornanteil (Siebfraktion über 2,5 mm) von mindestens 90 %, einen Proteingehalt von 9,5 bis 11 % und eine hohe Keimenergie aufweisen. Für die Bierbrauer sind spezifische Eigenschaften, wie z. B. niedrige Beta-Glucanwerte, eine helle Kochfarbe der Würze und eine rasche Filtrierbarkeit wesentlich. Für die Landwirte ist wichtig, dass sie leistungsfähige Neuzüchtungen alsbald einsetzen können. Im Braugerstenkomitee wird versucht, zwischen den teilweise divergierenden Interessen von Züchtern, Saatgutfirmen, Landwirten, dem Agrarhandel und der Verarbeitungswirtschaft einen Konsens zu finden.

Etablierte Braugersten

Das Nordöstliche Flach- und Hügelland sowie das Waldviertel sind die wichtigsten Anbauregionen für Braugerste in Österreich. Kleinere Produktionen gibt es im Alpenvorland, im Mühlviertel, am Alpenostrand und im Kärntner Becken. Da die Mälzer möglichst homogene Partien verlangen, wird an den Übernahmestellen stets nur ein eingeschränktes Sortiment aufgekauft.Britney ist kurzstrohig, standfest (Note 3) und an die Bedingungen in Ostösterreich gut angepasst. Salome (Lagerung 3) ist für Böden mit mittlerer und guter Wasserspeicherkraft vorgesehen und ziemlich blattgesund. Die mittelfrüh reifende KWS Thessa (Lagerung 5) gelangt im Weinviertel letztmalig zur Aussaat. Fabiola (Lagerung 4) hat sich im Pannonikum und Waldviertel als zuverlässig und ertragsstark erwiesen. Die auch in der Totreife noch gute Strohstabilität ist bei verzögerter Ernte vorteilhaft. Seit 2014 ist Cerbinetta (Lagerung 4) die führende Braugerste Ostösterreichs. Cerbinetta und Salome sind Bestandesdichtetypen, auf besseren Böden sind 700 bis 850 Ähren/m2 anzustreben. Solist kombiniert eine mittlere Standfestigkeit (Note 5) mit entsprechender Kornausbildung und günstiger Malzqualität. Die hoch sortierende Zarasa (Lagerung 4) erzielte ihre besten Leistungen im Waldviertel, wird aber auch in Teilen des Weinviertels angebaut.Bevor eine Braugerstensorte umfangreicher auf den Markt kommt, erfolgt auch eine großtechnische Prüfung der Mälzungs- und Braueignung mit einigen Hundert Tonnen Gerste. Derzeit befinden sich Rusalka und KWS Amadora in dieser Testphase. Über eine mögliche Empfehlung wird in der nächsten Sitzung des Braugerstenkomitees am 19. Jänner entschieden.Rusalka (Lagerung 4) hat in der pannonischen Region ertraglich und qualitativ gut entsprochen, die Witterung und Böden des Waldviertels haben ihr weniger zugesagt. Aufgrund der Empfindlichkeit für Halm- und Ährenknicken sollte sie in der Totreife nicht lange am Feld verbleiben. Die kurzhalmige und mittelgut standfeste KWS Amadora hat in Ostösterreich und Waldviertel überzeugt. Im Osten kann sich allerdings ihre Anfälligkeit für Zwergrost (Note 9) negativ auswirken.

Mehr Stickstoff?

Da das Gerstenprotein zahlreiche Mälzungs- und Braueigenschaften beeinflusst, sollte sich dies auf die N-Düngestrategie auswirken. Bei sehr eiweißarmer Gerste leiden das Hefewachstum sowie Schaumstabilität und Vollmundigkeit des Biers. Zuviel Eiweiß verringert die Malzmürbigkeit, reduziert die Extraktausbeute und erschwert die Filtration. Bei den meisten Aufkäufern soll die Gerste zwischen 9,5 und 11,0 % Protein aufweisen. Chargen von deutlich unter 9 % Protein scheiden für Brauzwecke überwiegend aus. Zwischen 11,1 und 12,0 % werden Abzüge verrechnet, ab 12,1 % wird normalerweise nur mehr der Futtergerstenpreis erlöst. In der Bestockungs- und Schossphase benötigt die Braugerste ausreichend Stickstoff zur Bildung von Ertragsanlagen. Kommt es in dieser Zeit zu einem Mangel, kann der Bestand mitunter 5 bis 10 dt/ha einbüßen. Nach dem Ährenschieben soll sich das N-Angebot verknappen, damit die Körner nicht zu viel Protein einlagern. In der landwirtschaftlichen Praxis erhält die Sommerbraugerste meist 40 bis 70 kg N/ha vor bis kurz nach der Saat. Allerdings zeigen die Daten, dass eine zweite N-Gabe bei günstigen Wuchsbedingungen, höherer Ertragserwartung oder geringerer N-Nachlieferung häufig wirtschaftlich ist. Zudem sind Sorten wie Britney, Cerbinetta, Fabiola, KWS Thessa, Salome, Solist und Zarasa um 0,3 bis 1,5 % proteinärmer als die in den 1990er-Jahren gebräuchlichen Braugersten Maresi und Viva 1. Von 2011 bis 2013 (25 Versuche) leistete eine zusätzliche N-Gabe von 30 kg/ha durchschnittlich +5,8 bis +6,1 dt/ha. In den Jahren 2009, 2010, 2014 und 2015 waren die Ertragseffekte geringer. Durch die zusätzliche N-Gabe erhöhte sich der Proteingehalt im Mittel um 0,5 bis 0,7 %. Beim Anbau neuer proteinarmer Sorten ist eine Strategie mit zwei Stickstoffgaben und insgesamt etwa 70 bis 85 kg N/ha öfter richtig. Die Schwierigkeit ist jedoch, dass während des Bestockens der Gerste die Sinnhaftigkeit einer zweiten N-Gabe oft kaum einschätzbar ist. Eine generelle Empfehlung zur erhöhten N-Düngung von Braugerste lässt sich aus den Versuchsergebnissen nicht ableiten.

