Was 1951 als Jugendwerk der Landwirtschaftskammer Oberösterreich begann, ist heute aus dem ländlichen Raum nicht mehr wegzudenken: die Landjugend Oberösterreich. Seit 75 Jahren bringt sie junge Menschen zusammen, gibt ihnen Raum, Verantwortung zu übernehmen, Ideen zu verwirklichen und Gemeinschaft zu erleben. Vieles hat sich in diesen sieben Jahrzehnten verändert. Was aber geblieben ist, ist die Bereitschaft junger Menschen, ihr Umfeld selbst mitzugestalten. 2026 wird deshalb nicht nur ein Jubiläum gefeiert, sondern 75 Jahre Engagement, Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft.
Davon ein Lied singen kann auch Rosemarie Ferstl, Vizepräsidentin der OÖ Landwirtschaftskammer, selbst in jungen Jahren bei der Landjugend. „Die Zeit dort war prägend für das ganze Leben und hat Freundschaften gebracht, die bis heute halten“, schildert Ferstl. Mehr noch: Auch ihren heutigen Gatten habe sie bei der Landjugend kennengelernt.
2.754 ehrenamtliche Funktionäre
Neben solcher privaten Erfolgsgeschichten wird die Organisation vom Engagement unzähliger ehrenamtlich Aktiver getragen. In Oberösterreich sind es aktuell 2.754, die als Funktionäre auf allen Ebenen mitgestalten. An der Spitze stehen derzeit Rita Aigner und David Schasching als Landesleiterin und Landesleiter. Partnerschaftliche Führung hat in der Landjugend eine lange Tradition: Diese gibt es seit den 1970er-Jahren. „Das ist bis heute einzigartig in der Vereinsstruktur in Österreich“, betont David Schasching. Schon seit dieser Zeit hat sich die Organisation auch gegenüber Mitgliedern ohne bäuerlichen Hintergrund geöffnet. Heute liegt der Anteil an Mitgliedern mit direktem Bezug zur Landwirtschaft bei 41 Prozent. Insgesamt sind 43 Prozent der Mitglieder weiblich, 57 Prozent männlich. Burschen seien im Durchschnitt etwas länger bei der Landjugend aktiv, heißt es dazu. Generell sei man zwischen 14 und 35 Jahren willkommen, danach gibt es die „Freunde der Landjugend“.
„Die Landjugend Oberösterreich vermittelt jungen Menschen Werte, Fachwissen und Verantwortungsbewusstsein und legt damit das Fundament für engagierte Führungspersönlichkeiten von morgen“ ist Rosemarie Ferstl überzeugt. Die Landjugend sei Talenteschmiede, Bildungsplattform und wichtiger Motor für die Entwicklung des ländlichen Raums, sie habe Generationen von Jugendlichen auf ihrem Weg begleitet und auf Führungsaufgaben in Landwirtschaft, Ehrenamt, Wirtschaft und Gesellschaft vorbereitet, so die Vizepräsidentin.
Brücke zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft
Dadurch ergebe sich ein Mehrwert für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. So sei etwa das Projekt „Landwirtschaft goes Schule“ hervorzuheben: Landjugend-Mitglieder bringen Schülern zwischen 14 und 19 Jahren das Thema Landwirtschaft näher und klären die Jugendlichen darüber auf, wie das Leben auf einem Bauernhof wirklich funktioniert. „Das ist eine Nische an nicht landwirtschaftlichen Schulen“, so Ferstl.
Feier-Termine: 6. und 12. September 2026
Sich selbst aktiv einzubringen, mitreden und etwas bewirken zu können nennt auch Landesleiter David Schasching als Motor für sein Engagement. Kollegin Rita Aigner verweist auf die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 2026: Aktive und ehemalige Landjugend-Mitglieder werden sich am 6. September 2026 zum „Bergevent“ auf der Höss in Hinterstoder einfinden, wo neben Bergmesse und Wanderungen auch ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten wird. Am 12. September steht im Kulturzentrum Melodium in Peuerbach die große Jubiläumsfeier auf dem Programm, bei der aktive Bezirksfunktionäre und ehemalige Landesvorstandsmitglieder neben Ehrengästen auf die 75-jährige Erfolgsgeschichte der Organisation zurückblicken können. Präsentiert wird dabei auch ein eigenes Jubiläumsvideo. Erste Einblicke in dieses und in Interviews mit mehr als 35 Wegbereitern der Jugendorganisation gibt es auf den Social-Media-Kanälen der Landjugend Oberösterreich.
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Rosemarie Ferstl, Rita Aigner und David Schasching
Landjugend im Wandel der Zeit
Stand in den Anfangsjahren vor allem die praktische Vermittlung landwirtschaftlichen Wissens im Mittelpunkt, wurde das Programm bereits in den 1960er-Jahren um Sport, Allgemeinbildung, Kultur und die ersten Fachwettbewerbe erweitert. In den 1970er-Jahren öffnete sich die Landjugend weiter: Mädchen- und Burschengruppen wurden zunehmend zusammengeführt, die bis heute partnerschaftliche Führung entstand und Jugendliche ohne bäuerlichen Hintergrund wurden integriert. In den 1980er- und 1990er-Jahren rückten Projektarbeit und thematische Schwerpunkte stärker in den Mittelpunkt. Daraus entwickelten sich die sechs heutigen Bereiche Allgemeinbildung, Landwirtschaft & Umwelt, Kultur & Brauchtum, Sport & Gesellschaft, Young & International sowie Service & Organisation. Seit 1996 wird die Landjugend als eigenständiger Verein geführt
Der Ursprung: die "4H-Clubs" aus Amerika
Die heutige Landjugend hat ihren Ursprung in der Nachkriegszeit. Damals brachten die amerikanischen Alliierten die Idee der 4H-Clubs nach Österreich. Die vier H standen dabei für „Head, Heart, Hands & Health“, also Kopf, Herz, Hände und Gesundheit. Ziel der 4H-Clubs war die Weiterbildung der ländlichen Jugend. Nach den Kriegsjahren sollte die österreichische bäuerliche Jugend lernen, wie man Landwirtschaft betreibt und einen Haushalt erfolgreich führt. Mit einem Bericht in der Zeitung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich wurde schließlich am 5. Jänner 1951 die Gründung des „Jugendwerks der Landwirtschaftskammer für Oberösterreich“ bekannt gegeben.
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