Der Milchbub macht den Käse

Bei Thomas und Markus Ehammer vom Penningberg (Gemeinde Hopfgarten im Brixental) im Tiroler Bezirk Kitzbühel ist „alles Käse“ − im wahrsten Sinne des Wortes. Die jungen Burschen haben sich auf die Weichkäseherstellung spezialisiert und mit der Marke „Milchbuben“ ein florierendes Unternehmen gegründet.

Markus (l.) und Thomas Ehammer stecken hinter den „Milchbuben“. Sie haben sich auf die Herstellung von biologischem Tiroler Heumilchweichkäse spezialisiert. Foto: BZ/Pixner

Milchbuben“ − einen passenderen Namen hätten Thomas und Markus Ehammer für ihren Käsereibetrieb nicht auswählen können. Die beiden jungen Männer sind zwar weder Bubis, noch sind sie grün hinter den Ohren, ihre lockere und sympathische Art lässt jedoch erkennen, wie die Burschen mit ihrer Geschäftsidee so weit gekommen sind und so viele Menschen von sich und ihrem Produkt überzeugen konnten, ihrer Spezialität, dem Weichkäse − biologisch und handgemacht.

 

Zukunft des „Rehaberhofes“
Aufgewachsen sind die beiden Jungunternehmer auf dem Penningberg im Bezirk Kitzbühel. Der Erbhof „Rehaberhof“, der 1654 erbaut wurde und seit 250 Jahren im Besitz der Familie ist, ist bis heute die Heimat der Burschen. Bewirtschaftet wird der Hof jedoch noch von Vater Kaspar und Mutter Eva Ehammer. Die Leidenschaft für die Landwirtschaft wurde den Burschen in die Wiege gelegt. Schließlich ist Vater Kaspar seit vielen Jahren in der Tiroler Rinderzucht tätig, aktuell in der Rinderzucht eGen. Zwei Töchter und zwei Söhne gehören der Familie Ehammer an. Während sich die älteren Schwestern Christina und Maria in der Werbung und im Rechtswesen etabliert haben, kam bei den „Milchbuben“ die handwerkliche Ader zum Vorschein. Der heute 27-jährige Thomas absolvierte die Polytechnische Schule und danach die Lehre zum Tischler. Markus besuchte die LLA Weitau in St. Johann und machte nach Abschluss dieser die Lehre zum Milchtechniker bei „Tirol Milch“ und später auch den Meister.

Die bisher einzigen „Mitarbeiterinnen“ der „Milchbuben“: 20 Fleckvieh-Milchkühe.
Foto: BZ/Pixner

Als sich die Frage nach der Zukunft des „Rehaberhofes“ stellte, stand für Thomas und Markus fest: ganz oder gar nicht. „Wir wollten im Vollerwerb vom Hof leben können“, bestätigen die Brüder. Aus diesem Grund wurde 2016 umgebaut. 130 m2 Betriebsfläche zwischen Wohngebäude und Stall wurden für die Käserei geschaffen und an modernste hygienische und technische Standards angepasst. Im gleichen Zug wurde auch der Stall komplett renoviert. Je zwei Boxen und freien Auslauf bietet der „Rehaberhof“ den 20 Milchkühen und der Nachzucht des Fleckviehs nun mit dem 540 m2 großen Laufstall, der auf das Tierwohl ausgerichtet ist. „Nachhaltiges Denken und Tierwohl sind uns ein großes Anliegen“, erklärt Markus Ehammer. Turbo-Kühe wird man an ihrem Betrieb nicht finden. „Unsere Kühe bekommen Zeit und dürfen bei uns am Hof alt werden“, nickt Thomas.

Aller Dinge Anfang ist klein
Bereits während seiner Zeit an der LLA hat der heute 26-jährige Markus seine Liebe zur Käseherstellung entdeckt. Als Hobby stellte er noch vor Beginn der Selbstständigkeit kleine Mengen an Käse her, die er in der Region über Bauernläden und ab Hof verkaufte. Als feststand, dass eine eigene Käserei die Zukunft des „Rehaberhofes“ sichern sollte, gab Markus sein Wissen an seinen Bruder weiter. Dieser gab für den Käse seinen Beruf als Tischler auf.
Heute blicken die Burschen zufrieden auf die Anfänge ihrer Arbeit zurück. „Da ich schon zuvor Käse verkauft habe und viel positive Resonanz von den Kunden gespürt habe, wussten wir bereits, dass das Geschäft mit dem Weichkäse ausbaufähig ist“, erläutert der jüngere Bruder Markus, „Für den Weichkäse als Spezialität haben wir uns entschieden, da dieser in Tirol selten ist. Außerdem ist er ein tolles Produkt.“ Die Nachfrage ist groß: Zu zweit stellen die „Milchbuben“ wöchentlich zwischen 2000 und 3000 Stück Weichkäse her. Je fünf Sorten Camembert und Brie werden angeboten: Neben Natur, Chili und Walnuss können die Kunden auch die exotische Pistazie und Weichkäse mit Rotkulturen probieren. Insgesamt werden jährlich 300.000 Liter Milch für die Käseproduktion aufgewendet. Diese stammt zum größten Teil vom eigenen Hof. Um die Unabhängigkeit der Käserei zu bewahren, ist sie als Gewerbe gemeldet. Die Milch wird Vater Kaspar abgekauft. „Der Grundgedanke ist, dass zwei Familien von der Käseproduktion leben können. Und wenn es drei sind, sollte es auch noch funktionieren“, sagt Thomas Ehammer lächelnd.
Besonders vom Weichkäse des Penningbergs begeistert sind die deutschen Nachbarn. Rund 45 Prozent der Produktion werden dorthin exportiert. Der Großteil der Produktion wird über Gastro-
großhändler und Lebensmittelketten verkauft. Der kleine, aber feine Hofladen der „Milchbuben“ lädt mit den eigenen Milchprodukten und anderen regionalen Spezialitäten ebenso zum Stöbern ein.

Im kleinen Hofladen werden neben den eigenen Käsespezialitäten auch regionale Schmankerl verkauft.
Foto: Milchbuben

Ambitionierte Milchbuben
„Das Tolle an dem Job ist, dass man Menschen mit einem regionalen Lebensmittel begeistern und zugleich Bewusstsein dafür schaffen kann, wie viel Arbeit dahintersteckt“, sind die „Milchbuben“ Feuer und Flamme.
Noch sind Thomas und Markus Ehammer aber nicht an ihrem Ziel angelangt. „Wir möchten noch ein bisschen größer werden, unsere Produktpalette ausweiten“, meinen die Brüder. Das nächste Projekt der Burschen ist ein Onlineshop.

Der „Rehaberhof“ vom Penningberg

Der „Rehaberhof“ der Familie Ehammer ist seit 250 Jahren im Familienbesitz. Erbaut wurde er im Jahr 1654. Auf dem Biohof leben 20 Fleckvieh-Milchkühe und die Nachzucht, im Sommer sind fünf Kühe auf der Alm. 15 Hektar Grünland und sieben Hektar Wald gehören zum Betrieb. Zurzeit wird er von Kaspar und Eva Ehammer bewirtschaftet, die Söhne Thomas und Markus betreiben die Käserei „Milchbuben“ und stellen ihren Käse zum Großteil aus hofeigener Milch her. Mehr Informationen zum Betrieb unter www.milchbuben.at.

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