In Österreichs östlichstem Bundesland wird heuer mit einer bis zu 30 Prozent kleineren Menge bei Äpfeln gerechnet. Besonders problematisch: Viele Früchte erreichen aufgrund des Wassermangels nicht jene Größe, die für die Vermarktung als Tafelobst im Handel erforderlich ist.
„Die Kombination aus ex-tremer Trockenheit und Hitze hat den Bäumen zugesetzt wie selten zuvor. Bei manchen Betrieben fehlt ein Teil der Ernte, bei anderen sind die Äpfel schlicht zu klein, um die Anforderungen des Handels zu erfüllen. Das ist bitter für die Bäuerinnen und Bauern, die das ganze Jahr über mit großem Einsatz für eine hochwertige heimische Ernte arbeiten“, betont LK-Präsident Nikolaus Berlakovich. Aber auch wenn die Äpfel heuer etwas kleiner ausfallen würden, die Qualität und der Geschmack seien nach wie vor ausgezeichnet.
Schon jahrelang sinkt die Anbaufläche
Der Apfel ist eigentlich das Lieblingsobst der Österreicher. Knapp 18 Kilogramm werden davon jährlich pro Kopf verspeist. Dennoch ist die Lage im Erwerbsobstbau seit Jahren alarmierend. „In den vergangenen zwölf Jahren konnten aufgrund des Klimawandels lediglich drei Normalernten eingebracht werden. Hinzu kommen stark gestiegene Betriebskosten, höhere Lohnkosten, neue eingeschleppte Schädlinge sowie eingeschränkte Möglichkeiten beim Pflanzenschutz. Im Gegensatz dazu bleiben aber die Marktpreise zu niedrig, um wirtschaftlich überleben zu können. Wir brauchen ehrliche Preise, damit alle entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette fair entlohnt werden können und weiterhin regional und umweltschonend produziert werden kann“, betont Berlakovich.
Die Zahl der Apfelbäume ist seit 2017 um 31,5 Prozent gesunken und die Fläche sogar um 34 Prozent. „Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass es nicht nur um die heurige Ernte geht. Vielmehr stellt sich die grundsätzliche Frage, unter welchen Bedingungen Obstbau in Regionen mit zunehmender Trockenheit künftig noch wirtschaftlich möglich sein wird“, warnt Berlakovich.
Johann Plemenschits, Präsident des Burgenländischen Obstbauverbandes, appelliert gemeinsam mit dem LK-Präsidenten an die Konsumenten: „Kauft regionale Äpfel und unterstützt uns heimische Obstbäuerinnen und Obstbauern.“ Gleichzeitig warnt Plemenschits davor, die Landwirtschaft zum Sündenbock für steigende Lebensmittelpreise zu machen: „Ich bin seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft tätig und habe noch nie erlebt, dass der Bauer dafür verantwortlich ist, dass Lebensmittel teurer werden.“
Wasser wird zur Schlüsselfrage
Eine der größten Herausforderungen für die Zukunft ist die Verfügbarkeit von Wasser. Von den über 648 Hektar Erwerbsobstanlagen im Burgenland sind nur 45 Prozent bewässerbar.
Doch auch bewässerbare Flächen helfen nur dann, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Gerade in den östlichen Regionen geraten Speicherteiche und andere Wasserreserven durch die anhaltende Trockenheit zunehmend unter Druck. „Wir müssen jetzt handeln und dürfen nicht erst reagieren, wenn die nächste Katastrophe da ist. Wasserverfügbarkeit, Bewässerung, Speicher, Klimawandelanpassung, Versicherungen und eine wirtschaftlich tragfähige Produktion müssen gemeinsam gedacht werden. Wenn wir heimisches Obst wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Betriebe eine Zukunft haben“, so Berlakovich.
Dürre-Maßnahmenpaket bringt Entlastung
Neben den massiven Ernteausfällen ist für die betroffenen Betriebe auch die finanzielle Belastung enorm. Die Bundesregierung hat daher ein Dürre-Maßnahmenpaket mit einem Gesamtvolumen von 240 Millionen Euro beschlossen.
„Diese Maßnahmen schaffen dringend benötigte Entlastung und geben den Betrieben in einer schwierigen Situation etwas Luft“, so Berlakovich abschließend.
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