Forschung

Copyright © StockMediaSeller – stock.adobe.com

Was bedeuten Neue Genomische Techniken für die Landwirtschaft?

AGES und BAB analysieren in neuer Studie Auswirkungen von NGT-1-Pflanzen in Österreich sowie den Schutz der biologischen und gentechnikfreien Produktion.

Österreich gehört in Europa zu den Ländern mit dem am stärksten entwickelten und am breitesten etablierten System für gentechnikfreie und biologische Lebensmittelproduktion. Mit der neuen EU-Verordnung für Neue Genomische Techniken (NGT) werden sogenannte NGT-1-Pflanzen nach einer behördlichen Prüfung und Bestätigung des Status als NGT-Pflanze der Kategorie 1 EU-rechtlich wie konventionell gezüch-tete Pflanzen behandelt. Nach den Kriterien der Verordnung können die genetischen Veränderungen der NGT-Pflanzen auch natürlich auftreten oder durch konventionelle Züchtung entstehen.

Die EU-NGT-Verordnung wird ab Mitte Juli 2028 anzuwenden sein. Das bedeutet, dass ab Juli 2028 derartige NGT-1-Pflanzen auch in Österreich auf den Markt kommen und angebaut werden dürfen. Für eine wissenschaftliche und faktenbasierte Herangehensweise an die Anpassung der entsprechenden Regulierungen in Österreich finanzieren das Landwirtschaftsministerium (BMLUK) und das Ministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGPK) die NGT-AT-Studie.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) analysieren nun bis Ende 2027 die potenziellen agronomischen, betriebswirtschaftlichen und anderen Auswirkungen von NGT-1-Pflanzen in Österreich. Die neuen EU-rechtlichen Vorgaben werfen für Österreich insbesondere Fragen zur Absicherung der biologischen und gentechnikfreien Produktion sowie zur Trennung unterschiedlicher Produktions- und Vermarktungsketten auf. NGT-1-Pflanzen können aber auch Möglichkeiten bieten, wie zum Beispiel höhere Widerstandskraft gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, verbesserte Inhaltsstoffe oder auch gezielte beziehungsweise beschleunigte Züchtung von trockenheitstoleranten Sorten.

Ziel: Lösungen für Koexistenz

Die NGT-AT-Studie wird von mehr als 30 Experten wissenschaftlich aufgearbeitet. „Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage, wie sich die Anwendung bzw. Nicht-Anwendung auf landwirtschaftliche Betriebe, vor- und nachgelagerte Sektoren sowie die Kontrolle auswirken könnte”, betont Projektleiterin Alexandra Ribarits von der AGES. Besonderes Augenmerk gilt den unterschiedlichen Produktionssystemen, insbesondere der konventionellen Landwirtschaft sowie der in Österreich wirtschaftlich bedeutenden biologischen und gentechnikfreien Produktion.

Beim Ackerbau konzentriert sich das Projektteam auf Koexistenzfragen bei NGT-1- und Nicht-NGT-1-Flächen von ausgewählten Kulturen, wie etwa Kartoffel, Soja, Mais und Weizen im Weinviertel. Bei der Milchviehhaltung im Voralpenland fokussiert sich das Projektteam auf die Verfügbarkeit von NGT-1-freien Futtermitteln, Feldfutter und in weiterer Folge Milch.

Einbindung der Betroffenen

In das Projekt werden relevante Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette eingebunden, um zentrale Wirkungszusammenhänge wie Saatgutbeschaffung, Futtermittelproduktion, Lagerung, Transport und Vermarktung zu identifizieren. Am 31. August fand nun eine Auftaktveranstaltung statt, bei der erste Analysen und weitere Schritte vorgestellt wurden.

Weitere Artikel