Hitzewelle im Anmarsch: Was hohe Temperaturen für die Landwirtschaft bedeuten

Die angekündigte Hitzewelle bringt nicht nur für die Bevölkerung Belastungen mit sich. Auch in der Landwirtschaft steigen mit jedem Grad Celsius die Herausforderungen.

Getreidefelder_im_Juni

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Von Trockenstress auf den Feldern über steigende Bewässerungskosten bis hin zu Hitzebelastung bei Rindern, Schweinen und Geflügel. Viele Betriebe müssen ihre Arbeitsabläufe an die kommenden extremen Temperaturen anpassen.

In den kommenden Tagen wird es laut Meteorologen tagelang drückend schwül sein. Es sind Temperaturen um 32 Grad zu erwarten, am Wochenende stellenweise sogar über 35 Grad. Gleichzeitig steigt auch die Gewittergefahr. Vor allem Hagel entsteht in solchen schwülen Phasen.

Landwirtschaft zwischen Ertragsrisiko und Arbeitsbelastung

Mit den angekündigten Temperaturen von deutlich mehr als 30 Grad beginnt für viele landwirtschaftliche Betriebe eine besonders arbeitsintensive Zeit. Feldarbeiten werden vielfach in die frühen Morgenstunden oder auf den Abend verlegt, um die körperliche Belastung für Bäuerinnen und Bauern möglichst gering zu halten. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf von Kulturpflanzen deutlich an.

Für viele Ackerbaubetriebe kommt die Hitzewelle in einer sensiblen Phase. Winterweizen, Triticale und Roggen befinden sich derzeit großteils in der Kornfüllung. In dieser Entwicklungsphase entscheidet sich maßgeblich, wie gut die Körner ausgebildet werden und welches Hektolitergewicht letztlich erreicht wird. Kurzfristig profitieren die Bestände zwar von warmem Wetter und einer beschleunigten Abreife. Bleiben Niederschläge jedoch über einen längeren Zeitraum aus, kann die Pflanze die Körner nicht mehr optimal versorgen. Die Folge sind kleinere Körner und Ertragseinbußen. Besonders betroffen sind flachgründige Standorte und Regionen mit ohnehin geringer Bodenfeuchte.

Wintergerste steht in vielen Regionen bereits kurz vor der Ernte. Für die Betriebe sind trockene Bedingungen grundsätzlich positiv, da sie die Ernte erleichtern. Gleichzeitig steigt jedoch die Gefahr einer beschleunigten Notreife auf Standorten, die bereits unter Wassermangel leiden.

Wiesen und Weiden reagieren oft rascher auf ausbleibende Niederschläge. Zahlreiche Betriebe haben den ersten Schnitt bereits eingebracht, vielerorts läuft aktuell das Wachstum für den zweiten Schnitt. Hohe Temperaturen beschleunigen zwar zunächst das Pflanzenwachstum, gleichzeitig steigt aber die Verdunstung massiv an. Bleibt Regen aus, verlangsamt sich der Aufwuchs innerhalb weniger Tage deutlich. Besonders in den trockeneren Regionen Ostösterreichs beobachten Landwirte regelmäßig, dass Sommerhitze die Futterproduktion erheblich einschränken kann.

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Wasser wird zum entscheidenden Produktionsfaktor

Mit zunehmender Hitze gewinnt die Wasserversorgung an Bedeutung. Vor allem Gemüse-, Obst- und Sonderkulturbetriebe sind auf eine ausreichende Bewässerung angewiesen. Gleichzeitig steigt der Druck auf regionale Wasserressourcen. Viele Kulturen befinden sich in entscheidenden Wachstumsphasen, in denen ein gleichmäßiger Wasserhaushalt über Qualität und Ertrag entscheidet. Im Gemüsebau steigt mit den Temperaturen der Bewässerungsbedarf deutlich an. Kulturen wie Salate, Kohlarten oder Zwiebeln reagieren empfindlich auf Wassermangel und Hitzestress. Auch im Obstbau werden die Auswirkungen spürbar. Hohe Temperaturen können Sonnenbrandschäden an Früchten verursachen und die Fruchtqualität beeinträchtigen.

Fachleute sehen deshalb effiziente Bewässerungssysteme, wassersparende Technologien und einen verbesserten Humusaufbau als zentrale Anpassungsmaßnahmen. Humusreiche Böden können Niederschläge länger speichern und helfen dabei, Trockenphasen besser zu überstehen.

Hitzestress belastet Nutztiere

Nicht nur Pflanzen leiden unter hohen Temperaturen. Auch für Nutztiere bedeuten Hitzewellen eine erhebliche Belastung. Besonders Milchkühe reagieren empfindlich auf Hitze. Bereits bei Temperaturen deutlich unter der Körpertemperatur kann sogenannter Hitzestress auftreten. Die Tiere nehmen weniger Futter auf, verbringen mehr Zeit mit der Suche nach Abkühlung und produzieren in vielen Fällen weniger Milch.

Nach Angaben landwirtschaftlicher Fachstellen können hohe Temperaturen zudem Fruchtbarkeit, Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine ausreichende Wasserversorgung, Schattenplätze auf Weiden sowie gut durchlüftete Stallungen sind daher entscheidende Maßnahmen.

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Eine Unterstützung der Kühlung durch hohe Luftgeschwindigkeiten ist das zusätzliche Kühlen der Kühe oder der Stallluft mit Wasser. Beim Einsatz von Wasser zur Kühlung muss unbedingt die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten werden. Daher ist die Kühlung mit Wasser nicht für jeden Stall das geeignete System.

Schweine und Geflügel besonders gefährdet

Schweine verfügen kaum über Möglichkeiten zur körpereigenen Temperaturregulierung, da sie praktisch nicht schwitzen können. Steigen die Temperaturen über längere Zeit an, geraten viele Tiere rasch an ihre Belastungsgrenzen. Ähnliches gilt für Geflügelbestände, bei denen hohe Stalltemperaturen zu Leistungseinbußen und Gesundheitsproblemen führen können. Nutztierexperten empfehlen daher ausreichend Frischwasser, funktionierende Lüftungs- und Kühlsysteme sowie eine möglichst geringe zusätzliche Belastung der Tiere während Hitzeperioden.

Höhere Kosten für die Betriebe

Die Folgen extremer Hitze machen sich auch wirtschaftlich bemerkbar. Zusätzliche Bewässerung, Kühltechnik in Stallungen und steigender Energiebedarf verursachen Mehrkosten. Gleichzeitig können geringere Erträge oder eine reduzierte Futterproduktion die Wirtschaftlichkeit von Betrieben beeinträchtigen. Für viele Bäuerinnen und Bauern wird damit deutlich, dass die Anpassung an häufigere Hitzewellen zunehmend zu einer betrieblichen Notwendigkeit wird. Investitionen in klimaresiliente Produktionssysteme, wassersparende Bewirtschaftungsmethoden und tiergerechte Stallkonzepte gewinnen daher weiter an Bedeutung.

Klimaforscher erwarten mehr Hitzetage

Der Alpenraum erwärmt sich seit Jahrzehnten schneller als der globale Durchschnitt. Laut Umweltbundesamt ist auch in Österreich künftig mit häufigeren und intensiveren Hitzeperioden zu rechnen. Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass Maßnahmen zur Anpassung an Trockenheit und Hitze künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken werden.

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