Umgesattelt – Hendlmast statt Koch & Kellner

Wir brauchen Eigenversorgung in Österreich – Florian Hundsberger aus Wolfern im Bezirk Steyr-Land (OÖ) hat in der Hendlmast die Chance gesehen, von einer Anstellung als Koch in den landwirtschaftlichen Vollerwerb zu wechseln. Vor gut zwei Jahren wählte er den Weg zurück auf den elterlichen Betrieb und investierte in den Neubau eines Maststalls mit rund 39.000 Plätzen.

Florian Hundsberger (30), hat vor nunmehr gut zwei Jahren die Chance ergriffen, durch den Einstieg in die Hendlmast in den landwirtschaftlichen Vollerwerb zu wechseln. Foto: Gerald Lechner

Eigener Chef mit Zukunftsbranche Hühnermast“ – die Begleitinformation zum Oberösterreichischen Agrarpreis 2016 bringt das Motiv auf den Punkt, aus dem Junglandwirt Florian Hundsberger (30) im Jahr 2015 von einer Anstellung als Koch in den elterlichen Betrieb gewechselt ist, um sich dort mittels einer Investition in einen Hendlmaststall einen eigenen Arbeitsplatz mit entsprechenden Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Vorweggenommen sei, dass Florian den OÖ Agrarpreis in der Kategorie „Produktivität und besondere Produktionsmethoden“ auch tatsächlich zuerkannt bekommen hat. Ein Kurzfilm, in dem er seinen Betrieb und seine Zielsetzungen vorstellt, findet sich im Internet unter der Adresse www.dasbestefuersland.at.

Florian Hundsberger (l.) mit Partnerin Kerstin und Vater Hermann. Die Erfahrung des Seniors floss in den Stallneubau ein.
Foto: Gerald Lechner

Bauverfahren zog sich zwei Jahre hin

Den Bezug zur Mast­hendlhaltung bekam Florian bereits durch seine Großeltern und Eltern vermittelt. Seit jeher war die Hendlhaltung auf dem Betrieb üblich.
Eine gewisse Sicherheit, um zu wissen, was man tut, ist beim Einstieg in die Hendlmast insofern erforderlich, als die Investition einen beträchtlichen Umfang annehmen kann. Florian: „Für einen Vollerwerbsarbeitsplatz muss man in Richtung 40.000 Mastplätze denken.“ Er selbst entschied sich für eine Größenordnung von 39.000 Plätzen und blieb damit knapp unter der Grenze, ab der eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben ist. Gutachten nach dem Luftreinhaltegesetz sowie durch den Umweltanwalt musste Hundsberger ohnehin beibringen, um die Widmung in Aussiedlerlage erhalten zu können. Eine unvorhergesehene Verzögerung gab es, weil es seitens des Naturschutzes Bedenken gab, dass der Stall das Landschaftsbild zu stark dominieren würde. Mit Unterstützung durch Gemeinde und bäuerliche Interessenvertretung konnten diese Bedenken schließlich ausgeräumt, und die Baubewilligung konnte erteilt werden. Florian: „Das ganze Genehmigungsprozedere hat zwei Jahre gedauert, daran sollte man als Landwirt denken, wenn man so ein Projekt plant.“ Um den Anforderungen der Tierhaltungsverordnung zu genügen, ist für diese Bestandsgröße eine Stallfläche von 2250 Quadratmetern erforderlich. Florian errichtete eine Halle mit einem Grundriss von 106 mal 23 Metern.

Fensterleibungen mit PVC-Tafeln. Beim Reinigen gibt es keine versteckten Ritzen.
Foto: Gerald Lechner

1,2 Millionen Euro Investitionssumme

Bodenplatte, Wände und Dach benötigen einen Vollwärmeschutz, da die Küken beim Einstallen eine Temperatur am Boden von 32 °C benötigen. Die Wärme wird über vier 100 kW-Gasbrenner bereitgestellt. Energiequelle ist Flüssiggas. Um Heizkosten zu sparen, wird die Abluft über einen Wärmetauscher geführt. Die Raumhöhe beträgt mehr als drei Meter, damit die Einbauten wie Wasser- und Futterleitungen sowie die zusätzlichen Aufsitzflächen über Seilzüge angehoben werden können. Dies ermöglicht behinderungsfreies Entmisten und Reinigen. Summa summarum betrug die Investitionssumme 1,2 Mio. Euro brutto. Der Betrag wurde fremdfinanziert und soll unter Berücksichtigung einer angemessenen Entlohnung in 15 Jahren abbezahlt sein.

