Milch läuft in einen Edelstahltank

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Milchmarkt: Die Trendwende ist da

Trotz anhaltender Unsicherheiten und nach wie vor überdurchschnittlichen Milchmengen bewegt sich hierzulande der Erzeugermilchpreis. Nach oben, wohlgemerkt. Das sind die Gründe dafür.

Seit vergangenem Herbst kennt der Bauernmilchpreis – den europäischen Marktentwicklungen folgend – nur eine Richtung, nach unten. Für Juni vermeldet die AMA in ihrer jüngsten Marktanalyse einen durchschnittlichen Erzeugermilchpreis von 45,18 Cent je Kilogramm (netto; Mittel aller Qualitäten, Milchsorten und Inhaltsstoffe). Dies entsprach gegenüber Mai einem Rückgang von 0,74 Cent. „Die von den heimischen Molkereien ausbezahlten Milchpreise blieben zwar stabil, jedoch gingen die für die Auszahlung maßgeblichen Inhaltsstoffe saisonbedingt zurück“, schreiben die Marktanalysten. Für Juli gehen sie von einem durchschnittlichen Preis von 45 Cent je Kilogramm aus. „Obwohl alle Molkereien für Juli stabile Auszahlungspreise gemeldet haben“, wird angemerkt.

Mit August ging der Branchenprimus Berglandmilch nun einen Schritt weiter. Wie Rohstoff-Chef Georg Lehner auf Nachfrage bestätigt, wurde der Basispreis auf netto 43,95 Cent je Kilogramm angepasst. Das entspricht einem Plus von 0,9 Cent.

Festere Kursentwicklung

Die Erhöhung des Bauernmilchpreises ist insofern bemerkenswert, weil die internationalen Marktkennzahlen vorerst kaum Aufbruchstimmung aufkommen lassen. Der vom Institut für Ernährungswirtschaft Kiel(ife) allmonatlich berechnete Rohstoffwert weist für Juli nur eine Preisbefestigung aus.

Demnach ließ sich – auf Basis der Notierungen an der Süddeutschen Butter- und Käsebörse Kempten – mit der Milchverwertung aus dem Verkauf von Milchfett und Milcheiweiß exakt 36 Cent (ab Hof 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß) erlösen. Der Rohstoffwert konnte sich, nach dem erneuten Rückgang im Juni, um lediglich 0,3 Cent verbessern.

Das ife-Institut spricht von „saisonüblichem Marktgeschehen“ und leicht „festeren Preistendenzen“. So verzeichnete die Magermilchnotierung im Monatsvergleich ein Plus von einem Prozent, jene für Blockbutter zog um 1 Cent an. Nach wie vor volatil gestaltet sich das Buttergeschäft an der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) in Neuseeland. Seit dem letzten Preishoch im März hat die Notierung dort um mehr als ein Fünftel an Wert eingebüßt. Auch die von der Handelskammer in Verona (Italien) wöchentlich publizierte Notierung für Tankmilch aus Österreich und Deutschland zeigte Ende Juli wieder eine rückläufige Tendenz. Dort wurde am Montag der Vorwoche lediglich 43 bis 45 Cent pro Kilogramm (3,6 % Fett) frei Molkerei Norditalien erlöst. Nichtsdestotrotz ist die deutliche Nachfragebelebung samt Preisanstieg, seit dem Tief von gerade einmal 23 Cent im März, nicht von der Hand zu weisen.

Wir sind in Vorleistung gegangen. Der Markt ist aufnahmefähig.

Georg Lehner

Rohstoff-Chef Berglandmilch

Die Analysten in Kiel begründen die Preisfestigung mit einer hitzebedingt knapperen Rohstoffverfügbarkeit Anfang Juli. Wie bundesdeutsche Insider berichten, war dieser Effekt mit der Abkühlung zur Monatsmitte allerdings wieder verpufft. Somit bewegt sich die deutsche Milchanlieferung weiterhin 4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Ähnlich hoch fiel hierzulande laut AMA das Milchmengenplus im Juni aus. Konkret wurden 308.176 Tonnen Rohmilch der Verarbeitung zugeführt, was einem Zuwachs von 4,8 Prozent gegenüber 2025 entspricht. Daran hat sich – trotz Hitze – bis dato nichts geändert, wie auch Georg Lehner von der Berglandmilch bestätigt. Er sichtet wöchentlich die angelieferten Milchmengen und weiß: „Wir liegen immer noch vier bis fünf Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.“

Bleibt die Frage warum Berglandmilch dennoch bereits jetzt den Erzeugerpreis anheben konnte. „Wir sind in Vorleistung gegangen“, erklärt der Rohstoff-Chef. Die Führungsriege von Österreichs größtem Milchverarbeiter sieht eine „Trendwende“, entsprechend war man in Erwartung steigender Preise zu diesem Schritt bereit. „Der Markt ist aufnahmefähig“, ist Lehner überzeugt, vorhandene Mengen hin oder her. Er rechnet zwar mit einem moderaten Rückgang des EU-Milchaufkommens, einen Einbruch aufgrund der Hitzewelle erwartet er aber nicht. „Wir werden uns auf dem Vorjahresniveau einpendeln“, so sein Ausblick. Als Schlüssel für stabile Preise in volatilen Zeiten sieht die Berglandmilchführung übrigens einen möglichst „breiten Verwertungsmix“: „Die Breite gibt Sicherheit“.

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