Trinkende Frau

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Umfrage zur Wasserversorgung: 90 Prozent sehen Risiken für die Landwirtschaft

Eine aktuelle Marketagent-Umfrage zeigt deutlich gestiegenes Problembewusstsein: 61 Prozent der Befragten erwarten künftig Probleme bei der Wasserverfügbarkeit

Wasser gilt in Österreich traditionell als selbstverständliche Ressource. Doch dieses Bild verändert sich. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent zeigt, dass die Sorge um die heimische Wasserversorgung innerhalb von drei Jahren deutlich gestiegen ist. 61 Prozent der Befragten rechnen damit, dass es in Österreich innerhalb der nächsten zehn Jahre zu Problemen bei der Wasserverfügbarkeit kommen wird. Besonders aufmerksam wird die Entwicklung mit Blick auf Landwirtschaft und Wälder verfolgt. Für die Untersuchung befragte Marketagent zwischen 29. Juli und 5. August 2026 insgesamt 1.000 Personen im Alter von 14 bis 75 Jahren. Die Stichprobe wurde nach Angaben des Instituts repräsentativ für die österreichische Bevölkerung quotiert und gewichtet. Bereits 2023 war eine vergleichbare Erhebung durchgeführt worden.

Wahrnehmung der Wasserverfügbarkeit verändert sich

Wie stark sich die Einschätzung innerhalb weniger Jahre verändert hat, zeigt der Vergleich besonders deutlich. 2023 bewerteten 23,8 Prozent die aktuelle Verfügbarkeit von Wasser und Trinkwasser in Österreich als sehr oder eher problematisch. 2026 sind es 45,7 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 21,9 Prozentpunkte.

Auch der Blick auf die Zukunft fällt kritischer aus. 61,1 Prozent gehen mittlerweile davon aus, dass die Wasserverfügbarkeit in Österreich in zehn Jahren ein Problem darstellen könnte. 2023 waren es 48,9 Prozent. Die Zahlen beschreiben dabei zunächst die Wahrnehmung der Bevölkerung und nicht die tatsächliche Entwicklung der österreichischen Wasserressourcen. Sie zeigen aber, dass Wasserknappheit zunehmend als relevantes Zukunftsthema wahrgenommen wird. „Wasserknappheit ist für viele Menschen mittlerweile kein abstraktes Zukunftsszenario mehr“, erklärt Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl. Ausgetrocknete Böden, niedrige Pegelstände und außergewöhnliche Hitze würden die Entwicklung unmittelbar sichtbar machen.

Trockenheit wird stärker wahrgenommen

Auch die Einschätzung der Niederschlagsentwicklung hat sich gegenüber der ersten Erhebung deutlich verändert. 79,6 Prozent der Befragten geben an, dass heuer im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren etwas oder deutlich weniger Niederschlag gefallen sei. 2023 waren es 33,5 Prozent. Von jenen Personen, die eine Veränderung der Niederschlagsmenge wahrnehmen, sehen 61,1 Prozent darin eher eine nachhaltige Entwicklung. 38,9 Prozent gehen hingegen von einer eher vorübergehenden Erscheinung aus. Auch hier zeigt der Zeitvergleich eine Veränderung: 2023 bewerteten 56,9 Prozent die Entwicklung als eher nachhaltig.

Ähnlich fällt die Wahrnehmung bei heimischen Gewässern aus. 43 Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben einen starken Rückgang der Wasserstände von Seen und Flüssen festgestellt, weitere 40,4 Prozent zumindest einen leichten. Insgesamt nehmen damit 83,5 Prozent einen Pegelrückgang wahr. 2023 waren es 63,1 Prozent.

Landwirtschaft im Fokus

Besonders relevant für den ländlichen Raum ist die Frage nach den möglichen Folgen. 90 Prozent der Befragten halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, dass Wasserknappheit die Landwirtschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre beeinträchtigen wird. Noch höher fällt die Einschätzung bei der Waldbrandgefahr aus: 91,7 Prozent rechnen mit einer Zunahme. Auch zunehmend unregelmäßige Regenfälle (88,1 Prozent), Murenabgänge aufgrund ausgetrockneter Böden (84,4 Prozent) und gesetzliche Einschränkungen bei Wasserverbrauch und -nutzung (81,7 Prozent) werden von einer Mehrheit erwartet.

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So schätzen die Befragten in den nächsten 10 Jahren die Gefahren aufgrund von Wasserknappheit in Österreich ein.

56,2 Prozent halten zudem eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch fehlendes Trinkwasser für wahrscheinlich. Auch eine Unsicherheit beziehungsweise Verteuerung der Energieversorgung wird von 80,9 Prozent erwartet. Damit wird Wasserknappheit in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausschließlich mit Trinkwasser verbunden. Vielmehr wird sie als Thema gesehen, das Landwirtschaft, Umwelt, Energieversorgung und weitere Bereiche betreffen könnte.

