Regen

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Damit der nächste Starkregen nicht zur Katastrophe wird

Zwischenergebnisse der Studie „Wasser im Klimawandel“ unter Mitwirkung der Boku University zeigen, dass kurze, lokale Regenfälle in Österreich deutlich an Intensität gewonnen haben. Dementsprechend gilt es, den Hochwasserschutz weiterzuentwickeln.

Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ untersucht die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen Wasserhaushalt. Im Fokus stehen unter anderem Niederschlag, Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und Niederwasser. 

Für die Studie wurden Niederschlagsdaten der vergangenen Jahrzehnte ausgewertet und analysiert, wie viel Regen innerhalb unterschiedlich langer Zeiträume fällt. Dabei zeigten sich zwei Entwicklungen: Bei lokalen Starkregenereignissen fällt heute mehr Regen in kürzerer Zeit als noch vor 30 Jahren, zugleich haben Niederschlagsereignisse insgesamt eine kürzere Dauer. Konkret hat bei kurzen lokalen Regenereignissen die Niederschlagsmenge im Mittel um rund 15 Prozent zugenommen. Je kürzer der betrachtete Zeitraum, desto stärker fällt der Anstieg aus: Bei einstündigen Starkregenereignissen beträgt er rund 20 Prozent. Gleichzeitig hat die Dauer von Niederschlagsereignissen im Schnitt um 10 bis 15 Prozent abgenommen.

Bei länger andauernden, großräumigen starken Niederschlägen fällt der Anstieg der Intensität mit rund sieben Prozent im österreichweiten Mittel geringer aus. Der Unterschied hängt mit den verschiedenen zugrundeliegenden meteorologischen Mechanismen zusammen: Lokale Starkregen werden meist durch Gewitter ausgelöst, großräumige Niederschläge durch Wetterfronten.

Lokal mehr Überschwemmungen

Die Ergebnisse beruhen auf zwei voneinander unabhängigen Messsystemen mit mehr als 200 hochauflösenden Niederschlagsmessstationen in ganz Österreich. „Mit der zunehmenden Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasserereignisse und Überflutungen“, sagt Studienleiter Prof. Günter Blöschl, Hydrologe an der TU Wien. „Die Daten zeigen, dass die stärkste Zunahme dabei an kleinen und mittleren Gewässern zu beobachten ist, nicht bei den großen Flusshochwassern. Gleichzeitig gewinnen durch Starkregen ausgelöste Überflutungen an Bedeutung, die auch abseits von Bächen und Flüssen auftreten, wenn Wasser über die Oberfläche abfließt.“

Die Auswertungen zeigen außerdem, dass sich Hochwasserereignisse heute schneller entwickeln als noch vor 30 Jahren. Dadurch bleibt weniger Zeit, um zu warnen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich der beobachtete Trend zu intensiveren lokalen Starkregenereignissen bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzen wird. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit räumlich begrenzter Hochwasser und Überflutungen weiter an. Wie stark sich die Niederschläge künftig noch verändern können, wird derzeit mithilfe von Modellsimulationen untersucht.

Hochwasserschutz gehört weiterentwickelt

Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten viel in den Hochwasserschutz investiert. „Auf diesem Fundament entwickeln wir die Hochwasservorsorge mit Blick auf neue Herausforderungen wie intensivere lokale Starkregenereignisse laufend weiter“, sagt Umweltminister Norbert Totschnig. „Es geht um die Sicherheit von Menschen, Gebäuden und Infrastruktur. Die Studie liefert uns eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, damit wir auch unter den veränderten Bedingungen bestmöglich auf Hochwasser vorbereitet sind.“

Entscheidend ist dabei laut Boku-Pressemeldung das Zusammenspiel der verschiedenen Maßnahmen: Dämme und Rückhaltebecken bleiben zentral und werden durch naturbasierte Lösungen, vorausschauende Raumplanung und Bauordnung sowie Frühwarnung und Katastrophenschutz ergänzt. Dabei gilt: Rückhalt, wo möglich, Schutz, wo nötig.

Aufgrund der Zunahme sogenannter pluvialer Hochwasser – also Überflutungen durch oberflächlich abfließendes Wasser abseits von Bächen und Flüssen – wird auch die Eigenvorsorge wichtiger. Solche Ereignisse können durch klassische Hochwasserschutzmaßnahmen wie Dämme nicht überall verhindert werden. Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen am eigenen Gebäude sind beispielsweise wasserdichte Kellerfenster, Rückschlagklappen zum Schutz vor Wasser aus der Kanalisation, die Sicherung von Öltanks sowie die hochwassersichere Lagerung von Heizpellets. Eine hilfreiche Ressource für die Planung ist der Leitfaden „Eigenvorsorge bei Oberflächenabfluss“. Zudem informiert das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) mit der Kampagne „Hochwasser – ich schütze mich!“, wie man sich selbst und sein Eigentum wirksam schützen kann.

Totschnig: „Ob ein Hochwasser räumlich begrenzt ist oder großräumig auftritt, macht für die betroffenen Menschen wenig Unterschied. In beiden Fällen können die Folgen katastrophal sein und Existenzen bedrohen. Unsere Vorsorge muss daher alle Formen von Hochwasser berücksichtigen, und das gelingt nur gemeinsam“. Die öffentliche Hand schaffe die notwendigen Rahmenbedingungen und setze Schutzmaßnahmen um. Gleichzeitig leiste die Vorsorge am eigenen Gebäude einen wichtigen Beitrag. „Nur wenn beides ineinandergreift, können wir Risiken verringern und Schäden begrenzen“, betont der Minister.

Die Endergebnisse des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ werden im November 2026 vorgestellt. Der finale Bericht wird Projektionen bis 2100 enthalten und eine wissenschaftliche Grundlage für die weitere Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung bilden. 

Die Studie entsteht im Auftrag des BMLUK sowie der Bundesländer. Durchgeführt wird sie von der Boku University, der TU Wien, der GeoSphere Austria und der Universität Graz. Weitere Infos unter wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel

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