Premium-Obstbau „mit Gesicht und Herz“

Mit ihnen ist gut deren frische Kirschen essen: Regina und Tochter Veronika. Foto: Agrarmarketing Tirol

Was wünscht sich der Kunde? Regionales Obst in höchster Qualität, mit viel Liebe hergestellt, aus einem Familienbetrieb. Zum Beispiel vom „Surerhof“ in Thaur.
Dort haben sich Regina und Josef Norz auf den Anbau von Premium-Obst spezialisiert.
Hannah Pixner

Thaur im Bezirk Innsbruck-Land ist bekannt als Zentrum für den Gemüseanbau in Tirol. Neben den Feldern mit Salatköpfen und Zucchinis stechen die Apfel-, Kirsch- und anderen Obstbäume sowie Strauchbeeren des Surerhofs der Familie Norz hervor.
Regina Norz ist selbst auf einem Obstbaubetrieb in der Weststeiermark aufgewachsen. Die Liebe hat sie ins Tiroler Unterland geführt, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann Josef dessen elterlichen Betrieb übernommen hat. Damals wurde der Surerhof noch als viehhaltender Mischbetrieb mit Gemüsebau betrieben. Die beengte Lage im Dorfzentrum erforderte alsbald aber eine spezialisierte Entwicklung des Hofes.

Obstvielfalt mit elf Arten und vielen Sorten

Quelle: Bauernkiste
Nicht nur zur Kirschenernte sind am Surerhof viele helfende Hände nötig.

Anfang der 1990er-Jahre wurde der Betrieb auf Obstbau umgestellt, zu Beginn mit Beerenobst. Heute wachsen auf acht Parzellen oder 5,5 Hektar Fläche elf verschiedene Obstarten, von Beeren- über Stein- bis Kernobst. „Unser Sortiment zieht sich quer durch den Obstgarten, als Hauptkultur wird die Süßkirsche geführt“, erzählt die Betriebsführerin.
Das umfangreiches Obstsortiment bedeutet für die Familie eine durchgehende Erntesaison von Juni bis Oktober. Ihre Kunden schätzen vor allem die Arten- und Sortenvielfalt des Betriebes. Angeboten wird das frische Obst sowohl am eigenen Hof, über Direktvermarktungsschienen wie den örtlichen Bauernladen oder die vor mehr als 20 Jahren mitinitiierte und mitbegründete „Bauernkiste“, einem Zustelldienst mit Komplettsortiment für Tiroler Haushalte, als auch über den Lebensmitteleinzelhandel im „Qualität Tirol“-Segment.
„Ich habe besondere Freude an allen Formen der Direktvermarktung“, sagt Regina Norz. Mit ein Grund für ihre starke Neigung zum Direkt-Verkauf sei etwa die unmittelbare Reaktion ihrer Kunden. Absolute Professionalität sei dabei oberstes Gebot: „Ein bisschen Direktvermarktung so einfach nebenbei, das geht nicht. Man muss mit vollem Einsatz dabei sein.“ Im Gegenzug werde das von den Konsumenten besonders honoriert.
„Unsere Kunden wollen das Gesicht hinter dem Produkt kennen und so eine Beziehung aufbauen“, führt Regina aus. Tiroler sei diesbezüglich vielleicht etwas anders. Die Obstbäuerin ist sich sicher: „Das Bewusstsein für Ernährung und die Wertschätzung von Lebensmitteln sind in unserer Region bei vielen Konsumenten höher.“ Noch bis in die 1950er-Jahre sei genügend Nahrung für viele Tiroler keine Selbstverständlichkeit gewesen. Zudem sei wohlschmeckendes Obst „ein sehr zeitgemäßes Produkt, das gut zu den heutigen Ernährungstrends passt“ und mit dem man auch rasch Neukunden überzeuge, so Reginas Erfahrung.

