Vor gut einer Woche ließ einer der größten Tiefkühlgemüsehersteller Europas, die Ardo-Gruppe, wissen, dass ihr Produktions- und Verpackungsstandort in Groß Enzersdorf 2027 aufgelassen werden soll. Obwohl man in den vergangenen Jahren Millionen investiert habe, sei das Austria-Frost-Werk im Marchfeld „veraltet“.
Konzern hält Investitionen für nicht wirtschaftlich
Der belgische Konzern hatte den Standort 2008 übernommen, in einer Aussendung moniert man nun, dass dieser „angesichts der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der im Vergleich zu mitteleuropäischen Ländern begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit“ nicht mehr tragbar sei. Der österreichische Absatzmarkt sei schlicht zu klein, um weitere Großinvestitionen rechtfertigen zu können. Geht es nach der Ardo-Chefetage, soll künftig lediglich ein Logistikzentrum in Wien betrieben werden, wo dann Gemüse aus Ardo-Werken im Ausland für die Vermarktung bereitgestellt wird. Am Standort Groß Enzersdorf stehen Unternehmensangaben zufolge 190 Festangestellte und 50 Leiharbeiter vor der Kündigung. Für sie werde ein Sozialplan erarbeitet.
Rund 500 Bauern betroffen
Doch damit nicht genug. Betroffen sind auch die zuliefernden Gemüsebauern aus dem Marchfeld. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe. Diese produzieren LK-Angaben zufolge auf 3.300 Hektar unter anderem Grünerbsen, Gemüsesoja, Buschbohnen, Spinat, Karotten, Kohlgemüse, Speisekürbis und Kräuter. „Allein 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Warenwert von rund 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert“, informiert die LK Niederösterreich.
Entsprechend wollen die hiesigen Bauernvertreter die Werksschließung nicht einfach hinnehmen. „Ardo ist jetzt gefordert, die Karten auf den Tisch zu legen“, betont LK-Vizepräsident Lorenz Mayr und ergänzt: „Viele Betriebe haben im Vertrauen auf diese Zusammenarbeit erheblich investiert – in spezialisierte Erntemaschinen, moderne Technik und die Weiterentwicklung ihrer Gemüseproduktion. Sie brauchen jetzt rasch Klarheit darüber, wie es weitergeht und was mit den Anlagen am Standort geplant ist.“
Versorgung mit heimischem Gemüse gefährdet
Auch Niederösterreichs Gemüsebauverband-Obmann Karl Auer unterstreicht die Tragweite der Konzernentscheidung: „Wenn die Verarbeitung wegfällt, verlieren wir nicht nur einen Abnehmer. Wir gefährden eine gesamte Produktionskette, die sich nicht von heute auf morgen wieder aufbauen lässt.“ Besonders einschneidend wäre die Schließung demnach für die Blattgemüseproduktion. Ohne den Verarbeitungsstandort in Groß-Enzersdorf falle die zentrale regionale Infrastruktur für die Tiefkühlverarbeitung weg. „Damit steht die bisherige Tiefkühlproduktion von Blattgemüse im Marchfeld vor dem Aus“, heißt es.
Das sei auch in punkto Versorgungssicherheit ein Thema, meint Mayr: „Es kann nicht sein, dass eine über Jahrzehnte aufgebaute heimische Gemüseproduktion wegbricht und künftig gleichzeitig verstärkt Gemüse aus anderen Ländern nach Österreich geliefert wird. Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Produktion und Wertschöpfung in Österreich erhalten bleiben.“
Gespräche laufen
Die Bauernvertreter suchen deshalb das Gespräch mit Ardo, um „alle Optionen auszuloten“. So teilte etwa Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf mit, man erwarte „Kooperation statt Mauern“. Ziel müsse sein, „die Verarbeitung von heimischem Tiefkühlgemüse auch künftig in Österreich zu ermöglichen“. Immerhin, ein Konzernsprecher teilte der APA auf Nachfrage mit, man sei „immer gesprächsbereit“. Gestern Dienstag und heute Mittwoch fanden erste Gespräche mit ETG und LK statt. Zu deren Ergebnissen ist noch nichts bekannt.
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