Das Dürrejahr 2026 hat auch die (ohnehin reduzierten) Rübenbestände massiv geschädigt. „Bei den Zuckerrüben konnten die späten Regenfälle im September die Entwicklung der Kulturen kaum mehr verbessern“, weiß Agrana-Sprecher Markus Simak. Die Ertragserwartungen des Konzerns liegen demnach deutlich unter jenen des Vorjahres (79 Tonnen je Hektar). Der Dachverband der heimischen Rübenbauernorganisationen „Die Rübenbauern“ erwartet Erträge, „wie seit Jahrzehnten nicht mehr“: „Die aktuelle Ertragsschätzung für Österreich liegt bei nur noch 55 Tonnen pro Hektar und somit etwa 25 Tonnen unter den Vorjahren.“
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Die massive Dürre konnte durch vereinzelte September-Niederschläge nicht mehr kompensiert werden.
Betont wird auch, dass heuer ein „ganz deutliches West-Ost-Gefälle“ zu erwarten ist. Das verwundert wenig, beträgt das Niederschlagsdefizit, etwa im nördlichen Weinviertel, heuer nahezu 70 Prozent. „Auf manchen Standorten liegt die Ertragserwartung sogar unter 30 Tonnen pro Hektar“, prognostizieren die Rübenbauern.
Hundert-Tage-Kampagne zu erwarten
Nach wenig zufriedenstellenden Proberodungen wurde der Start der Rübenkampagne deshalb bis Anfang Oktober verschoben. Die Übernahme startet heuer am 5. Oktober, die Verarbeitung in Tulln nimmt zwei Tage später den Betrieb auf. Laut Rübenbauern wird die Gesamternte auf 1,2 Mio. Tonnen geschätzt, entsprechend sei eine Kampagnendauer von 100 Tagen zu erwarten.
Zu wenig Zucker für den Heimmarkt
Bekanntlich waren für das laufende Erntejahr lediglich 22.000 Hektar Kontraktfläche vergeben worden, was vor allem der hohen globalen Zuckerlagerstände und der entsprechend geringen Weltmarktpreise geschuldet war. Der wieder stärkere Befall mit Rübenderbrüssler reduzierte das Flächenausmaß zusätzlich. „Damit tritt heuer ein, wovor wir schon immer gewarnt haben, dass die Eigenversorgung Österreichs mit heimischem Zucker nicht mehr gegeben ist“, monieren die Rübenbauern-Vertreter. Sie gehen von einer Gesamtproduktion von 200.000 Tonnen Weißzucker aus. Dieser steht ein Inlandsbedarf von etwas weniger als 300.000 Tonnen gegenüber.
Aufwärtstrend am Zuckermarkt
Beruhigendes Zeichen: Das ist nicht nur in Österreich so. Die EU-Anbaufläche fiel heuer um 6 Prozent niedriger aus. Aufgrund der Dürre dürfte die europäische Produktion sogar um 15 Prozent sinken. Das spiegelt sich auch in den Weltmarktpreisen wider. Seit Anfang August ist eine deutliche Erholung der Zuckerkurse an den Warenterminbörsen zu beobachten. Auch der Rübenbauernverband erwartet nun wieder ausgeglichenere Verhältnisse am Binnenmarkt. „Dies wird sich im nächstjährigen Rübenanbau in Form von höheren Rübenpreisen positiv bemerkbar machen“, wird betont.
Kontrahierung für 2027 bereits möglich
Diese Chance will auch Österreichs Zuckerhersteller Agrana für die Inlandsproduktion nutzen. Bereits seit Mitte September läuft deshalb die Kontrahierung für den Rübenanbau 2027. Agrana plant die Anbauflächen sowohl für konventionelle Rüben als auch für Bio-Rüben deutlich zu erhöhen und strebt für 2027 eine Rübenanbaufläche von insgesamt 25.000 Hektar an. Auch die Bio-Rübenfläche soll auf rund 1.000 Hektar zulegen. Damit wird wieder das Flächenniveau von 2025 avisiert und somit wohl eine vollständige Auslastung der Zuckerfabrik Tulln erreicht.
Fixe Konditionen, neues Pool-Angebot
Auch bei den Rahmenbedingungen für den Anbau herrscht heuer schon jetzt Planungssicherheit. Bekanntlich wurde für die Jahre 2026 bis 2028 eine Branchenvereinbarung zwischen Agrana und Erzeugerorganisationen geschlossen. Die Rübenpreisableitung vom Zuckerpreis und die Logistikregelung gelten somit unverändert.
Neu ist für den Anbau 2027 eine angebotene „Pool-Fläche“ von 2.000 Hektar. Für diese Fläche garantiert Agrana die Auszahlung des Kontraktrübenpreises. Das Angebot richte sich insbesondere an Betriebe, die ihre Rübenanbaufläche über das bestehende Lieferrecht für 2027 hinaus erhöhen möchten. „Mit der Kontrahierung einer ‚Pool-Fläche‘ vermeiden Sie, dass für diese zusätzlichen Rüben nur der Überrübenpreis (die Hälfte des Kontraktrübenpreises) ausbezahlt wird“, erklärt Agrana-Sprecher Simak. Die Vergabe erfolge nach dem Prinzip „first come – first served“. „Sobald die Pool-Fläche von 2.000 Hektar vollständig vergeben ist, dient wieder das individuelle Lieferrecht als Bemessungsgrundlage“, ergänzt er.
Damit wird sichergestellt, dass der Einstieg sowie die Ausweitung des Rübenanbaus zu vernünftigen und planbaren Bedingungen möglich sind.
Die Rübenbauern
Auch die Rübenbauern werten das neue Modell positiv: „Damit wird ein wichtiger Anreiz geschaffen, die Zuckerrübenfläche zumindest auf dem Niveau des Vorjahres zu halten und möglichst sogar etwas darüber.“ Um dieses Ziel zu erreichen, werden Lieferrechte, die von einzelnen Landwirten zurückgegeben werden, zu den gleichen Konditionen an interessierte Betriebe wieder ausgegeben. „Damit wird sichergestellt, dass der Einstieg sowie die Ausweitung des Rübenanbaus zu vernünftigen und planbaren Bedingungen möglich sind“, schreiben die Bauernvertreter.
So kommt man zum Kontrakt
Ein Kontraktabschluss ist für Interessierte im Online-Tool RIS der Agrana unter ris.agrana.com möglich. Auch das Agrana-Rohstoffteam steht per Mail ([email protected] ) für Fragen zur Verfügung. Zusätzlich werden im November auch wieder regionale Kontrahierungsversammlungen abgehalten. Bis dahin stehen auch örtlich zuständige Rübenbauernorganisationen beratend zur Seite.
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