Luftaufnahme einer Gemeinde

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Die Gemeinden: Tragende Säulen im ländlichen Raum

Die Kommunen stehen als kleinste Verwaltungseinheit immer wieder in der Kritik. Ein sachlicher Blick auf die Herausforderungen, Leistungen und Hoffnungsschimmer der Gemeinden.

Die 2092 Gemeinden in 94 Bezirken mit 75.000 Beschäftigten sind nicht nur ein wichtiger Investor und Arbeitgeber im ländlichen Raum, sondern auch Heimat der rund 150.000 bäuerlichen Familienbetriebe.

Immenser Spardruck

Zu hohe Schulden, zu viele Aufgaben und ein gewaltiger Kostendruck bereiten den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern erhebliche Sorgen. Viele Kommunen sind verschuldet, kämpfen mit steigenden Ausgaben und vielfach auch mit einem Verlust an Infrastruktur und Abwanderung junger Menschen. Im Durchschnitt haben Österreichs Gemeinden 3.400 Einwohner, in 1.348 Kommunen leben weniger als 2500 Einwohner, in sieben sogar weniger als 100. Die Gemeinden sind als kleinste Ebene in der Verwaltung in der Bundesverfassung verankert.

Die Gemeinden haben sich zu einer Senkung des Defizits um 25 Prozent verpflichtet.

Der Österreichische Gemeindebund ist die engagierte Interessensvertretung und Teil der mit der Bundesregierung vereinbarten Reformpartnerschaft. Johannes Pressl, ÖVP-Bürgermeister in Ardagger (Niederösterreich), ist seit 2024 Präsident und kennt die Sorgen der Gemeinden. Für ihn sind die Kommunen „demokratischer Nahversorger“. Fest steht, dass die Gemeinden massiv sparen müssen und ihr Defizit im Vorjahr im Rahmen der vereinbarten Reformpartnerschaft um 25 Prozent gesenkt haben. Dafür mussten einerseits die Gebühren erhöht und ein Rückgang an Investitionen in Kauf genommen werden.

Pro Kopf Verschuldung in Wien am höchsten

Wien lag mit fast 5.500 Euro pro Einwohner 2024 an der Spitze der Verschuldung, gefolgt von Vorarlberg mit 3.240 und der Steiermark mit 2.720. In Salzburg ist die Verschuldung mit 870 Euro pro Kopf am geringsten. In Niederösterreich beträgt sie 2.330, in Oberösterreich 1.660, in Tirol 1.600, im Burgenland 1.260 und in Kärnten 1.250. Im Durchschnitt beläuft sich die Verschuldung der Kommunen in Österreich auf 2.640 Euro je Einwohner.

Die prekäre finanzielle Lage der Gemeinden ist auch Gegenstand der Sommergespräche von Bürgermeister*innen in Bad Aussee vom 2. bis 4. September 2026 für die von der Kommunalkredit wichtige Unterlagen erarbeitet und notwendige Kooperationen zwischen den Gemeinden und die immer wieder geforderte Reform des Finanzausgleichs beraten werden. Mehr als 4.500 Schulen und etwa 88.000 Kilometer Straßen fallen in den Verantwortungsbereich der Gemeinden, die mit mehr als 3 Milliarden Euro jährlichen Investitionen den ländlichen Raum stärken und 30.000 Arbeitsplätze sichern.

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Das Gemeindeamt als „demokratischer Nahversorger“ in Stadt und Land

Doch nicht allein das Budget fordert die Kommunen. Auch die Reduktion des immer noch zu hohen Flächenverbrauchs sowie Maßnahmen für den Klimaschutz stehen auf deren Agenda. Es geht darum, lebendige Ortskerne zu erhalten und die Verbauung von Flächen außerhalb der Gemeinden, z.B. für Supermärkte mit großen Parkplätzen, zu vermindern. Im Hinblick auf den Klimaschutz sind vor allem Initiativen im Rahmen von Klima- und Energiemodellregionen zu erwähnen. Vordringlich ist, Maßnahmen für den Klimaschutz und die Energiewende auf Gemeindeebene mit finanzieller Unterstützung des Bundes in aktuell mehr als 100 Kooperationen zwischen den Gemeinden zu realisieren. Vom 12. Bis 14. Juli trafen sich Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus ganz Österreich in Rankweil und Wolfurt in Vorarlberg. Im Mittelpunkt standen Vernetzung, Erfahrungsaustausch und auch die Frage, wie noch mehr Frauen trotz aller Schwierigkeiten für ein Engagement in der Gemeindepolitik motiviert werden können.

Gemeinden werden weiblicher

Fakt ist schon jetzt, die Kommunen werden immer weiblicher. Aktuell werden 247 Gemeinden (11,8 %) von Frauen geleitet, ein Höchststand. Die beiden Gastgeber-Bürgermeisterinnen Katharina Wöß-Krall und Angelika Moosbrugger beurteilten das Treffen in ihren Gemeinden als wichtiges Signal für den weiblichen politischen Nachwuchs. Niederösterreich liegt mit 99 Bürgermeisterinnen (17,3 %) deutlich über dem Österreich-Schnitt, wozu auch der große Einsatz von Bäuerinnen beiträgt. Kärnten ist mit nur 6,8% das Schlusslicht, im Burgenland gibt es 17 Bürgermeisterinnen (9,9 %), in Oberösterreich 52 (11,9 %) und in Salzburgs Gemeinden arbeiten 14 Ortschefinnen (11,8 %). In der Steiermark sind 25 Bürgermeisterinnen (8,8 %), in Tirol 22 (7,9 %) und in Vorarlberg 9 (9,4 %) tätig.

Exakt 247 Bürgermeisterinnen sind aktuell im Amt.

Der Österreichische Gemeindebund unterstützt seit Jahren Projekte für mehr Frauen in der Kommunalpolitik mit internationalen Kontakten (Deutschland, Italien, Schweiz) und stellt vor allem „Girls in Politics“ in die Auslage. Ziel: Möglichst viele Frauen sollen die Gemeindepolitik mitgestalten und zum Sozialkapital im ländlichen Raum beitragen. Viele Ehrenamtliche, Vereine, Kulturinitiativen und sportliche Aktivitäten tragen ebenso dazu bei.

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