Küken brauchen es warm – im Bild einer der vier 100 kW-Gasbrenner, die den Stall zum Start auf 32 °C halten.
Foto: Gerald Lechner

Eine Besonderheit des Hunds­berger’schen Stalls ist die in Längs- und Querrichtung um ein Prozent geneigte Bodenplatte. Dies beruht auf der bereits langjährigen Erfahrung Hermann Hundsbergers bei der Reinigung von Geflügelställen. Das Gefälle ermöglicht ein rascheres Abfließen des Reinigungswassers in eine 15 Kubikmeter fassende Grube. Der Stall trocknet bedeutend schneller ab. Bautechnisch ist die Maßnahme eine gewisse Herausforderung, da die Seitenwände bei den Abmessungen des Stalles in der tieferen Ecke um gut einen Meter höher sind als diagonal gegenüber.

Florian Hundsberger: „Nach jedem Durchgang wird der Stall eingeweicht und gewaschen. Dafür brauchen wir einen Tag. Da wir das Wasser wieder rasch rausbringen, ist der Stall nach einem weiteren Tag schon wieder trocken.“
Bei der Vermarktung setzt Florian Hundsberger auf die Partnerschaft mit Firma Hubers Landhendl, die seit etwa zwei Jahren eng mit der Schweizer Bell Food Group verflochten ist. Da der Abnehmer auch stark am deutschen Markt präsent ist, musste Florian beim Stallneubau auch die deutschen Haltungsbestimmungen berücksichtigen.

Innovation – Florian Hundsberger entschied sich für neuartige, flache Futterschalen, die den Küken das Fressen erleichtern sollen. Die Qualität der Einstreu ist wichtig für die Gesundheit der Fußballen.
Foto: Gerald Lechner

Produktion im Inland soll möglich bleiben

Nach nur fünf Monaten Bauzeit konnte Florian Hundsberger seinen neuen Stall im März 2016 in Betrieb nehmen. Nach bisher 17 Umtrieben ist der Junglandwirt zuversichtlich, dass die betriebswirtschaftliche Kalkulation hält. Der Vertragspartner ist verlässlich, Geflügelfleisch ist weiter gefragt. Da in Österreich die Eigenversorgung nur zu etwa 75 Prozent gegeben ist, sieht er noch weiteres Potenzial am Markt. Florian: „Wichtig ist, dass unsere Behörden Ställe bewilligen, damit eine Produktion im Inland möglich bleibt.“

Produziert wird auch für das deutsche QS – das erfordert Fenster im Ausmaß von drei Prozent der Bodenfläche. Alle Einbauten (Wasser- und Futterleitungen, Sitzflächen) können angehoben werden, das schafft Platz beim Entmisten.
Foto: Gerald Lechner

Hendlmast in Stichworten: Sieben Umtriebe pro Jahr

Hendlmast ist ein Betriebszweig mit raschen Umtrieben. Längstens 42 Tage dauert es, bis ein Mastdurchgang abgeschlossen ist. Bereits etwa 30 Tage nach dem Einstallen haben die ersten Tiere das Endgewicht von ca. 1,90 kg erreicht und kommen zur Vermarktung. Unter Einrechnung von acht Tagen Leerstand für Reinigung, Desinfektion und Wartung sind jährlich etwas mehr als sieben Umtriebe möglich. Laut Florian Hundsberger sind die Vermarktungsbedingungen sehr stabil. Das Mastentgelt beträgt seit Jahren konstant etwa 90 Cent/kg. Die Kosten für Küken und Futter braucht der Landwirt nicht vorzufinanzieren. Wichtig ist, bei Heizung und Einstreu nicht zu sparen. Abzüglich der Kosten für Gas, Einstreu, Strom und Arbeit ist bei engagierter Tierbetreuung ein Deckungsbeitrag von 30 Cent/kg Schlachtgewicht realistisch.

Hans Maad

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