Seit Juni kam es in der Ennstaler Gemeinde Sölk auf Almen immer wieder zu Wolfsrissen. Die Reform des Jagdgesetzes in der Steiermark machte nun erstmals die Abschussfreigabe des als Schadwolf eingestuften Raubtieres möglich.
Als der Wolf einige Tage später erlegt wurde, setzte im Netz ein Shitstorm ein, der einem das Fürchten lehrt. Die zuständige Agrarlandesrätin wurde sehr oft derb und untergriffig beschimpft. Wer beim Lesen der Kommentare von den Verfassern ein Mindestmaß an Anstand erwartete, wurde maßlos enttäuscht. Manchmal glaubte man sich nicht mehr unter Menschen. Und zusammen mit der Politikerin schickten viele Schreiber auch die Jäger und Bauern in die Hölle und sprachen von widerwärtigen Kreaturen, verdammten Tiermördern und depperten Steirern. Gesetzliche Grundlagen und politische Mehrheitsentscheidungen, die dem vorausgegangen waren, wurden sowieso ausgeblendet. Etwas gemäßigter, aber inhaltlich ähnlich einseitig waren etliche Leserbriefe zu diesem Thema. Auffallend war, dass sich in den digitalen Foren und auf den Leserbrief-Seiten der Tageszeitungen kaum bäuerlich denkende Menschen aus der Deckung wagten und sich an der Diskussion beteiligten.
Auch wenn die Aufregung nach einem derartigen Ereignis erfahrungsgemäß nach einigen Tagen abflaut, ist großer Schaden entstanden. Und die Verletzungen, die dabei manchen Personen zugefügt worden sind, können noch lange verdammt weh tun.
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