Klima, Marktmacht, Erntehelfer

Als kleiner Betrieb mit nur wenig Fläche ist für den Surerhof auch nicht der Massenmarkt das Ziel. Die Norers haben für sich die „Premium“-Nische entdeckt. Die frische Tiroler Luft, Wasser zur Bewässerung der Obstanlagen in Trinkwasserqualität, die besonderen klimatischen Verhältnisse und die kurzen Transportwege begünstigen die Produktion in Top-Qualität für den Tiroler Obstmarkt. „Die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an unsere Produkte können wir dank unserer Vermarktungsschiene und der hohen Qualität erfüllen. Allerdings werden die Anforderungen an Erzeuger wie uns von Jahr zu Jahr mehr“, spricht Regina Norz auch die oft täglichen Herausforderungen an, mit denen der Obstbaubetrieb konfrontiert ist, etwa wenn die Vermarktungskosten durch aufwändigere Verpackungsmaßnahmen und eine komplexe Warenlogistik im Zuge einer Bestellung steigen. „Bisher konnten wir auch die Auswirkungen von Unwetter durch Vorkehrungen wie Hagelnetze, Folienüberdachung oder verschiedene Bewässerungssysteme mildern, obwohl die Klima­extreme immer häufiger und heftiger werden.“ Ein zusätzliches Problem für viele Spezialkulturbetriebe sei der Mangel an Arbeitskräften. „Viele motivierte und einsatzbereite Arbeitskräfte aus Drittländern würden gerne in der Saison nach Österreich kommen. Die festgelegten Erntehelfer-Kontingente sind aber zu knapp bemessen“, schildert sie eine weitere Problematik. Umso froher ist Regina Norz über ihr fünfköpfiges Saisonarbeiter-Kernteam, das den Obsthof schon seit Jahren zuverlässig unterstützt. Zu Spitzenzeiten in der Erntesaison beschäftigt der Hof zusätzliche Helfer. In solch arbeitsintensiven Phasen besonders wichtig sei der Zusammenhalt in der Familie. „In der Landwirtschaft sind Familien- und Hofleben einfach nicht voneinander zu trennen, Mitarbeit ist selbstverständlich“, bestätigen auch die Töchter. Die drei Schwestern Sophia, Marie-Theres und Veronika haben allesamt eine Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich abgeschlossen.

Engagiert in Tirols Landwirtschaft

Quelle: Surerhof
Veronika, Josef, Regina, Marie-Theres, Sophia (v. l.): „Familien- und Hofleben sind untennbar.“

Die Unterstützung der Eltern braucht es auch für das ehrenamtliche Engagement der Mutter, ist Regina doch auch Obfrau von TirolObst, dem Landesverband der Tiroler Erwerbsobstbauern, zudem Vizepräsidentin im Bundesobstbauverband und Mitglied im österreichischen Branchenverband für Obst und Gemüse. Weiters kümmert sie sich als Landesobmann-Stellvertreterin von Forum Land, einer Sektion des Bauernbunds, um Fragen des ländlichen Raums. Auch Josef Norz ist in Tirols Landwirtschaft weithin bekannt, weil im Hauptberuf Direktor der Landeslehranstalt Rotholz, der ältesten Landwirtschaftsschule Westösterreichs.

Betriebsspiegel
Erstmals in den Chroniken erwähnt wird der Surerhof der Familie Norz in Thaur im Jahr 1469. In Familienbesitz seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er Anfang 1990 von Regina und Josef Norz übernommen und bald darauf auf Obstbau umgestellt. Auf 5,5 Hektar Fläche werden heute Äpfel, Birnen, Süßkirschen, Weichseln, Zwetschken, Mirabellen, Himbeeren, Brombeeren und Ribisel produziert. Der Betrieb setzt voll auf die Premium-Nische und direkten Kundenkontakt.

 

- Bildquellen -

  • 10 Ernteteam Bauernkiste: Bauernkiste
  • 2Familie Am MF35X: Surerhof
  • 5Kirschen Norz 2019 06: Agrarmarketing Tirol
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