Alljährlich gibt die LK Österreich zum Erntestart einen Ausblick auf die Getreideernte und lässt das Ackerbaujahr der Winterungen Revue passieren. So geschehen diese Woche in Deutschkreutz im Mittelburgenland. LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger gab gemeinsam mit Nikolaus Berlakovich, Burgenlands LK-Chef und Copa-Vizepräsident, am Wein- und Ackerbaubetrieb Kölly-Pfneisl einen Überblick über die Gemengelage.
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Die Bestände machen optisch Hoffnung, die tatsächlichen Erträge zeigen anderes.
„Die aktuelle Ackerbausaison ist nichts für schwache Nerven“, holte Moosbrugger vor Journalisten aus. Die monatelange Trockenheit und die massive Hitze und Dürre haben ihre Spuren hinterlassen. „Derzeit wird bundesweit mit lediglich 2,7 Millionen Tonnen bzw. einem Minus von 15 Prozent eine deutlich geringere Getreide-Erntemenge als im Vorjahr erwartet“, so der LK-Chef. Berlakovich fügte relativierend hinzu: „Die tatsächlichen Mengen weiß man, wenn abgeliefert wurde.“ Fest stehe aber, dass das Ertragsdefizit in den östlichen Frühdruschgebieten besonders groß sei. „Die Getreideernte hat hier noch nie so früh begonnen wie heuer“, so der Copa-Vizepräsident, der für sein Heimatbundesland eher ein Minus zum Vorjahr in der Größenordnung von 30 Prozent erwartet.
Im Mittel fehlt eine Tonne im Tank
„Die Qualitäten sind gut, aber die Menge fehlt“, fasst es Josef Moosbrugger zusammen. Auf Basis der Daten von Statistik Austria und der AMA ist heuer von einer um 452.805 Tonnen geringeren Gesamtproduktion bei Getreide auszugehen. Die Durchschnittserträge über alle Getreidekulturen hinweg dürften um neun Dezitonnen (13,9 %) auf lediglich 5,3 Tonnen fallen. Besonders groß fällt das erwartete Ertragsminus (1 Tonne) im Vorjahresvergleich beim zunehmenden Stiefkind Sommergerste aus, auch im Roggen sollen die Erntemengen heuer im Mittel um 18 Prozent geringer sein. Konkret sind 4,3 Tonnen Durchschnittsertrag prognostiziert. Glimpflich dürfte die Wintergerste mit einem Minus von gut zwölf Prozent davongekommen sein. Mit einem Österreich-Schnitt von 6,3 Tonnen fehlen dennoch drei Dezitonnen auf das Fünfjahresmittel. Triticale bewegt sich mit 5,6 Tonnen pro Hektar auf dem mehrjährigen Durchschnittsniveau.
Copyright © Statistik Austria; Zahlen Fläche AMA MFA (Stand 16.04.2026); Nayan - Stock.Adobe.com
Überdurchschnittlich hoch ist das prognostizierte Defizit indes bei Weichweizen und Durum, beide sollen mehr als 15 Prozent weniger Ertrag bringen als im Vorjahr. Die LK nennt hier 5,3 beziehungsweise 4,9 Tonnen als erwartete Durchschnittserträge je Hektar.
Erneut rote Zahlen?
Das bestätigt auch Gerhard Pfneisl, der im Vorjahr seinen Betrieb in Deutschkreutz an Tochter Lisa übergab. Besonders der Rübenweizen bereitet dem Altbauern Kopfzerbrechen. „Die Felder sehen gut aus, Protein und Hektolitergewicht stimmen, aber es fehlt die Menge.“ Pfneisls erwarten heuer auf ihren Weizenflächen im Mittel vier Tonnen Ertrag, nach Soja etwas mehr.
„Rote Zahlen hat es in unserem Haus nie gegeben, im Vorjahr war es das erste Mal so weit. Und heuer bin ich mir auch noch nicht sicher, ob wir hier eine schwarze Null zusammenbringen“, resümiert der Ackerbauer aus dem Mittelburgenland. Familie Pfneisl ist mit dieser Situation nicht allein, wie der LKÖ-Präsident anmerkt: „Die Wirtschaftlichkeit ist angesichts der auseinanderklaffenden Preis-Kosten-Schere nicht gegeben.“ Neben dem Klima seien auch die EU-Politik mit Kürzungsplänen und zusätzlichen Auflagen und der kontinuierliche Wegfall von Pflanzenschutz-Wirkstoffen die (bekannten) Sorgenkinder des heimischen Ackerbaus. Am Kassamarkt dümpeln die Notierungen indes dahin. Die Wiener Produktenbörse meldete am Mittwoch für Premiumweizen 210 Euro je Tonne, Qualitätsweizen wurde für zehn Euro weniger gehandelt. Futtergerste erlöste im Großhandel indes 160 Euro.
Schüttere Bestände als Ursache
Die schwächelnden Erträge dürften laut LK-Pflanzenbau-Ausschussvorsitzendem Berlakovich heuer kleinregional massiv streuen. Speziell auf leichten Standorten habe die Frühjahrstrockenheit zu reduzierten ährentragenden Halmen je Quadratmeter geführt: „Dort sind sehr dünne Getreidebestände festzustellen.“ Spannend bleibt die Entwicklung auch mit der anlaufenden Ernte in den westlicheren Gebieten der Republik. Hier sei laut Berlakovich mit Bildung von Schmachtkörnern oder aber ungleichmäßiger Abreife zu rechnen. Zusätzlich kann die Trockenheit Qualitätsprobleme verursachen, wenn die Körner nicht ausreichend gefüllt werden und teilweise zu sogenannten Schmachtkörnern werden“, so Berlakovich.
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Volle Ähren, aber schüttere Bestände.
Keine Markteingriffe, aber funktionierende Rahmenbedingungen gefordert
Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage stellten Moosbrugger und Berlakovich vor Ort auch politische Forderungen. „Den Markt politisch beeinflussen zu wollen, wäre das falsche Signal, aber es braucht Rahmenbedingungen“, so die LK-Spitze. Dringenden Handlungsbedarf sieht man beim Thema Düngemittelpreise. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass europäische Bäuerinnen und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten Düngemittelpreisen konfrontiert sind und noch zusätzlich durch Schutzmaßnahmen für die Industrie, wie den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), belastet werden“, betonte der LK-Präsident, der Entschärfungen fordert und sich einmal mehr für wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen einsetzt.
Den Markt politisch beeinflussen zu wollen, wäre das falsche Signal, aber es braucht Rahmenbedingungen.
Josef Moosbrugger
LK-Österreich-Präsident
Für eine Kurskorrektur plädiert Nikolaus Berlakovich in puncto GAP: „Reformvorschläge, welche die GAP schwächen oder Kürzungen im Bereich der Agrar-Umweltmaßnahmen vorsehen, lehnen wir entschieden ab.“ Gleichzeitig müssten die angekündigten Vereinfachungen und Entbürokratisierungen mittels Omnibusverfahren tatsächlich zu einer spürbaren Reduktion des Verwaltungsaufwandes und zu mehr Planungssicherheit für die Betriebe führen, unterstrich der COPA-Vizepräsident.
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