Zwei Stunden weniger im Stall

„Wir würden es auf alle Fälle wieder so machen“, zieht Anton Wagner jun. aus Stephanshart (Bezirk Amstetten, NÖ) gemeinsam mit seiner Familie positive Bilanz über den neuerrichteten Milchviehstall mit Melk­roboter, der 2016 in Betrieb gegangen ist.

Anton sen. und Gertrude Wagner, Anton Wagner jun. und Lebensgefährtin Maria mit Tochter Valerie (v. l.) vor dem Laufstall. Die Melkarbeit wird vom Melkroboter erledigt. Die Erfahrungen der vergangen zwei Jahre überzeugen. FOTO: BZ/Eva Riegler

Die Geschichte von Stephanshart, eine Katastralgemeinde von Ardagger (Bezirk Amstetten, NÖ), ist geprägt von den teilweise verheerenden Donauhochwassern vergangener Jahrhunderte. So standen beispielsweise im Jahr 1954 62 Häuser bis zum Dachfirst unter Wasser und waren nachher so gut wie unbewohnbar. 1971 begann die europaweit größte Aussiedlung in der Stephansharter Au: 43 Bauernhöfe wurden auf hochwassersicheres Gebiet umgesiedelt.

„Wenn der Mais absäuft, haben wir gar kein Futter“
Auch wenn damit die unmittelbare Hochwassergefahr für die Höfe selbst gebannt ist, beeinflusst die Donau die Landwirtschaft weiter: Viele Felder und Wiesen liegen im Überschwemmungsgebiet.
So auch die Gründe von Familie Wagner, die einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 59 Milchkühen im Ortsteil Empfing betreibt. „Wenn der Mais beim Hochwasser absäuft, habe ich ein Jahr lang gar keine Ernte. Bei den Wiesen fallen nur ein oder zwei Schnitte aus“, erklärt Anton Wagner junior, warum seine Flächen zum größten Teil als Wechselwiesen genutzt werden. Bis zu sechs Schnitte – Silage und Heu – kann er von den fruchtbaren Flächen einbringen. Ende 2012 hat er den – damals im Nebenerwerb geführten – Betrieb von seinen Eltern übernommen, die sich bereits auf die Milchproduktion spezialisiert hatten. Für den gelernten Hafner war von Beginn an klar, dass er die Landwirtschaft hauptberuflich betreiben wird.

Ein Großteil der Futterflächen des Betriebs liegt im Überschwemmungsgebiet der Donau und werden als Wechselwiesen genutzt.
FOTO: BZ/Eva Riegler

Nach zweijähriger Planungsphase begann er 2014 mit dem Neubau des Milchviehstalls. „Wir haben versucht, möglichst viel in Eigenregie zu machen, um damit Kosten zu sparen“, berichtet Anton von der nun folgenden zweijährigen Bauzeit. Entstanden ist ein einladender heller Hallenbau, in dem sich die Tiere sichtlich wohl fühlen. Herzstück des Stalls ist der Melk-roboter, mit dem Anton Wagner jun. seit nunmehr zwei Jahren Erfahrungen gesammelt hat.

„Melkroboter bringt vor allem Zeitersparnis“
Das Umstallen habe gut geklappt, und bereits nach einer Woche haben sich die Kühe selbstständig zum Melken angestellt. Im „gelenkten Kuhverkehr“, wie er am Betrieb praktiziert wird, müssen die laktierenden Kühe vom Fressplatz durch den Melkstand, damit sie zum Liegeplatz kommen. Tiere, die nicht gemolken werden, werden direkt durchgelassen. Probleme gebe es nur, wenn Tiere lahmen.

Anton Wagner ist überzeugter Fleckviehzüchter. Der Verkaufswert der männlichen Kälber und der Schlachtkühe gewährleisten für seinen Betrieb einen optimalen Gesamtnutzen.
FOTO: BZ/Eva Riegler

Mit dem Melkroboter haben wir uns die Arbeit im Milchviehstall entscheidend erleichtert“, so Wagner: „Im alten Stall mit Melkstand haben wir zweimal am Tag zwei Stunden nur für das Melken gebraucht. Und das musste auch noch zu möglichst fixen Zeiten erfolgen.“ Er sei in der Arbeitseinteilung deutlich flexibler geworden. Dreimal am Tag führt sein Weg in das über dem Kuhstall liegende Büro, wo er auf dem Monitor die Tätigkeit des Roboters nachvollziehen und bei Bedarf eingreifen kann. Gröbere Störungen, die ein sofortiges Handeln erfordern, werden direkt an sein Handy gemeldet.

