Zuversicht lässt Flügel wachsen

Kreativität, Ehrgeiz und eine kräftige Prise Neugierde sind einige von Stefan Bachmanns Charakterzügen. Früher ist der gelernte Koch um die Welt gejettet und hat die Stars der Formel Eins kulinarisch verwöhnt. Nun hat er in Kärnten Wurzeln geschlagen und profitiert von seinen Erfahrungn aus der Spitzengastronomie.

Der Gemüseproduzent Stefan Bachmann baut zusammen mit seiner Familie auf 1000 Metern Seehöhe exklusive Raritäten an. Die Folientunnel sind weder beheizt noch beleuchtet und werden dennoch ganzjährig genutzt. Foto: BZ/Artur Riegler

Im südlichen Teil Kärntens, unweit der Grenze zu Italien, liegt am Südhang der Gailtaler Alpen der Gemüsebauernhof von Familie Enzi vulgo Kunz. Im Jahr 2013 entschloss sich die Familie Enzi, neue Wege zu gehen und stellte den Milchviehbetrieb mit Frühstückspension auf Gemüseproduktion um.

Zur Kundschaft zählen Gourmetlokale und rund 40 Gastronomiebetriebe in der Region.
Foto: BZ/Riegler

Seit dem Jahr 2015 kultiviert Stefan Bachmann als Betriebsführer gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Susanne Enzi vorwiegend Gemüseraritäten, wie Malabarspinat, Haferwurzel, Spargelsalat, Rübenvariationen, Knollenziest, Kerbelrüben, Karotten von lila bis weiß und vieles mehr. Wichtig ist ihnen dabei der Verzicht auf den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel oder mineralischer Dünger.

Auch weniger bekannte Sorten, wie die Chioggia-Rübe, werden kultiviert.
Foto: Hof Kunz/Ferdinand Neumüller

Frisch, regional und gesund: Vitaminspender à la carte

Stefan hat den Stein ins Rollen gebracht: Bereits als junger Koch hat er viel getüftelt und mit Zutaten aus Fern und Nah experimentiert.
„Frische ist ein Muss – und je bunter, desto besser“, lautete seine Devise als Küchenchef. So führte er, im Hausgarten der Familie seiner Lebensgefährtin auf fünfzig Quadratmetern, erste Anbauversuche mit alten Kulturpflanzen durch. Vieles hat er dabei probiert, verworfen und aufgrund einer gewissen inneren Unruhe immer wieder neu versucht. Mit der Zeit wurden die Versuche ausgeweitet, auf 100, 200 und mehr Quadratmeter, bis schließlich in ihm die Idee zum Umstieg in die Landwirtschaft gewachsen und herangereift ist.
Unregelmäßige Arbeitszeiten, hohe gesundheitliche Belastungen, schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren für Stefan die Hauptgründe, um sich beruflich neu zu orientieren. Dabei gestaltete sich der Weg von der Idee bis zur Umsetzung als große Herausforderung. Praktisch bei null begann er seine Vision zu entwickeln und setzte trotz aller Rückschläge den Gemüseanbau Zug um Zug fort. Als Autodidakt der Hortikultur musste er sich viel Grundlagenwissen aneignen sowie Investitionen und Anschaffungen tätigen. Mit einer kräftigen Portion Mut zum Risiko, Disziplin und der Unterstützung von Familie, Freunden und Verwandten konnte der Betrieb aber doch in vergleichsweise kurzer Zeit erste Früchte tragen.
Die notwendige Ausbildung und das theoretische Rüstzeug erhielt Susanne an der LFS Ehrental, außerdem sammelte sie praktische Erfahrungen während eines einjährigen Aufenthalts in Irland. Zugute kommt Susanne auch ihre Ausbildung zur Malerin. Mit ihrer künsterlischen Ader hat sie das Bauernhof-Logo und allerlei Drucksorten in Airbrush-Technik gestaltet. Auch Stefan hat sich im Forstbereich weiter gebildet und hat die Feldgemüsefacharbeiter-Prüfung absolviert. Mit der Ausbildung alleine ist es aber lange nicht getan, sind sich beide einig. Ihre Arbeit ist ein ständiges „Working in Progress“: Weiterentwicklung der Geschäftsidee, Arbeitsorganisation im Jahreskreis, Ausschreibungen, Kundenservice, Marketingmaßnahmen oder Kosten-Nutzen-Analyse sind gemeinsam mit der Verantwortung für Familie und Kinder – Stefan und Susanne sind die Eltern von Olivia (3) und Baby Davin – unter „einen Hut“ zu bringen.