Trinkwasser bleibt besonders wertvoll

Gleichzeitig zeigt die Studie, welchen hohen Stellenwert Wasser in Österreich besitzt. 84,3 Prozent bewerten den Zugang zu sauberem Trink- und Quellwasser als „sehr wertvoll“. Damit liegt dieser Punkt an der Spitze der abgefragten österreichischen Errungenschaften. Dahinter folgen die umfassende Gesundheitsversorgung mit 71,1 Prozent und die hohe Luftqualität mit 70,7 Prozent. Der hohe Stellenwert bedeutet allerdings nicht, dass die Trinkwasserversorgung tatsächlich vor einem flächendeckenden Engpass steht. Beim Trinkwassergipfel Ende Juli betonten Bund, Länder und Wasserversorger, dass die Versorgung der Bevölkerung weiterhin sicher sei. Umweltminister Norbert Totschnig erklärte, Österreich verfüge über eine flächendeckende, sichere und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig verwies er angesichts niedriger Grundwasserstände und der trockenen ersten Jahreshälfte auf die zunehmende Bedeutung der Vorsorge.

Infrastruktur soll Versorgung absichern

Der Bund setzt deshalb unter anderem auf Investitionen in die Wasserinfrastruktur. Seit 2023 wurden laut Angaben des Umweltministeriums mehr als 7.000 Projekte der Siedlungswasserwirtschaft gefördert, darunter mehr als 3.000 Maßnahmen für die Trinkwasserversorgung. Insgesamt wurden dabei 1,5 Milliarden Euro investiert. Errichtet wurden unter anderem mehr als 1.500 Kilometer Wasserleitungen, rund 370 neue beziehungsweise gesicherte Brunnen und Quellen sowie zusätzliches Speichervolumen von mehr als 94.000 Kubikmetern. Auch die Datengrundlage soll verbessert werden. Seit 2023 arbeitet das Umweltministerium gemeinsam mit GeoSphere Austria an der frühzeitigen Erkennung von Trockenheit und möglicher Wasserknappheit. Geplant ist außerdem ein österreichweites Wasserentnahmeregister für größere Entnahmen.

Für die Landwirtschaft bleibt die Situation dennoch sensibel. Bewässerung kann in trockenen Jahren notwendig sein, um Erträge und Qualität abzusichern. Dieses Jahr ist das beste Beispiel dafür, welche Auswirkungen die Hitze auf landwirtschaftliche Kulturen habe. Gleichzeitig steht die landwirtschaftliche Nutzung in Konkurrenz zu anderen Wasserbedarfen. Beim Trinkwassergipfel wurde deshalb auch auf die regional sehr unterschiedlichen Voraussetzungen hingewiesen. Wasserverfügbarkeit und Nutzungskonflikte lassen sich demnach nicht pauschal für ganz Österreich beurteilen.

Bewusstsein steigt, aber Verbrauch wird unterschätzt

Die Marketagent-Umfrage zeigt außerdem eine Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Wissen über den tatsächlichen Wasserverbrauch. 86,1 Prozent geben an, zumindest ein wenig auf ihren täglichen Wasserverbrauch zu achten. 26,2 Prozent tun dies nach eigenen Angaben sehr genau, 59,8 Prozent zumindest ein wenig. Beim tatsächlichen Verbrauch fällt die Selbsteinschätzung allerdings deutlich niedriger aus. Die Befragten schätzen ihren persönlichen täglichen Wasserverbrauch im Durchschnitt auf 85,4 Liter. Der tatsächliche Wasserverbrauch beträgt allerdings etwa 130 Liter pro Tag und Kopf.

Auch bei konkreten Einschränkungen zeigt sich eine hohe Bereitschaft zu Einsparungen, wenn diese notwendig werden sollten. Ein Verbot der Autowäsche würden 85,1 Prozent befürworten, ein Einlassverbot für private Pools 78,2 Prozent. Ein Gießverbot im Garten findet bei 54,4 Prozent Zustimmung. Weniger Zustimmung erhalten die Schließung von Bädern mit 51,8 Prozent und die Festlegung bestimmter Wassergebrauchszeiten im privaten Haushalt mit 39,5 Prozent.

Zwischen Sorge und Vorsorge

Die Ergebnisse der Studie zeigen damit vor allem eines: Das Bewusstsein für Wasser als begrenzte und schützenswerte Ressource ist in der österreichischen Bevölkerung gestiegen. Für die Landwirtschaft ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Wasser ist einerseits unverzichtbare Produktionsgrundlage, andererseits Teil einer Ressource, deren Nutzung zunehmend stärker öffentlich diskutiert wird. Ob und in welchem Ausmaß sich daraus tatsächlich regionale oder österreichweite Versorgungskonflikte entwickeln, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung von Niederschlag, Grundwasser, Temperaturen, regionaler Verfügbarkeit und dem Wasserbedarf der unterschiedlichen Verbraucher ab. Gerade deshalb dürfte das Thema Wasser Österreich auch in den kommenden Jahren beschäftigen.

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