Die Dürresituation in Oberösterreich spitzt sich weiter zu. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer OÖ ist das Bundesland bisher vom trockensten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen betroffen. Die Folgen reichen von massiven Ertragseinbußen im Grünland und Ackerbau bis hin zu Futtermangel in tierhaltenden Betrieben.
„Die Trockenheit hat heuer ein Ausmaß erreicht, das wir so noch nicht erlebt haben. Für zahlreiche bäuerliche Familienbetriebe steht damit die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel“, warnt LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger. Zusätzlich belasteten stark gestiegene Energie- und Betriebsmittelkosten die Betriebe. Deshalb brauche es „rasch wirksame nationale Hilfen – sei es über Entlastungen bei der Sozialversicherung oder über Direkthilfen“.
Dürreschäden bis hin zu Totalausfällen
Besonders dramatisch ist die Situation im Grünland. In vielen Regionen werden Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent erwartet. Bei Mais und Soja kommt es bereits zu massiven Mindererträgen oder sogar Totalausfällen. Viele Tierhalter müssen zusätzliches Futter zukaufen oder denken bereits über eine Reduzierung ihrer Bestände nach. „Viele Betriebe stehen bereits jetzt vor Abstockungen ihrer Rinderherden, weil sich das Futter für den Winter schlicht nicht mehr ausgeht“, so Waldenberger.
Auch Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger sieht die Entwicklung mit großer Sorge. „Die Situation ist ernst. Es geht nicht nur um Ertragseinbußen, sondern um die Existenz bäuerlicher Familienbetriebe und um die Versorgungssicherheit unseres Landes“, betont sie.
Land Oberösterreich prüft weitere Hilfen
Das Land Oberösterreich arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Bund an zusätzlichen Unterstützungsmaßnahmen. Im Mittelpunkt stehen die Sicherung der Futterversorgung sowie weitere finanzielle Entlastungen für die Landwirtschaft.
Langer-Weninger verweist darauf, dass sich die Auswirkungen der Dürre mittlerweile über nahezu alle Produktionssparten erstrecken. Neben Grünland und Mais seien inzwischen auch Schweinehaltung, Getreide-, Obst- und Gemüsebau betroffen. Die Dürre entwickle sich damit „über alle betrieblichen Sparten hinweg zu einer betriebswirtschaftlichen Herausforderung“.
Hagelversicherung bleibt zentrales Sicherheitsnetz
Sowohl Landwirtschaftskammer als auch Land Oberösterreich unterstreichen die Bedeutung der Österreichischen Hagelversicherung. Gemeinsam investieren Bund und Land heuer rund 36 Millionen Euro in die Prämienförderung, wodurch 55 Prozent der Versicherungsprämien übernommen werden.
Langer-Weninger kündigt an: „Unser Ziel ist es, dieses bewährte System gemeinsam mit dem Bund auch künftig finanziell abzusichern und dort weiterzuentwickeln, wo es angesichts zunehmender Wetterextreme notwendig ist.“
Landwirtschaftskammer unterstützt Betriebe
Um die Futterversorgung kurzfristig zu verbessern, setzt die Landwirtschaftskammer auf ein umfassendes Service- und Beratungspaket. Gefördert werden Kooperationen zwischen Ackerbau- und Viehhaltungsbetrieben, außerdem vermittelt die Futtermittelbörse Futtermittelangebote und -gesuche. Auch die Nutzung von Körnermais als Silomais kann darüber koordiniert werden. „Wo Futter fehlt, muss es rasch und unbürokratisch zu den Betrieben kommen, die es brauchen“, erklärt Waldenberger.
Weitere Entlastungen gefordert
Zwar begrüßt die Landwirtschaftskammer die bereits vom Landwirtschaftsministerium ermöglichten Erleichterungen bei ÖPUL-Auflagen und der Bergbauern-Ausgleichszulage, sieht den Handlungsbedarf aber noch nicht gedeckt. Gefordert werden unter anderem weitere bürokratische Erleichterungen sowie finanzielle Direkthilfen für besonders betroffene Betriebe.
Auch Langer-Weninger drängt auf rasche Entscheidungen: „Jetzt braucht es rasch wirksame Maßnahmen, die unsere bäuerlichen Familienbetriebe spürbar entlasten und zugleich die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen zunehmender Wetterextreme machen. Es geht um die Zukunft der Höfe und um die Versorgungssicherheit in Österreich.“
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