Der Hof Kunz wurde heuer zur innovativsten Landwirtschaft Kärntens gekürt.
Foto: LK Kärnten/Wajand

Auf 5,5 Hektar Freiland und in drei Folientunneln, welche auf 1000 Quadratmetern überdacht sind, wird ohne Heizung oder Beleuchtung das ganze Jahr über Gemüse angebaut. Im Moment gedeihen darin unter anderen rund 20 verschiedene Paradeiser- und zwölf Paprikasorten sowie Melanzani.
„Ursprünglich wollten wir im Winter pausieren“, erzählt Stefan, doch es stellte sich heraus, dass viele winterharte Gemüse, wie Asia-Salate, Partulak, Blutampfer, Hirschhornwegerich, Vogerlsalat und ab Februar wieder Salat, im Folientunnel gut zurecht kommen.
„Wir messen an sonnigen Tagen im Februar draußen minus 8 Grad Celsius und im Tunnel 10 bis 12 Grad Plus – solange jedenfalls die Sonne scheint. Nachts friert der Boden auch nur leicht, das können die Pflanzen tolerieren“, berichtet Stefan und merkt an, dass sich dabei das Pflanzenwachstum naturgemäß nur langsam entwickelt. Im Gegensatz zu den Gunstlagen im Klagenfurter Becken, haben sie im Winter keinen Nebel, und ihre Pflanzen sind vor Nässe geschützt, die sie sonst faulen und verderben lässt. Erst Anfang April baut Stefan den ersten Salat im Freiland an. „Das ist rund drei Wochen später als im Tal, und in der Steiermark wird schon der erste Feldsalat geernten“, betont er. Wichtig für den Gemüseanbau ist auch der Faktor Niederschlag. Vom Nachbarland Italien kommen regelmäßig – zur Freude der Wintersportgebiete – Adria-Tiefs und sorgen für durchschnittliche Jahresniederschlagsmengen von rund 1400 Millimeter. „Fast zu viel“, meint Stefan und erklärt, dass der Abstand zwischen den Tunneln so groß sei, weil im Winter durchaus mehr als zwei Meter Schnee fallen können.

Die Anfahrt zum Gailtaler Gemüsebauern Stefan Bachmann führt über etliche Serpentinen durch dichten Wald. Die Hofstelle ist, mit Ausblick auf das Nassfeld, sonnseitig gelegen.
Foto: BZ/Riegler

Der Gemüseanbau ist sehr arbeitsintensiv, wirtschaftlich rechnet sich der Aufwand, der Erfolg ist aber kein Selbstläufer.
Derzeit werden jede Woche rund 200 Privat-Abonnenten mit einem Gemüsekisterl beliefert. Als gelernter Koch weiß Stefan natürlich, welches Gemüse in jeder Küche gebraucht wird. So ist das bunt gefüllte Kisterl nicht nur nett zum Anschauen, sondern es muss mit dem Inhalt auch gekocht werden können. Regional und trotzdem ausgefallen – auch 40 Gastronomiebetriebe lieben das spezielle Sortiment. Mit Angebot, Flexibilität und Qualität punktet der Gemüsebauer auch bei Kärntner Gourmetlokalen. Als Partnerbetrieb bewirtschaftet Stefan auch den Kräuter- und Gemüsegarten am Erlebnisbauernhof „GailtålBauer“ in Kirchbach.

Betriebsspiegel: Gailtaler Gemüsebauer, vulgo „Kunz“

Kontakt: Stefan Bachmann (31) und Susanne Enzi (31), Kreuth 3, 9631 Rattendorf ob Jenig.
Produktionszweig: Gemüseanbau und Vermarktung
Angebot: Saisonal abgestimmtes Sortiment an Gemüse, Kräutern und Obst; der extensive Anbau seltener und klassischer Sorten erfolgt ganzjährig.
Siegel: Gutes vom Bauerhof, Genussland Kärnten.
Betriebsgröße: Drei Hektar Grünland, 5,5 Hektar Sonderkulturen, 1000 Quadratmeter Folientunnel und 42 Hektar Wald im Vollerwerb.
Tierhaltung: Zwei Mutterkühe, zwei Pferde, kleine Gruppe an Hühnern und Enten.
Arbeitskräfte: Betriebsführer und Partnerin, Eltern der beiden, eine Teilzeitangestellte, Stefans Bruder sowie in Spitzenzeiten bei der Erdbeerernte helfen auch weitere Verwandte am Hof begeistert mit.
Hinweis: Betriebsportrait, Rezepte, Tipps und Tricks rund ums Gärtnern gibt‘s auf der Facebookseite unter „www.facebook.com/HofKunz“.

Artur Riegler

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