Dreimal am Tag kontrolliert Anton Wagner den Melkroboter. Ansonsten empfängt er Störungsmeldungen direkt auf seinem Handy.
FOTO: BZ/Eva Riegler

„Es braucht schon ein gewisses Maß an technischem Interesse dazu. Wenn ich für jede Störungsmeldung den Anlagentechniker brauche, käme das zu teuer“, ist sich der Jungbauer auch der Schwächen des Roboters bewusst. Auch höhere Strom- und Wasserkosten würden zu Buche schlagen.
Beim Einstallen im neuen Stall hat Anton Wagner fünf Jungkühe zugekauft. Ansonsten setzt er auf eigene Nachzucht. Stierkälber werden im Alter von rund acht Wochen über den Nutzkälbermarkt abgesetzt. Kalbinnen bleiben am Betrieb und werden nachgezogen. „Ich schaue vor allem auf reine, möglichst gleichmäßige Euter. Wichtiger als höchste Leistung sind mir die Melkbarkeit und Robustheit der Kühe“, definiert Anton Wagner seine persönlichen Zuchtziele.
Die Herdenleistung ist in den vergangenen beiden Jahren dennoch um etwa 500 Kilogramm auf rund 9000 Kilogramm pro Kuh und Jahr gestiegen. „Gerade bei den Kühen mit den höheren Leistungen und zu Beginn der Laktation ist das dreimalige Melken von Vorteil“, ist Wagner überzeugt. Und auch die Milchqualität hat sich verbessert, freut sich Anton jun.: „In den vergangen beiden Jahren war die abgelieferte Milch konstant unter 100.000 Zellzahl.“

„Die Milchqualität hat sich deutlich verbessert“
Die Investitionen haben sich für den Betrieb der Familie Wagner gerechnet, nicht zuletzt, weil für das Projekt eine Investitionsförderung der Europäischen Union, des Bundes und des Landes NÖ gewährt wurde. Der fünfprozentige Jungübernehmerzuschlag wurde Anton Wagner nicht ausgezahlt, da er die Fertigstellungsmeldung bei der Gemeinde um wenige Tage zu spät abgegeben hat – eine unnötige Härte, wie der Jungbauer findet. Er warnt alle bäuerlichen Berufskollegen, derartige Fristen genau zu beachten.
Für Anton Wagner ist damit die optimale Größe für seinen Betrieb erreicht. „Rund 30 Prozent liegt der Roboter derzeit unter seiner Kapazitätsgrenze“, rechnet er vor. Das sei wichtig, um im Störungsfall entsprechende Zeitfenster zur Wartung zur Verfügung zu haben. „Ein weiteres Wachstum für den Betrieb ist nicht geplant. „Es muss auch Zeit zum Leben bleiben“, so Anton Wagner. Schließlich ist seit drei Monaten Töchterchen Valerie da und soll nicht zu kurz kommen.

Die Qualität der abgelieferten Milch wurde mit dem Milchgütesiegel ausgezeichnet.
FOTO: BZ/Riegler

Betriebsspiegel: Familie Wagner, Stephanshart

Betriebsführer: Anton Wagner jun.
Arbeitskräfte: Betriebsführer, Lebensgefährtin Maria, Eltern Anton sen. und Gertrude Wagner (Pensionisten) helfen noch mit.
Flächenausstattung: 36 Hektar Ackerflächen und Wechselwiesen, elf Hektar davon Pachtflächen
Tierbestand: 59 Milchkühe der Rasse Fleckvieh mit weiblicher Nachzucht.
Güllevertrag mit einem Nachbarn.
Rundballenpresse und Wickelmaschine zur Siloballenbereitung werden überbetrieblich eingesetzt, für den eigenen Betrieb werden Maschinenleistungen für Feldhäcksler und Spritzen im Ackerbau zugekauft.

- Werbung -