Die historische Trockenheit sorgt am europäischen Milchmarkt für die lang ersehnte Marktbelebung. Betrug der heimische Erzeugermilchpreis für GVO-freie Rohmilch im Juli laut AMA wegen sinkender Inhaltsstoffe im Mittel noch 44,99 Cent je Kilogramm (netto; Durchschnitt aller Qualitäten, Milchsorten und Inhaltsstoffe), setzte im August endgültig die Trendumkehr ein. Den AMA-Analysten zufolge wurde im Vormonat ein Anstieg auf durchschnittlich 45,50 Cent verzeichnet. „Für August haben nur wenige Molkereien und Sennereien ihre Auszahlungspreise angehoben“, teilt man diesbezüglich mit. Im September sieht das schon anders aus. Brancheninsidern zufolge zahlen die beiden größten Molkereien des Landes nunmehr einen Basispreis von 45,50 Cent (netto).
Rohstoffwert legt zu
Auch andernorts beginnt sich die Preiskurve wieder nach oben zu drehen. Der vom Institut für Ernährungswirtschaft, Kiel (ife) auf Basis der Notierungswerte von Butter und Magermilchpulver an der Süddeutschen Butter- und Käsebörse Kempten berechnete Kieler Rohstoffwert wurde für August bereits nach oben korrigiert. Konkret stieg der Index um immerhin 2,7 Cent auf 38,7 Cent je Kilogramm (ab Hof 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß). Damit nähert sich der ife-Wert nach und nach wieder dem hiesigen Milchpreisniveau an. Begründet wird das Plus den dortigen Analysten zufolge so: „Hitze und Trockenheit vor allem in Süddeutschland und einigen Teilen Europas haben für Verunsicherung bei der Rohstoffverfügbarkeit gesorgt.“ Die Hitze drückte demnach nicht nur die Rohstoffverfügbarkeit, sondern auch die Inhaltsstoffe. Demgemäß stieg in Deutschland das Kaufinteresse sowohl im Inland als auch bei den Exporteuren. Insbesondere Magermilchpulver wurde rege nachgefragt, was sich in einem Preisanstieg auf mehr als 3 Euro je Kilogramm zum Monatsende niederschlug. Auch die Blockbutternotierung legte in Kempten zu.
Selbiges war auch am italienischen Markt zu beobachten. Die von der Handelskammer in Verona wöchentlich publizierte Notierung für Tankmilch aus Österreich und Deutschland zeigte diese Woche wieder ein Plus von mehr als 4 Prozent. Damit erlöst heimische Tankmilch frei Molkerei Norditalien nun wieder bis zu 50 Cent je Kilogramm.
NÖM-Hilfspaket
Für den Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN), Leopold Gruber-Doberer ist die Sache klar: „Einmal mehr zeigt sich, Angebot und Nachfrage regeln den Preis.“ Schon im Frühjahr hatte er gegenüber der BauernZeitung über eine derartige Entwicklung gemutmaßt. „Dass uns die Dürre in dieser Härte trifft, war nicht abzusehen“, ergänzt er dennoch. Die aufgrund des akuten Futtermangels steigenden Schlachtkuhzahlen könnten jedenfalls fatale Folgen für die Marktversorgung haben. „Zur Stunde spüren wir das Defizit noch nicht sehr intensiv“, meint der MGN-Chef, warnt jedoch vor den langfristigen Folgen: „Die Kühe, die heute zum Schlachthof gehen, bringen im nächsten Jahr keine Milch. Das gilt es zu verhindern.“ Das wäre für Verarbeiter und Bauern gleichermaßen dramatisch. Denn Gruber-Doberer erwartet in den kommenden Monaten weitere Zuwächse beim Erzeugerpreis: „Mit rückläufiger Menge wird der Preis in die richtige Richtung gehen.“
Damit die MGN-Bauern davon auch profitieren können, hat die NÖM für ihre Lieferbetriebe ein 8,1 Mio. Euro Hilfspaket für den Ankauf von Futtermitteln und Saatgut geschnürt. Damit will man „rasch und unbürokratisch“ helfen und „sich so auf die Seite der Familienbetriebe stellen, die das Fundament der heimischen Milchwirtschaft bilden“, heißt es in einer Aussendung. Die Unterstützung ist zweckgebunden und wird gegen Nachweis der getätigten Ausgaben ausbezahlt. Durch die Zweckbindung komme jeder Euro dort an, wo er gebraucht werde: bei der Versorgung der Tiere und Sicherung der Höfe.
Copyright © AMA, IFE Kiel
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