Nach einer rund eineinhalbjährigen Pilotphase wird ein Projekt zur Weitergabe von Frischfleisch an soziale Einrichtungen in Wien ausgeweitet. Seit 1. September stellen 30 Billa und zehn Billa Plus Märkte Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus dem Selbstbedienungsbereich karitativen Organisationen zur Verfügung. Entwickelt wurde der Spendenprozess von Die Tafel Österreich und Billa in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelbehörde. Das Projekt wurde seit April 2025 im Testbetrieb mit fünf Billa-Märkten erprobt. Laut den Projektpartnern konnten in dieser Zeit mehr als zwei Tonnen Frischfleisch an soziale Einrichtungen weitergegeben werden. „Während der Bedarf an kostenfreier Lebensmittelhilfe stark gestiegen ist, werden durch optimierte Prozesse im Handel weniger Lebensmittel überschüssig. Das ist grundsätzlich positiv, stellt uns aber vor neue Herausforderungen. Die karitative Lebensmittelweitergabe muss sich daher weiterentwickeln und wir setzen alles daran, neue Warenquellen zu erschließen“, sagt Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Tafel Österreich.
Strenge Vorgaben für Lebensmittelsicherheit
Nach Angaben der Projektpartner wird ausschließlich Fleisch am Tag des Verbrauchsdatums gespendet. Dabei handelt es sich um abgepackte Ware aus dem Selbstbedienungsbereich. Besonders sensible Produkte wie Faschiertes oder Innereien sind von der Weitergabe ausgeschlossen. Die Abholung erfolgt durch die Tafel und die beteiligten Sozialeinrichtungen unter Einhaltung der Kühlkette. Die Einrichtungen entscheiden anschließend, ob das Fleisch unmittelbar verarbeitet, direkt weitergegeben oder tiefgekühlt wird. Geflügel darf aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nur weitergegeben werden, wenn es noch am Tag des Verbrauchsdatums vollständig durcherhitzt beziehungsweise verkocht wird.
Häferl führt zweiten Fleischtag ein
Zu den teilnehmenden Einrichtungen zählt unter anderem das Häferl der Stadtdiakonie Wien im 6. Bezirk. Das „Wirtshaus für Alle“ versorgt armutsbetroffene und wohnungslose Menschen mit frisch gekochten Mahlzeiten und zählt nach eigenen Angaben bis zu 400 Besucherinnen und Besucher pro Tag. Durch die Teilnahme am Pilotprojekt wurde ein zweiter Fleischtag pro Woche eingeführt.
Zusammenarbeit gegen Lebensmittelverschwendung
Die Tafel Österreich stellt den teilnehmenden Organisationen ihr Know-how aus der karitativen Lebensmittelweitergabe, einen Leitfaden für den sicheren Umgang mit Fleischspenden sowie eine digitale Plattform zur Erfassung der geretteten Mengen zur Verfügung. Der Verein koordiniert zudem die Abholung und Verteilung der Lebensmittel.
Nach Angaben von Billa ist das Fleischspendenprojekt Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung. Dazu zählen unter anderem Lebensmittelspenden an karitative Einrichtungen, vergünstigte Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum, sogenannte Rettersackerl sowie die Weiterverarbeitung nicht mehr verkäuflicher Lebensmittel.
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