Sonstige Gersten

Manche als Braugerste eingestufte Sorten werden auch für Futterzwecke genutzt. Allerdings sind sie für Landwirte mit Viehhaltung und Ernte des Strohs teilweise zu kurzhalmig. Für die Marktfruchtproduktion werden bevorzugt Sorten mit mittlerem bis höherem Hektolitergewicht verlangt.Die neue Braugerste RGT Planet (Lagerung 4) präsentiert sich in Österreich und weiteren Regionen Europas sehr ertragsstark. Sie verbindet ein frühes Ährenschieben mit mittelspäter Reife und niedrigem Proteingehalt. Bei der ebenfalls leistungsfähigen Kolore ist auf die schwächere Standfestigkeit (Note 7) Rücksicht zu nehmen. RGT Planet und Kolore müssen zunächst die Großmälzungsversuche absolvieren, für 2016 stehen nur begrenzte Saatgutmengen bereit. Eifel (Lagerung 6) soll nicht zu N-intensiv geführt werden. Die gut ausgebildeten und feinspelzigen Körner münden in einen überdurchschnittlichen Futterwert. Calcule (Lagerung 4) reift später, kann Zwergrost und Netzflecken erfolgreich abwehren und passt für alle Gebiete. Die frühere Braugerste Agrippina (Lagerung 2) gelangt nun ausschließlich in den Futtertrog. Felicitas (Lagerung 4) sortiert schwächer und ist für das Alpenvorland, die Steiermark und Kärnten gedacht. Wilma und Vienna sind mittelgut standfest (Note 4) und verhalten sich gegenüber der in Feucht- und Übergangslagen schädigenden Sprenkelkrankheit (Ramularia) robuster. Die höherwüchsige Evelina (Lagerung 5) profitiert auf Bioflächen von ihrer besseren Fähigkeit zur Unkrautunterdrückung. Evelina, Vienna und Wilma bilden keine so dichten Bestände, meist schöpfen sie ihr Ertragspotenzial bereits mit 580 bis 700 Ähren/m2 aus.Gerstenmehltau tritt vorwiegend im Nordöstlichen Flach- und Hügelland, im Alpenvorland sowie im Mühl- und Waldviertel auf. Der Mehltau anderer Getreidearten kann die Gerste nicht infizieren.

Mehltau zurückgedrängt

Alle derzeit in Österreich relevanten Sommerbraugersten sowie mehrere Futtergerstensorten sind mit der Mlo-Resistenz ausgestattet. Diese einzigartige Mehltauresistenz ist seit Jahrzehnten ungebrochen wirksam. Aktuell sind nur die Futtergersten Eunova, Evelina, Vienna und Wilma stark mehltauanfällig (Note 7 bzw. 8). Bei frühem Auftreten sollte die Krankheit mit einem Spezialfungizid (beispielsweise Vegas) oder einem preisgünstigen Azol in reduzierter Aufwandmenge gestoppt werden. Die Sorte Calcule (Mehltau 4) ist lediglich bei massivem Infektionsdruck davon betroffen.

Sommerdurum

Sommerdurum bringt in Ostösterreich um etwa 5 bis 20 % geringere Erträge als Sommerweichweizen. Obwohl die Durumpreise nicht mehr das Niveau von August 2015 erreichen, gelten sie noch als attraktiv.Doridur (Lagerung 5) ist gegen Mehltau und Ährenfusarium etwas widerstandsfähiger als andere Durumsorten und proteinreich. Der standfeste (Note 3) und frühreife Duromax ist für gute Böden und N-intensivere Bedingungen gedacht. Ist das Wetter zur Reifezeit unbeständig, sollten Doridur und Duromax wegen ihrer labileren Fallzahl bevorzugt gedroschen werden. Floradur – seit einem Jahrzehnt der meistangebaute Durumweizen – weist ein mittelgutes Ertragspotenzial und ein hohes Hektolitergewicht auf. Nicodur brachte ähnliche Leistungen wie Floradur, reift aber etwas zeitiger. Die knappe Standfestigkeit (Note 6) von Floradur und Nicodur soll in einem feuchten Frühjahr, bei hohem N-Angebot oder üppigem Bestand mittels Wachstumsregler abgesichert werden. Rosadur (Lagerung 5) verfügt über eine gute äußere und innere Kornqualität, ist ertraglich zuletzt jedoch zurückgefallen. Bei Stelladur (Lagerung 4) ist wegen seiner Sensibilität für Mehltau (Note 8) die Vorlage eines preiswerten Fungizids mit der Unkrautbekämpfung oft zweckmäßig. Tamadur ist mittelgut standfest (Note 4), auswuchstolerant, zeigt ein überdurchschnittliches Ertragspotenzial, eine ausgewogene Kornqualität und könnte mittelfristig zur Hauptsorte aufsteigen.

Sommerweichweizen

KWS Collada ist an die Bedingungen des Pannonikums gut adaptiert. In Feucht- und Übergangslagen ist die Fallzahlstabilität wertvoll, auf Gelbrost (Note 7) ist zu achten. Der standfeste Lennox kann im Herbst und im Frühjahr gesät werden (Wechselweizen) und ist gegen Gelbrost resistent. Der begrannte Sensas vereint Auswuchsfestigkeit mit hohem Hektolitergewicht und einer insgesamt guten Backfähigkeit. Auf Infektionen mit Braunrost reagiert Sensas sensibel, der Gelbrost kann ihm wenig anhaben. Der Bestandesdichtetyp SW Kadrilj brachte seine besten Erträge in Ostösterreich, auf guten Böden des Alpenvorlandes und im Südosten. Trappe ist ein spätreifer Mahlweizen der Feucht- und Übergangslagen mit knappem Proteingehalt. Aufgrund seiner Anfälligkeit für Gelbrost (Note 8) verfehlte er in den letzten zwei Jahren sein Potenzial. Von den im Dezember registrierten Sommerweizen KWS Mistral, KWS Solanus und Liskamm gibt es heuer nur Vermehrungssaatgut.

Hafer

Dank seiner Resistenz gegen parasitären Halmbruch und Schwarzbeinigkeit wirkt Hafer in Fruchtfolgen mit hohem Getreideanteil wie eine Blattfrucht. Bei Überlegungen zur Rentabilität sollte dies Berücksichtigung finden. Für zufriedenstellende Hafererträge sind – anders als bei der Sommergerste – keine hohen Bestandesdichten nötig. In Abhängigkeit von der Bodengüte und Sorte genügen zumeist 350 bis 450 gut ausgebildete Rispen/m2. Beim ertragsstarken Moritz ist die etwas knappe Standfestigkeit (Note 6) zu bedenken. Gregor (Lagerung 5) kombiniert ein gutes Ertragspotenzial mit beachtlicher Kornqualität und passt für alle Haferanbaugebiete. Der frühreife und mittelgut standfeste (Note 4) Earl eignet sich wegen seines hohen Hektolitergewichts gut zur Erzeugung von Qualitätshafer. Auch Max (Lagerung 4) punktet mit einem günstigen Hektolitergewicht und überdurchschnittlichen energetischen Futterwert. Prokop ist mittelgut standfest (Note 4), reift mittelfrüh und hat in raueren Lagen gut abgeschnitten. Der hochwüchsige Effektiv (Lagerung 4) zählt im Mühl- und Waldviertel weiterhin zu den ertragsstabilsten Züchtungen.

Die in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse wurden unter Mitarbeit der Landwirtschaftlichen Koordinationsstelle Niederösterreich (Lako) erhoben.

Michael Oberforster, Clemens Flamm, Thomas Massinger (Ages Wien) und Wolfgang Deix (Lako Tulln)

Saatgut für Biobetriebe

Biosaatgut wird vorbehaltlich der Laboranerkennung von folgenden Sorten angeboten: Sommergerste: Carina, Cerbinetta, Evelina, Fabiola, Salome, Vienna, Wilma
Sommerweichweizen: Kärntner Früher, Michael, Rubin, Sensas, SW Kadrilj Hafer: Effektiv, Erwin, Gregor, Max Sommerdurum: Von Floradur und Rosadur gibt es konventionell erzeugtes ungebeiztes Saatgut Sommertriticale: Biosaatgut von Trimmer (Wechseltriticale). Von Dublet und Somtri (EU-Sorten) sowie Agrano (Wechseltriticale) gibt es konventionell erzeugtes ungebeiztes Saatgut
Sommerroggen: Von Arantes (EU-Sorte) gibt es konventionell erzeugtes ungebeiztes Saatgut
Die tatsächliche Verfügbarkeit ist bei der Biosaatgut-Datenbank der Ages im Internet unter www.ages.at/service/service-landwirtschaft/agrar-online-tools/bio-saatgutdatenbank abzufragen.

Ist kein geeignetes Biosaatgut verfügbar, muss vor dem Anbau eine schriftliche Ausnahmegenehmigung bei der Biokontrollstelle eingeholt werden.

Sommergerste – Pannonikum

 ©Quelle: Oberforster
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